Das indische Ministerium für Elektronik und Informationstechnik hat ein neues Handbuch für die Nutzung von Daten beim Training Künstlicher Intelligenz vorgelegt. Die Publikation zur Architektur namens Data Empowerment and Protection Architecture, kurz DEPA, wurde von IT-Sekretär S Krishnan bei einem Runden Tisch in Bengaluru vorgestellt.
Der Rahmen entstand in Zusammenarbeit mit der Organisation iSPIRT Foundation und soll die datenschutzkonforme Erschließung sensibler Datenbestände für KI-Modelle ermöglichen.
Modellbasierter Zugriff statt Datentransfer
Das DEPA-Modell basiert auf vertraglichen Berechtigungen, kontrollierten Rechenumgebungen und technischen Schutzmechanismen. Ein zentraler Bestandteil ist die Nachverfolgbarkeit der Datenherkunft über den gesamten Trainingsverlauf hinweg.
Konkret sieht die Architektur vor, dass Datenbereitsteller wie Krankenhäuser, Banken oder öffentliche Verwaltungen anonymisierte und verschlüsselte Informationen über eine Datenaustauschplattform bereitstellen. Die Entwickler von KI-Modellen greifen auf diese Plattform zu, um Trainingsprozesse durchzuführen, ohne dass die Rohdaten transferiert werden müssen.
Indiens leitender wissenschaftlicher Berater, Ajay Kumar Sood, hob hervor, dass bei diesem Ansatz das Modell zu den Daten reise und nicht die Daten zum Modell. Dieses Prinzip erlaube eine Kooperation zwischen mehreren Parteien sowie grenzüberschreitende Kooperationen und fungiere als indischer Beitrag zur globalen Wissenschaftsdiplomatie.
Hardware-basierte sichere Datenumgebungen sorgen laut Ministerium dafür, dass Informationen auch während der aktiven Verarbeitung isoliert und verschlüsselt bleiben. Flankiert wird dies durch differenzielle Privatsphäre und manipulationssichere Prüfprotokolle.
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Potenzial für Gesundheit, Finanzen und Bildung
Nach Angaben des Ministeriums kann der Rahmen insbesondere den Zugriff auf bislang fragmentierte Gesundheitsdaten erleichtern. Im Finanzsektor biete sich das Potenzial, rund 400 Millionen bislang unterversorgten Personen sowie Kleinst-, kleinen und mittleren Unternehmen den Zugang zu formellen Krediten zu eröffnen.
Für das Bildungswesen eröffne die Architektur Perspektiven für rund 250 Millionen Schülerinnen und Schüler sowie für den indischen EdTech-Sektor, der auf 29 Milliarden US-Dollar beziffert wird.
Formal ist das Dokument als techno-rechtlicher Leitfaden und nicht als bindendes Gesetz konzipiert. Bestehende rechtliche Bestimmungen, darunter das Datenschutzgesetz DPDP Act und die IT Rules, bleiben unverändert in Kraft. Erste Pilotanwendungen werden in den Bereichen Finanzwesen und Gesundheit erwartet. Konkrete Zeitpläne oder verbindliche technische Standards nannte das Ministerium bislang nicht.
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Breitere KI-Aufsicht im Telekommunikationssektor
Die Initiative reiht sich in umfassendere Regulierungsbemühungen ein. Die indische Telekommunikationsaufsicht TRAI hatte am 30. Oktober 2026 Entwurfsrichtlinien für den verantwortungsvollen KI-Einsatz in Telekommunikationsnetzen vorgelegt, zu denen Stellungnahmen bis zum 27. November 2026 möglich sind.
Der Arbeitstext stützt sich auf Leitlinien vom Februar 2026 und sieht für Lizenznehmer strenge Vorgaben wie Risikoklassifizierungen, verpflichtende Inventare aller eingesetzten KI-Systeme sowie ein internes Aufsichtsgremium vor.
Unabhängig davon, ob Systeme intern entwickelt oder zugekauft wurden, verbleibt die Haftung für die Ergebnisse vollständig bei den Betreibern. Ein früherer Spitzenberater der Behörde bezeichnete diese Entwürfe allerdings vorrangig als Orientierungshilfe statt als durchsetzbare Vorgaben.

