Die Zahl der an Demenz erkrankten Menschen nimmt im deutschsprachigen Raum kontinuierlich zu. In Deutschland leben Schätzungen zufolge rund 1,8 Millionen Betroffene. Da 86 Prozent aller Pflegebedürftigen in den eigenen vier Wänden versorgt werden, lastet der Großteil der Betreuung auf den Familien.
Anlässlich wiederkehrender Informationsinitiativen wie dem Welt-Alzheimertag am 21. September und der bundesweiten Woche der Demenz vom 21. bis 27. September rücken aktuelle Erhebungen die Belastungsgrenzen des Pflegesystems in den Fokus.
Regionale Entwicklungen in Deutschland und Österreich
Die demografische Entwicklung spiegelt sich deutlich in den Daten der Krankenkassen wider. Für Thüringen meldete die AOK Erfurt auf Basis von Abrechnungsdaten und Hochrechnungen für das Jahr 2026 rund 47.000 Demenzbetroffene bei einer seit Jahren steigenden Tendenz. Bereits im Jahr 2024 litten dort über 3 Prozent der Bevölkerung ab 40 Jahren an einer Demenzerkrankung.
Auch in Österreich zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Laut dem Österreichischen Demenzbericht 2025 leben dort rund 170.000 Menschen mit Demenz, wovon zwei Drittel Frauen sind. Prognosen deuten darauf hin, dass diese Zahl bis 2050 auf mehr als 290.000 steigen könnte. Auf regionaler Ebene verzeichnet die Steiermark Schätzungen zufolge etwa 27.000 Betroffene, davon leben rund 5.000 in Graz.
Dort thematisiert die Aktionswoche «Langer Tag der Demenz» vom 21. bis 25. September unter dem Motto «Von Gestern ins Morgen» die Situation, abgeschlossen durch einen Informationstag am 25. September am Kaiser-Josef-Markt mit über 20 Organisationen sowie der Vorstellung eines neuen Demenzwegweisers der Steirischen Alzheimerhilfe SALZ und der Stadt Graz.
Diskrepanz zwischen Hilfebedarf und Inanspruchnahme
Obwohl der Unterstützungsbedarf für Familien immens ist, greifen viele Betroffene nicht auf bestehende Angebote zurück. Eine Auswertung von 29 Studien mit über 81.000 pflegenden Angehörigen unter Erstautorin Hannah Isaac von der Universität Sydney im Fachmagazin «Psychology & Health» verdeutlicht diese Lücke: Jede dritte pflegende Person wünscht sich Beratung, doch weniger als jede sechste nimmt diese tatsächlich in Anspruch.
Wer sich mit der steigenden Zahl von Demenzfällen befasst, sorgt sich oft auch um die eigene mentale Fitness. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt mit 11 praktischen Alltagsübungen, wie Sie Ihr Gedächtnis aktiv stärken und gezielt vorbeugen können. 11 Übungen für geistige Fitness kostenlos herunterladen
Zudem zeigten sich 40 Prozent der Befragten an staatlichen Hilfen interessiert, genutzt wurden sie jedoch lediglich von 10 Prozent. Im Jahr 2023 zählte Deutschland rund 4,9 Millionen zu Hause versorgte Pflegebedürftige und schätzungsweise 7,1 Millionen pflegende Angehörige.
Angesichts dieser Belastungen forderte Birgit Gerstorfer, Präsidentin des Pensionistenverbandes Österreichs (PVÖ), erstmals einen Rechtsanspruch auf eine demenzgerechte Versorgung sowie Entlastungstage und einen Angehörigenbonus ab der Pflegegeldstufe 3.
Medizinische Empfehlungen und Modellprojekte
Fachgesellschaften weisen darauf hin, dass Demenzerkrankungen oft spät diagnostiziert werden. Die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) veröffentlichte auf Basis einer französischen Graphic Novel erstmals einen kostenlosen Demenz-Comic, um für frühe Anzeichen zu sensibilisieren.
Viele Menschen bemerken erste Anzeichen einer geistigen Veränderung erst sehr spät, was die frühzeitige Unterstützung erschwert. Ein spezialisierter 7-Fragen-Test bietet hier eine diskrete Möglichkeit, die eigene Situation anonym in nur zwei Minuten einzuschätzen. Kostenlosen Demenz-Selbsttest jetzt starten
Medizinisch empfiehlt die DGG multimodale Behandlungspläne, die neben kognitiver Stimulation und Ergotherapie auch den gezielten Einsatz von Hör- und Sehhilfen umfassen. Für Ratsuchende stehen spezialisierte Beratungsstellen bereit, darunter der Pflegestützpunkt Mittlerer Lech 5 in Augsburg und das dortige Alzheimer-Telefon.
Gleichzeitig werden neue Ansätze wissenschaftlich begleitet. An der Universität Jena erprobt ein Team unter der Leitung von Gabriele Wilz das Projekt «AnDem-RoSe». Die Maßnahme zielt auf die direkte psychologische und praktische Entlastung pflegender Angehöriger ab und wird mit rund 3 Millionen Euro aus dem Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) gefördert.

