Demenz-Prävention: 45% aller Fälle durch Lebensstil vermeidbar

Forschung sieht bei rund 45 Prozent der Demenzfälle veränderbare Risiken. Bewegung, Ernährung und neue Tests rücken deshalb stärker in den Fokus.

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Analysen aktueller Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass ein signifikanter Anteil von Demenzerkrankungen durch gezielte präventive Maßnahmen vermieden werden könnte. Laut Erkenntnissen des österreichischen Forschungsprojekts LETHE-AT lassen sich etwa 45 % aller Demenzfälle auf veränderbare Risikofaktoren zurückführen. Vor diesem Hintergrund gewinnen Ansätze an Bedeutung, die den Fokus auf Ernährung, Bewegung und soziale Teilhabe legen.

Epidemiologische Entwicklung und gesellschaftliche Herausforderungen

Die Relevanz präventiver Strategien wird durch aktuelle Bevölkerungsstatistiken untermauert. In Deutschland lebten nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) aus dem Jahr 2021 rund 1,8 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung.

Ein Bericht aus dem Jahr 2022 bezifferte den Anteil diagnostizierter Fälle bei Personen ab 40 Jahren auf 2,8 %, wobei Frauen mit 3,3 % häufiger betroffen waren als Männer mit 2,4 %.

In Österreich zeigt der Demenzbericht 2025 eine ähnliche Tendenz: Rund 170.000 Menschen sind dort aktuell betroffen. Prognosen gehen davon aus, dass diese Zahl bis zum Jahr 2050 auf über 290.000 ansteigen könnte. Angesichts dieser Entwicklung fordert die PVÖ-Präsidentin Birgit Gerstorfer einen Rechtsanspruch auf demenzgerechte Versorgung, einschließlich spezialisierter Bereiche in Pflegeheimen und bundesweiter Qualitätsstandards.

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Einfluss von Ernährung und körperlicher Aktivität

Wissenschaftliche Untersuchungen liefern zunehmend detaillierte Hinweise darauf, welche Lebensstilfaktoren die kognitive Gesundheit unterstützen. Eine Studie der Murdoch University, die im Fachjournal Nutrients veröffentlicht wurde, untersuchte über einen Zeitraum von 90 Monaten den Einfluss der Ernährung auf ältere Erwachsene. Dabei wurde festgestellt, dass bei Trägern des APOE-ε4-Allels eine westliche Ernährung – charakterisiert durch rotes Fleisch, Süßigkeiten, Weißmehl und verarbeitete Lebensmittel – mit einem schnelleren Nachlassen der Aufmerksamkeit korreliert. Bei Personen ohne diese genetische Veranlagung konnte dieser Zusammenhang nicht in gleichem Maße statistisch belegt werden.

Parallel dazu unterstreicht eine im September 2026 veröffentlichte Studie die Bedeutung von körperlichem Training. Regelmäßige Läufer zeigten in funktionellen MRT-Untersuchungen eine stärkere neuronale Konnektivität in Regionen wie dem Hippocampus und dem präfrontalen Kortex.

Als ausreichend werden hierbei drei bis vier Laufeinheiten pro Woche von jeweils 20 bis 30 Minuten Dauer angesehen, da diese die Ausschüttung des Wachstumsfaktors BDNF fördern.

Der Neurologe Heinz Wiendl von der Uni-Klinik Freiburg fasst die wesentlichen Säulen der Prophylaxe als die vier „L“ zusammen: Lernen, Laufen, Lachen und Lieben. Auch der Neurowissenschaftler Gary Small von der UCLA betont neben täglicher Bewegung und einer proteinreichen Ernährung die Bedeutung von ausreichendem Schlaf und einer positiven Grundeinstellung.

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Psychologische Faktoren und medizinische Früherkennung

Die psychische Verfassung und das Selbstbild im Alter scheinen ebenfalls eine Rolle für die Langlebigkeit und kognitive Vitalität zu spielen. Die Forscherin Jana Nikitin von der Universität Wien verweist auf Studien der Yale University, wonach Menschen mit einer positiven Altersselbwahrnehmung im Durchschnitt 7,5 Jahre länger lebten als Personen mit negativen Altersstereotypen.

In der medizinischen Diagnostik rücken zudem neue Verfahren in den Fokus. Die Med Uni Graz forscht intensiv an der Früherkennung mittels Blut- und Liquor-Biomarkern sowie verbesserten MRT-Auswertungen zur Volumenbestimmung des Hippocampus.

Wissenschaftler aus Greifswald konnten zudem einen Zusammenhang zwischen der Schwere einer Parodontitis und dem Verlust an Gehirnsubstanz nachweisen. Ein gezieltes Zahnhygieneprogramm führte in dieser Untersuchung zu einer Normalisierung der Hirnalterung bei den Probanden.

Ergänzend dazu versprechen neue Bluttests, wie in aktuellen Medienberichten aus dem September 2026 dargelegt wird, eine Diagnose der Alzheimer-Erkrankung bereits Jahre vor dem Auftreten erster klinischer Symptome. Dies könnte den Weg für frühzeitige therapeutische Interventionen ebnen, etwa durch den Einsatz von Antikörpern wie Lecanemab oder Donanemab.