Deutschland und Saudi-Arabien starten Energiepartnerschaft

Die Länder vereinbaren einen grünen Ammoniak-Korridor und digitale Kooperation, um Deutschlands Wasserstoffimporte zu sichern und Saudi-Arabiens Energiewende zu fördern.

Deutschland und Saudi-Arabien gehen eine strategische Energie-Allianz für Wasserstoff und Digitalisierung ein. Die Vereinbarung soll Deutschlands Versorgung mit grünem Wasserstoff sichern und Saudi-Arabiens Energiewende voranbringen.

Die Partnerschaft wurde am Sonntag in Riad von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche und ihrem saudischen Amtskollegen, Energieminister Prinz Abdulaziz bin Salman, besiegelt. Kern der Zusammenarbeit sind der Aufbau einer Lieferkette für grünen Wasserstoff, die Digitalisierung der Energiesysteme und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (AI). Für Deutschland ist dies ein wichtiger Schritt, um die für seine Klimaziele notwendigen großen Mengen an grünem Wasserstoff zu importieren. Saudi-Arabien wiederum treibt damit seine Pläne zur Abkehr vom Öl unter der Vision 2030 voran.

Grüner Ammoniak-Korridor als Herzstück

Konkret wird ein „grüner Ammoniak-Korridor“ von Saudi-Arabien nach Deutschland entstehen. Das Projekt vereint den saudischen Energie-Giganten ACWA Power, den deutschen Versorger EnBW, den Gashändler VNG und ROSTOCK PORT. ACWA Power wird in Yanbu, Saudi-Arabien, eine große Produktionsanlage für grünen Wasserstoff und Ammoniak errichten, die 2030 in Betrieb gehen soll.

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Der produzierte grüne Ammoniak wird dann nach Deutschland verschifft. Im Hafen Rostock plant VNG den Bau eines Ammoniak-Crackers. Diese Anlage spaltet den Ammoniak zurück in grünen Wasserstoff, der ins deutsche Gasnetz eingespeist und an Industriekunden geliefert werden kann. So sollen schwer zu elektrifizierende Sektoren wie die Stahl- oder Chemieindustrie dekarbonisiert werden.

Digitalisierung als Schlüssel für stabile Lieferketten

Ein zentraler Pfeiler der Vereinbarung ist die Digitalisierung. Die effiziente Steuerung der komplexen, transkontinentalen Lieferkette – von der solarbetriebenen Elektrolyse in der Wüste bis zum Verbrauch in deutschen Fabriken – erfordert hochentwickelte digitale Lösungen.

Smart-Grid-Technologien, KI-gestützte Prognosen und digitale Zwillinge sollen dabei helfen, die schwankende Erzeugung erneuerbarer Energien auszugleichen und die gesamte Kette zu optimieren. Diese digitale Infrastruktur ist entscheidend für Effizienz, Sicherheit und die notwendige Transparenz bei der Zertifizierung der grünen Energie.

Strategische Bedeutung für beide Länder

Die Partnerschaft ist für beide Seiten von hohem strategischem Wert. Saudi-Arabien erhält Zugang zu deutscher Technologie und Expertise, um seine hervorragenden Solarressourcen für die Wasserstoffproduktion zu nutzen. Das Land will bis 2030 die Hälfte seines Stroms aus Erneuerbaren beziehen und ein globaler Exporteur für saubere Energie werden.

Deutschland hingegen diversifiziert seine künftigen Wasserstofflieferanten und sichert sich eine langfristige, stabile Bezugsquelle. Die Bundesrepublik wird voraussichtlich einen Großteil ihres Wasserstoffbedarfs importieren müssen, um bis 2045 klimaneutral zu werden. Eine Partnerschaft mit einem Land, das über die Ambitionen und Ressourcen für eine Produktion im industriellen Maßstab verfügt, macht die Energiewende realistischer und wirtschaftlicher.

Nächste Schritte und Ausblick

Die vereinbarte Zusammenarbeit legt den Grundstein für eine langfristige Energiebeziehung. Der Fokus liegt nun auf dem „grünen Ammoniak-Korridor“. Die grundlegende Planung (FEED) für die Anlagen in Yanbu soll bis Mitte 2026 abgeschlossen sein.

Gelingt das Vorzeigeprojekt mit dem geplanten Start 2030, könnte es als Blaupause für weitere grüne Energiehandelsrouten zwischen dem Nahen Osten und Europa dienen. Geplant sind zudem Kooperationen in Forschung und Entwicklung sowie die Angleichung von Zertifizierungsstandards. Der Erfolg dieser Allianz wird nicht nur die Energie- und Klimaziele beider Länder stützen, sondern auch die Entwicklung einer globalen Wasserstoffwirtschaft entscheidend voranbringen.

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