Demenz-Bluttest: KI unterscheidet 4 Formen mit 92,3% Genauigkeit

Mehrere Forschungsinstitute und Tech-Konzerne präsentieren KI-Systeme, die Diagnosen beschleunigen und neue Behandlungsansätze ermöglichen.

Innerhalb weniger Tage haben mehrere Forschungsinstitute und Technologiekonzerne bahnbrechende KI-Systeme für die Medizin vorgestellt. Die Entwicklungen vom letzten Mai-Wochenende versprechen schnellere Diagnosen, präzisere Wirkstoffe und völlig neue Behandlungsansätze.

Riesige Proteindatenbank und spezialisierte KI-Modelle

Am 30. Mai veröffentlichte die Chan-Zuckerberg-Initiative den ESM Atlas – eine Datenbank mit 1,1 Milliarden vorhergesagten Proteinstrukturen. Das zugrundeliegende Modell ESMFold2 übertrifft Berichten zufolge selbst AlphaFold3 bei der Vorhersage von Proteinkomplexen und Antikörper-Wirkstoff-Bindungen. Forscher nutzten das System bereits, um Binder gegen CTLA-4 zu entwickeln – ein zentrales Zielprotein in der Krebsimmuntherapie. Der neue Atlas erweitert bestehende Datenbanken um mehr als 800 Millionen Einträge.

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Einen Tag zuvor startete OpenAI das Rosalind-Biodefense-Programm. Regierungsbehörden, Universitäten und Non-Profit-Organisationen erhalten damit kostenlosen Zugang zu GPT-Rosalind, einem spezialisierten KI-Modell für Chemie, Biochemie und Versuchsplanung. In diesen Bereichen schlägt das System selbst die leistungsstärksten Varianten von GPT-5. Partner wie das Lawrence-Livermore-Nationallabor und das Johns-Hopkins-Angewandte-Physiklabor nutzen die KI bereits für die Entwicklung eines Ebola-Impfstoffs.

Konkurrent Anthropic zog am selben Tag nach: Claude 4 Opus erreichte bei einem Test für wissenschaftliche Fragen auf Doktoratsniveau 89,2 Prozent – und übertraf damit GPT-5 mit 87,1 Prozent. Das Training des Modells verschlang rund 58 Millionen Dollar und lief 47 Tage auf 16.000 H100-Grafikprozessoren.

Präzisionsdiagnostik: Bluttest und KI-Assistent für Epilepsie

Ein Forscherteam der Washington University in St. Louis veröffentlichte am 30. Mai im Fachblatt Alzheimer’s & Dementia eine Studie zu einem KI-gestützten Bluttest. Das System analysiert 15 Blutproteine und unterscheidet vier Demenzformen – darunter Alzheimer und Parkinson – mit 92,3 Prozent Genauigkeit von gesundem Altern. Grundlage waren Daten von über 3.200 Probanden und 225 Autopsiefällen.

Ebenfalls am 30. Mai erhielt das Unternehmen NeuroPace die FDA-Zulassung für seinen ECoG Assistant. Es ist das erste KI-gestützte Hilfsmittel zur Epilepsie-Behandlung und wurde mit über 124.000 EEG-Aufzeichnungen trainiert. Ein weiteres Patienten-Datenmanagementsystem liegt bereits zur Prüfung vor – die Zulassung wird im zweiten Quartal 2026 erwartet.

KI beschleunigt Wirkstoffentwicklung und Krebsforschung

Die Pharmaforschung profitiert massiv von KI-gestützten Verfahren. Eine Studie im Journal of Medicinal Chemistry vom 30. Mai zeigt, wie ein KI-gesteuerter Workflow die Wirksamkeit von ALDH3A1-Hemmern rund tausendfach verbesserte – von 1,41 Mikromol auf 1 Nanomol.

Auf der Krebskonferenz ASCO 2026 präsentierten mehrere Unternehmen neue Plattformen:

  • Tempus AI startete die PRECISION Challenge und stellt Forschern multimodale Daten, KI-Modelle und Recheninfrastruktur zur Verfügung. Fördergelder von 25.000 bis 75.000 US-Dollar sind möglich.
  • Massive Bio zeigte seine Reticulum-Nexus-Suite mit KI-Agenten zur Patientenvermittlung. In einer Studie mit 3.804 Patienten war die KI-gestützte Zuordnung viermal schneller als manuelle Verfahren.
  • BioNTech und BMS präsentierten Phase-2-Daten zu Pumitamib bei Lungenkrebs. Die Krankheitskontrollrate lag bei 100 Prozent, die objektive Ansprechrate in bestimmten Gruppen bei 72,7 Prozent.

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Das Startup Opalite Health hat einen KI-Sprachdolmetscher für die Medizin entwickelt, der über 150 Sprachen beherrscht. Das System ist bereits in mehr als zehn US-Bundesstaaten im Einsatz und soll die Fehlerquote im Vergleich zu menschlichen Dolmetschern um über 90 Prozent senken.

Biologische Computer: Gehirnzellen spielen Videospiel

Einen Ausblick in die Zukunft lieferte das australische Unternehmen Cortical Labs am 31. Mai: Die Forscher trainierten 200.000 menschliche Gehirnzellen auf einem CL1-Chip darauf, das Videospiel „Doom“ zu spielen. Die Nervenzellen zeigten Echtzeit-Anpassung und zielgerichtetes Lernen – ein Ansatz, der künftig für Wirkstofftests und personalisierte Medizin genutzt werden könnte.