Mit dem neuen System „A-B-Steuerung“ bündelt der Konzern die Lieferung auf wenige Tage – und spart so Kosten. Die offizielle Kontrolle über die Zustellgeschwindigkeit fehlt der Bundesnetzagentur derweil bis mindestens 2028.
Was hinter der „A-B-Steuerung“ steckt
Das neue System optimiert die Zustellrouten, indem es die Ressourcen auf Tage mit hohem Briefaufkommen konzentriert. An sogenannten „Starktagen“ wird zugestellt, an „Schwachtagen“ bleibt der Briefkasten vieler Haushalte leer. Für Konzernchef Tobias Meyer und Operationsvorstand Marc Hitschfeld ist die Umstellung eine direkte Reaktion auf den Kostendruck im Briefgeschäft.
Allerdings gibt es Ausnahmen: Pakete, Einschreiben und Zeitungen werden weiterhin täglich ausgeliefert – ebenso wie sämtliche Sendungen montags. Dennoch hat sich die durchschnittliche Zustellzeit seit 2024 um rund 0,6 Tage verlängert.
Die Umstellung folgt auf eine Novelle des Postgesetzes aus dem Jahr 2025, die die gesetzlichen Anforderungen an die Zustellgeschwindigkeit lockerte. Aktuell müssen 95 Prozent der Briefe innerhalb von drei Werktagen ankommen, 99 Prozent innerhalb von vier Werktagen. Die Deutsche Post gibt an, diese Vorgaben 2025 mit 97,4 beziehungsweise 99,0 Prozent erfüllt zu haben.
Regulierungsbehörde vorerst ohne Kontrollmöglichkeit
Doch während der Konzern von eigener Zielerfüllung spricht, kann die Bundesnetzagentur diese Angaben derzeit nicht unabhängig überprüfen. Die Behörde verlor vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf einen Rechtsstreit gegen ein Marktforschungsunternehmen. Die geplanten Qualitätskontrollen – jährlich 60.000 Testbriefe zur Messung der Laufzeiten – können daher vorerst nicht durchgeführt werden.
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Ein neues Vergabeverfahren zur Wiederherstellung der Kontrollfähigkeit wird frühestens 2027 abgeschlossen sein. Die ersten offiziellen unabhängigen Leistungsberichte sind daher nicht vor 2028 zu erwarten. Für die Jahre 2025 bis 2027 fehlt dem Staat damit das Instrumentarium zur Überwachung der Postlaufzeiten.
Der SPD-Politiker Sebastian Roloff zeigte sich besorgt über diese mangelnde Transparenz und fordert ein beschleunigtes Verfahren zur Wiederherstellung der Regulierungskontrolle. Die Entwicklung kommt zu einer Zeit, in der die Beschwerden über die Post Rekordniveau erreicht haben – und nachdem das Porto im Januar 2025 auf 95 Cent angehoben wurde.
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Modernisierung der Infrastruktur
Parallel zur neuen Steuerung erneuert die Deutsche Post ihre physische Infrastruktur. In Leverkusen-Fixheide wurde ein neues Zustellzentrum eröffnet, das die Logistikkapazität der Region deutlich erhöht. Die Anlage erstreckt sich über 2.170 Quadratmeter – fast doppelt so viel wie der bisherige Standort mit 1.200 Quadratmetern.
Die Niederlassung versorgt rund 44.800 Haushalte und setzt auf Nachhaltigkeit: Eine Photovoltaikanlage mit 58 kWp sowie eine Flotte von 42 Elektrofahrzeugen gehören zur Ausstattung. Das neue Zentrum ersetzt einen Standort in Opladen, den das Unternehmen seit 1987 genutzt hatte. Bei der Eröffnung betonten Niederlassungsleiterin Juliane Tiemann und Oberbürgermeisterin Annette Bruchhausen-Scholich die Bedeutung des neuen Zentrums für die Aufrechterhaltung des Servicelevels in den umliegenden Postleitzahlbereichen.

