Deutschland treibt digitale Souveränität mit Allianzen voran

Die Bundesregierung stärkt die digitale Souveränität durch eine Tech-Partnerschaft mit Kanada und eine souveräne Cloud-Entwicklung für die Bundeswehr. Die Initiativen zielen auf weniger Abhängigkeit von ausländischen Anbietern.

Deutschland schmiedet internationale Tech-Partnerschaften und heimische Cloud-Projekte, um Abhängigkeiten zu reduzieren. Diese Woche markiert einen strategischen Schub für die digitale Unabhängigkeit. Zwei wegweisende Initiativen unterstreichen die aggressive „Digitale Souveränität“-Strategie der Bundesregierung. Sie zeigen einen klaren Zwei-Säulen-Ansatz: enge Kooperation mit vertrauenswürdigen Partnern im Ausland und der Aufbau robuster, eigener IT-Kapazitäten in Europa.

Deutsch-kanadische Tech-Allianz in München besiegelt

Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung, Dr. Karsten Wildberger, unterzeichnete am vergangenen Samstag auf der Münchner Sicherheitskonferenz ein Abkommen mit Kanada. Diese Sovereign Technology Alliance baut auf dem Digitalbündnis von Ende 2025 auf. Konkret will man in drei Bereichen zusammenarbeiten: beim Ausbau sicherer Recheninfrastruktur, der Kommerzialisierung von Künstlicher Intelligenz (KI) und der Schließung des Fachkräftemangels.

Für Deutschland adressiert das eine zentrale Schwachstelle: die massive Abhängigkeit von Hyperscale-Cloud-Anbietern außerhalb der EU. Durch die Partnerschaft mit Kanada sollen „sicher-by-design“-KI-Systeme und geschützte Datenkorridore entstehen, die europäischen Datenschutzstandards entsprechen. Als Zeichen der Vertiefung wird Deutschland im September 2026 „Country of the Year“ auf der All In-Konferenz in Montréal sein.

Bundeswehr setzt auf heimische Cloud-Infrastruktur

Parallel zum diplomatischen Vorstoß verkündete die Verteidigungsbranche am Montag einen Pakt für technologische Autonomie. Der Rüstungskonzern HENSOLDT und Schwarz Digits, die IT-Tochter der Schwarz-Gruppe, entwickeln gemeinsam eine souveräne Cloud für die Bundeswehr.

Kern der Zusammenarbeit ist STACKIT, die Cloud-Plattform von Schwarz Digits, die komplett in Deutschland gehostet und betrieben wird. Das Ziel ist eine Infrastruktur für die Bundeswehr und verbündete Nationen, die nicht unter ausländischer Jurisdiktion – wie dem US-amerikanischen CLOUD Act – fällt. Ein erster Prototyp, der HENSOLDT-Sensortechnik mit der souveränen Cloud kombiniert, soll auf der ILA in Berlin präsentiert werden.

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Staatsmodernisierung als Wirtschaftsmotor

Diese Schritte sind die bislang konkretesten Maßnahmen des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) seit seiner Gründung im Mai 2025. Unter Minister Wildberger, einem ehemaligen Industrie-Manager, versteht sich das Haus weniger als Regulierer, sondern vielmehr als wirtschaftlicher Impulsgeber. Sein Fokus liegt auf „Interoperabilität“ und „Staatsmodernisierung“ als Grundlage für Wettbewerbsfähigkeit.

Doch der Weg ist anspruchsvoll. Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) mahnte am Dienstag zur Eile. Verzögerungen beim Digitalen Euro schadeten Europa. Seine Worte unterstreichen den regierungsweiten Konsens: Finanzielle und technologische Souveränität sind untrennbar verknüpft.

Ambitionen stoßen auf Budgetrealität

Während Sicherheitsexperten die Initiativen begrüßen, äußert die Industrie Skepsis. Der Verband eco kritisierte kürzlich das BMDS-Budget von rund 1,36 Milliarden Euro für 2026. Ohne erhebliche zusätzliche Innovationsinvestitionen bleibe das Ministerium eher Koordinator als Gestalter.

Dennoch nimmt die Dynamik zu. Für Mai 2026 bereitet das BMDS den Gigabit-Gipfel vor, auf dem Wildberger Details zum Glasfaserausbau und der Umsetzung des EU-KI-Gesetzes präsentieren will. Die Botschaft dieser Woche ist klar: Deutschland macht Ernst mit digitaler Souveränität. In Zeiten geopolitischer Spannungen ist die Kontrolle über kritische Infrastruktur kein wirtschaftlicher Wunsch mehr, sondern eine Frage der nationalen Sicherheit.