Demenz in Italien: 1,5 Millionen Betroffene und vier Millionen Angehörige

Eine Fachrunde thematisierte Italiens Demenzversorgung, regionale Unterschiede und bürokratische Hürden beim Zugang zu Therapien.

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Die Bewältigung der Alzheimer-Krankheit und anderer Demenzformen stellt Gesundheitssysteme vor tiefgreifende strukturelle Herausforderungen. In der italienischen Abgeordnetenkammer (Camera dei Deputati) bildete dieser Komplex den Schwerpunkt eines fachpolitischen Runden Tisches unter dem Titel „Alzheimer: un dialogo condiviso“.

Die gemeinsam mit der Menarini-Gruppe initiierte Fachdiskussion konzentrierte sich auf die Verzahnung von systematischer Prävention, früher Diagnostik und einem gleichberechtigten Zugang zu therapeutischen Möglichkeiten.

Hohe Fallzahlen und Belastung der Angehörigen

Der Handlungsbedarf wird durch die epidemiologische Situation in Italien unterstrichen. Wie aus einem Bericht vom 29. September 2026 hervorgeht, lebten im Land mit Stand des Jahres 2025 rund 1,5 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung.

Darüber hinaus waren etwa 950.000 Personen von einer leichten kognitiven Beeinträchtigung betroffen. Dieses Stadium gilt in der Medizin als wichtiges Zeitfenster für die Früherkennung, da Interventionen zu diesem Zeitpunkt potenziell den größten Einfluss auf den weiteren Verlauf haben können.

Neben den Erkrankten selbst steht das soziale Umfeld vor enormen Belastungen. Rund vier Millionen Familienangehörige und Betreuungspersonen sind in Italien unmittelbar in die Versorgung eingebunden. Im Rahmen des Runden Tisches wurde hervorgehoben, dass eine zukunftsfähige Versorgungsstrategie neben der medizinischen Betreuung der Patienten auch verlässliche Entlastungsstrukturen für pflegende Angehörige umfassen muss.

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Präventionsstrategie und Abbau regionaler Disparitäten

Ein zentraler Hebel zur langfristigen Dämpfung der Erkrankungszahlen liegt in der Vorbeugung. Bei dem Fachgespräch wurde gefordert, präventive Maßnahmen konsequent im italienischen nationalen Präventionsplan für den Zeitraum 2026 bis 2031 (Piano Nazionale della Prevenzione 2026-2031) zu verankern. Damit sollen Risikofaktoren systematisch minimiert und das Bewusstsein für kognitive Gesundheit in der Bevölkerung gestärkt werden.

Gleichzeitig bereiten die bestehenden Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen des Landes den Fachleuten Sorge. Der Zugang zu diagnostischen Verfahren und modernen Behandlungsformen ist regional nicht einheitlich gewährleistet.

Eine Kernforderung des Runden Tisches lautete daher, diesen Disparitäten gezielt entgegenzuwirken, um überall einen gleichberechtigten Therapiestandard sicherzustellen. Erreicht werden soll dies unter anderem durch eine stärkere multidisziplinäre Versorgung, bei der verschiedene medizinische Fachrichtungen, Hausärzte und Pflegeberufe enger zusammenarbeiten.

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Reformbedarf bei bürokratischen Verschreibungsregeln

Neben organisatorischen Fragen stand die Vereinfachung regulatorischer Rahmenbedingungen zur Debatte. Konkret drängten die Teilnehmer auf eine Reform der sogenannten Nota 85. Diese Vorgabe der italienischen Arzneimittelbehörde regelt die Erstattung und Verschreibungspraxis für Antidementiva im öffentlichen Gesundheitssystem.

In der Praxis können bürokratische Hürden bei den Erstattungsvorgaben dazu führen, dass therapeutische Maßnahmen erst mit zeitlicher Verzögerung beginnen. Eine Vereinfachung dieser Richtlinie gilt als wesentliche Voraussetzung dafür, dass Patienten nach einer erfolgten Früherkennung ohne administrative Barrieren zügig die notwendige medikamentöse Therapie erhalten können.

Frühe Diagnostik und medizinische Fortschritte könnten ihren Nutzen nur dann entfalten, wenn auch die behördlichen Zugangswege entsprechend flexibel gestaltet sind.