Am 18. Juni 2026 haben sich die deutsche Bundesregierung und die Länder auf die Einführung des sogenannten „Deutschland-Stacks“ geeinigt. Das strategische Vorhaben zielt darauf ab, die digitale Souveränität des Staates zu stärken. Kern der Vereinbarung: Ab 2028 sind das Open Document Format (ODF) und PDF/UA die verbindlichen Standardformate für die gesamte öffentliche Verwaltung. Proprietäre Formate wie .docx und .xlsx werden damit schrittweise abgeschafft.
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Europäische Allianz für digitale Unabhängigkeit
Der Schritt ist Teil einer größeren europäischen Bewegung zur Reduzierung der Abhängigkeit von Software-Anbietern außerhalb der EU. Bereits am 17. Juni 2026 trafen sich Vertreter Deutschlands und Frankreichs auf der VivaTech-Konferenz, um eine gemeinsame Strategie für digitale Souveränität zu erarbeiten. Die Botschaft ist klar: Europa will bei kritischer Infrastruktur nicht länger auf Technologie aus Drittstaaten angewiesen sein.
Österreich als Vorbild: LibreOffice bei der Armee
Der Deutschland-Stack schafft eine einheitliche, souveräne IT-Architektur für die Verwaltung. Durch den Ausschluss proprietärer Formate wird die Nutzung von Open-Source-Lösungen wie LibreOffice aktiv gefördert. Ein erfolgreiches Beispiel liefert das österreichische Bundesheer (ÖBH), das seit 2020 mehr als 16.000 Arbeitsplätze von Microsoft Office auf eine lokale LibreOffice-Installation umgestellt hat. Die Umsetzung erfolgte unter der Leitung von CIB, während Collabora Productivity die technische Implementierung übernahm – bewusst ohne Cloud-Anbindung, um Sicherheitsrisiken zu vermeiden.
Um die Entwicklung heimischer Open-Source-Lösungen weiter zu beschleunigen, hat die Bundesregierung einen Wettbewerb ausgeschrieben. Einsendeschluss ist der 30. Juni 2026.
Euro-Office: Die transparente Alternative
Die Debatte um Souveränität hat auch den Markt für kollaborative Bürosoftware verändert. Am 9. Juni 2026 wurde Euro-Office 1.0 als Teil von Nextcloud Hub 26 veröffentlicht. Die Suite basiert auf dem Code von OnlyOffice und wurde von einem Konsortium europäischer Unternehmen entwickelt. Das Ziel: eine vollständig transparente Alternative zu US-dominierten Produkten.
Interessant ist die Gemengelage bei OnlyOffice selbst. Die Software wird von der lettischen Firma Ascensio System SIA entwickelt und gilt als DSGVO-konform. Dennoch gibt es Bedenken hinsichtlich des Standorts der Entwicklungsteams und möglicher Compliance-Risiken für EU-Behörden im Zusammenhang mit geltenden Sanktionen.
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Euro-Office konzentriert sich derzeit auf selbst gehostete Umgebungen und Webanwendungen. Dedizierte Desktop-Apps sind laut Entwickler noch in Arbeit. Parallel dazu brachte Ascensio System SIA am 17. Juni 2026 ONLYOFFICE DocSpace 3.7 auf den Markt, das sowohl ODF als auch Microsoft-Formate unterstützt und für sichere, selbst gehostete Installationen optimiert ist.
KI und Cloud: Souveräne Dienste made in Europe
Europäische Cloud-Anbieter reagieren auf die wachsende Nachfrage nach konformen Produktivitätstools. Am 18. Juni 2026 präsentierte OVHcloud Labs eine Vorschau auf den OVHai Workspace – eine offene Kollaborationsplattform mit E-Mail, Cloud-Speicher und sogenannter „agentischer“ KI. Das Besondere: Die Plattform bietet eine native Ende-zu-Ende-Verschlüsselung (E2EE). Ist diese aktiviert, verarbeitet die KI Daten lokal auf dem Gerät des Nutzers – ein entscheidender Faktor für den Datenschutz. OVHcloud, das rund 1,7 Millionen Kunden betreut, plant den Start einer Beta-Version auf seinem Gipfeltreffen im November 2026.
Auch andere französische Anbieter ziehen nach. Am 18. Juni 2026 launchte Whaller mit Whaller Mail einen souveränen E-Mail-Dienst, der auf der OVHcloud-Infrastruktur läuft und die strengen Sicherheitsanforderungen von NIS2 und DORA erfüllt.
Markt reagiert: Google und T-Systems justieren
Die großen Technologiekonzerne stellen sich auf das neue regulatorische Umfeld in Europa ein. Google Cloud setzt sich für eine Überarbeitung des EU-Gesetzes für Cloud- und KI-Entwicklung (CADA) ein, um eine Marktabschottung zu verhindern – und bewirbt gleichzeitig eigene souveräne Cloud-Lösungen. Das Unternehmen betreibt derzeit 13 Cloud-Regionen in Europa und arbeitet in Frankreich mit S3NS zusammen, das die SecNumCloud-3.2-Zertifizierung erhalten hat.
T-Systems positioniert sich derweil als Anbieter EU-konformer Software-as-a-Service (SaaS). Das Unternehmen bietet verwaltete Lifecycle-Dienste, die sich in große globale Cloud-Plattformen integrieren lassen, dabei aber die Datenhoheit wahren. Die Botschaft der Branche ist eindeutig: Die Einhaltung europäischer Datenschutzstandards wird zum entscheidenden Kriterium für die Beschaffung im öffentlichen und privaten Sektor.

