Demenz-Prävention: Blutdruckkontrolle senkt Risiko um 15 Prozent

Studien zeigen mögliche Präventionsansätze gegen Demenz: Bewegung, Blutdruckkontrolle und Ernährung stehen neben neuen Medikamenten im Fokus.

Im Rahmen des Welt-Alzheimertags am 21. September 2026 und der begleitenden Aktionswochen haben medizinische Fachgesellschaften und Hilfsorganisationen den aktuellen Wissensstand zur Vorbeugung kognitiver Einschränkungen zusammengefasst. Experten betonen dabei die Bedeutung frühzeitiger Prävention, da nach Schätzungen von Alzheimer Schweiz rund 45 Prozent der bekannten Risikofaktoren für Demenz als beeinflussbar gelten.

Prävention durch Lebensstil und medizinische Kontrolle

Die Stiftung DHG (Diabetes I Herz I Gefäße) verweist in einer Mitteilung vom September 2026 darauf, dass ein gesunder Lebensstil die effektivste Maßnahme gegen Demenz darstellt. Laut dem Neurologen Prof. Dr. med.

Joachim Röther gehören dazu insbesondere Ausdauersport, der Verzicht auf Nikotin, ein mäßiger Alkoholkonsum sowie eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Schlaf. Ergänzend dazu können laut der Stiftung mediterrane Kost, ein normales Körpergewicht und eine konsequente Blutdruckkontrolle den Beginn kognitiver Einschränkungen verzögern.

Wissenschaftliche Belege für die Relevanz der Blutdruckeinstellung lieferte eine auf dem ESC-Kongress vorgestellte Langzeitstudie der China Medical University Shenyang. Die Forscher Yingxiang Sun und Shanshan Zhong untersuchten über einen Zeitraum von sieben Jahren knapp 34.000 Probanden.

Bei Teilnehmern, deren Blutdruck intensiv auf Zielwerte unter 130/80 mmHg gesenkt wurde, lag das Demenzrisiko um 15 Prozent niedriger als in der Vergleichsgruppe. Das Risiko für kognitive Beeinträchtigungen ohne Demenz sank um 13 Prozent.

Neue Forschungsergebnisse zur biologischen Alterung

Neben klassischen Lebensstilfaktoren rücken zunehmend pharmakologische Ansätze und deren Einfluss auf das biologische Alter in den Fokus. Eine in Nature Medicine veröffentlichte Analyse von Dr. Raghav Sehgal der Yale University School of Medicine untersuchte 51 Interventionsstudien. Dabei zeigten pharmakologische Mittel wie Metformin und GLP-1-Analoga (darunter Semaglutid) im Mittel die stärksten positiven Veränderungen an epigenetischen Markern.

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Auch Lebensstilmaßnahmen wie Bewegung und Ernährung erzielten signifikante Effekte, wenngleich mit geringerer Effektstärke als die medikamentösen Interventionen.

In Bezug auf die Ernährung untersuchte das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) Daten von 6.470 Teilnehmern der Rheinland Studie. Hierbei standen verschiedene Ernährungsscores, darunter die mediterrane und die DASH-Diät, mit einem langsameren Alterungstempo in Verbindung. Besonders ausgeprägt war dieser Zusammenhang laut den Studienergebnissen bei Rauchern.

Spezifische Risikofaktoren und kognitiver Abbau

Neuere Untersuchungen der Kyushu University in Japan weisen zudem auf einen Zusammenhang zwischen der Mundgesundheit und Alzheimer hin. Eine zehnjährige Beobachtung von 1.396 Erwachsenen ergab, dass Probanden mit stark blutendem Zahnfleisch ein um 61 Prozent höheres Risiko für eine Alzheimer-Erkrankung aufwiesen. Als ursächlich gelten entzündungsfördernde Botenstoffe, die über den Blutkreislauf neuroinflammatorische Prozesse begünstigen können.

Hinsichtlich des Kaffeekonsums präsentierten Wissenschaftler auf der internationalen Konferenz der Alzheimer’s Association (AAIC) Daten von rund 8.500 Probanden. Während ein moderater Konsum von einer bis drei Tassen täglich als unbedenklich oder leicht schützend eingestuft wurde, zeigte sich ab der vierten Tasse ein schnellerer Abbau der fluiden Intelligenz, die für logisches Denken und abstrakte Problemlösungen relevant ist.

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Versorgungssituation und gesellschaftliche Herausforderungen

Die steigenden Fallzahlen stellen die Gesundheitssysteme vor wirtschaftliche Herausforderungen. In der Schweiz leben laut Alzheimer Schweiz 166.300 Menschen mit Demenz, wobei die jährlichen Kosten auf 11,8 Milliarden Franken geschätzt werden.

Rund 5,5 Milliarden Franken dieser Summe werden von pflegenden Angehörigen getragen. In Deutschland sind laut DRK etwa 1,8 Millionen Menschen betroffen, während für Österreich bis zum Jahr 2050 mit einem Anstieg auf über 290.000 Betroffene gerechnet wird.

Angesichts dieser Entwicklung fordert das Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) eine lebensphasenorientierte Nationale Demenzstrategie. Christian Heerdt, wissenschaftlicher Leiter des KDA, plädierte für eine frühzeitige und verlässliche Begleitung der Betroffenen, die sich an der individuellen Lebenssituation und den vorhandenen Ressourcen orientieren müsse.

Ergänzend dazu weist die Diakonie in Wien auf den Bedarf an Tageszentren hin. Aktuell nutzen in Österreich etwa 10.000 Personen mit Pflegegeldanspruch eine Tagesbetreuung, was lediglich zwei Prozent der Anspruchsberechtigten entspricht. Laut Umfragen liege der tatsächliche Bedarf vermutlich beim Vierfachen des aktuellen Angebots.