Deepfake-Betrug: Frau verliert über eine Million Euro an Lanz-Video

KI-generierte Phishing-Mails erreichen eine Klickrate von 54 Prozent. Deepfakes und neue Malware-Varianten treiben die Bedrohungslage weiter an.

Das ist eine Vervierfachung gegenüber klassischen Methoden mit nur zwölf Prozent. Neben technisch ausgefeilter Malware setzen Betrüger zunehmend auf Deepfakes und psychologische Manipulation, um Millionensummen zu erbeuten.

Deepfake-Video kostet Anlegerin über eine Million Euro

Ein Fall aus Mittelsachsen zeigt die Gefahr moderner Social-Engineering-Methoden. Eine Frau aus Lichtenberg verlor über eine Million Euro, nachdem sie auf ein KI-generiertes Deepfake-Video von Markus Lanz hereingefallen war. Der angebliche Fernsehmoderator bewarb darin die Finanzplattform „Investhub 3.0“.

Die Täter bauten über Monate hinweg per Telefon und Messenger ein Vertrauensverhältnis auf. Nach einer ersten Zahlung von 250 Euro folgten weitere Überweisungen – insgesamt bis zu 460.000 Euro.

Autonome Ransomware und mobile Malware auf dem Vormarsch

Sicherheitsexperten melden den ersten Einsatz vollautonomer Ransomware. Die im Juli 2026 identifizierte Variante „JADEPUFFER“ arbeitet ohne menschliche Steuerung. Gleichzeitig steigt die Bedrohung durch mobile Schadsoftware.

Die Android-Malware „PromptSpy“ nutzt das KI-Modell Gemini für Angriffe. „RedHook“ verschafft sich über Wireless-ADB-Schnittstellen weitreichende Zugriffsrechte – ohne Root-Rechte streamt sie Bildschirminhalte oder zeichnet Tastenanschläge auf. Als Datenbasis dienen unter anderem Leaks bei großen Handelsketten wie Lidl, bei denen Namen, Telefonnummern und E-Mail-Adressen abflossen.

Sparkassen-Kunden im Visier der Betrüger

In den letzten Monaten gerieten verstärkt Kunden von Sparkassen, DKB und Volksbanken ins Fadenkreuz. Bei den Sparkassen nutzen Angreifer die laufende Umstellung von der S-ID-Check-App auf das S-pushTAN-Verfahren aus. Unter dem Vorwand dringender Updates oder drohender Kontosperrungen locken sie Kunden auf gefälschte Webseiten, wo Zugangsdaten und TANs abgegriffen werden.

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Die Täter kombinieren Phishing zunehmend mit SIM-Swapping. Dabei übernehmen sie die Mobilfunknummer des Opfers und hebeln so die Zwei-Faktor-Authentifizierung aus. International zeigt sich ein starker Anstieg solcher Vorfälle: In Australien verzeichnete der Finanzbetrug im Winter 2026 ein Plus von 105 Prozent. In Indien warnen Behörden vor dem „Boss Scam“ – Betrüger imitieren Führungskräfte per Messenger und drängen Mitarbeiter zu Überweisungen oder Downloads.

Gerichte stärken Verbraucherrechte bei Phishing

Die Haftungsfrage bei Online-Banking-Betrug beschäftigt zunehmend die Justiz. Das Brandenburgische Oberlandesgericht entschied Ende Mai, dass eine Bank trotz grober Fahrlässigkeit des Kunden einen Teil des Schadens ersetzen muss. In dem Fall hatte ein Kunde TAN-Daten weitergegeben – Schaden: über 20.000 Euro. Das Gericht sah ein Mitverschulden des Instituts wegen unzureichender Authentifizierung und ignorierter Warnsignale.

Auch der Belgische Kassationshof stärkte die Verbraucherposition: Banken dürfen Erstattungsanträge nach Phishing nicht pauschal mit dem Verweis auf grobe Fahrlässigkeit ablehnen.

International reagieren Aufsichtsbehörden mit verschärften Vorgaben. In Singapur ist seit Anfang Juli ein Passkey-System für staatliche Dienste Pflicht. Hongkong verbietet Brokerhäusern die Nutzung von SMS-TANs innerhalb der nächsten zwölf Monate.

Erfolge gegen Cyberkriminalität

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Trotz der Bedrohungslage verzeichnen Strafverfolger auch Erfolge. Bei der „Operation First Light“ gab es weltweit rund 5.800 Festnahmen und Sicherstellungen von 270 Millionen Euro.

Experten raten dennoch zu erhöhter Vorsicht bei unaufgeforderten Kontaktaufnahmen. Zahlungsaufforderungen sollten stets über unabhängige Kanäle verifiziert werden.