Der Berliner Künstler Simon Weckert hat eine neue Form der Funktionskleidung vorgestellt, die gezielt darauf ausgerichtet ist, die automatisierte Personenerkennung im öffentlichen Raum zu unterlaufen. Das unter dem Namen „Digital Camouflage“ entwickelte Textil nutzt ein KI-generiertes Design, um gängige Überwachungssysteme in die Irre zu führen. Der Entwurf versteht sich als direkter Protest gegen die zunehmende KI-gestützte Videoüberwachung, insbesondere im urbanen Raum.
Technologische Basis des adverserialen Designs
Die Entwicklung des „Digital Camouflage“-Hemdes basiert auf einem komplexen technischen Verfahren. Das Muster wurde mittels eines sogenannten „adversarial loops“ unter Verwendung des KI-Modells YOLO (You Only Look Once) erstellt. Dabei handelt es sich um ein weitverbreitetes System zur Echtzeit-Objekterkennung.
Zur Optimierung des Musters kam die TC-EGA-Methode zum Einsatz, die darauf abzielt, spezifische Schwachstellen in den Erkennungsalgorithmen der künstlichen Intelligenz zu finden und auszunutzen.
Das fertige Design besteht aus einer Kombination von spezifischen Farbübergängen und überlappenden Formen. Nach Angaben des Künstlers dienen diese Elemente dazu, die menschliche Körperkontur für die Kameraalgorithmen zu brechen. In Tests, die im Juni 2026 durchgeführt wurden, erwies sich das Hemd als wirksam gegen KI-gestützte Überwachungssysteme.
Durch das adversariale Muster wird die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Identifizierung durch die Objekterkennungs-Software deutlich reduziert. Dennoch betonte der Entwickler, dass die Kleidung den Träger nicht vollständig unsichtbar mache, sondern vielmehr die algorithmische Erkennung gezielt störe.
Das visuelle Konzept weist Ähnlichkeiten zu einer Entwicklung der KU Leuven aus dem Jahr 2019 auf, bei der ebenfalls grafische Muster zur Täuschung von KI-Systemen eingesetzt wurden.
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Produktion und gesellschaftlicher Hintergrund
Der unmittelbare Anlass für das Projekt war die Einführung von KI-Videoüberwachung an der Berliner U-Bahn-Station Kottbusser Tor im August 2026. Das Vorhaben ist somit als symbolischer Akt gegen die flächendeckende Beobachtung öffentlicher Plätze zu verstehen. Ein Teil der Einnahmen, die durch den Verkauf der Hemden erzielt werden, soll Organisationen zugutekommen, die sich für digitale Rechte einsetzen.
Bei der Herstellung setzt das Projekt auf europäische Produktion und Nachhaltigkeit. Die Hemden werden in Lettland gefertigt, wobei das verwendete Material zu 65% aus recyceltem Polyester besteht. Preislich liegt das Produkt je nach Ausführung bei 78 Euro oder 104 Euro (umgerechnet etwa 88 US-Dollar beziehungsweise 75 US-Dollar).
Künstlerischer Kontext und Wirkung
Simon Weckert ist in der Branche kein Unbekannter, wenn es um die spielerische und zugleich kritische Auseinandersetzung mit digitalen Infrastrukturen geht. Bereits im Jahr 2020 erregte er internationales Aufsehen, als er mit einem Bollerwagen voller Smartphones durch Berlin zog.
Durch die 99 mitgeführten Geräte täuschte er dem Dienst Google Maps einen virtuellen Verkehrsstau vor und zwang das System dazu, Autofahrer auf alternative Routen umzuleiten.
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Mit „Digital Camouflage“ setzt der Künstler diesen Weg fort. Das Ziel des aktuellen Projekts besteht darin, eine Brücke zwischen technologischer Täuschung und Alltagstauglichkeit zu schlagen.
Obwohl das Muster nicht universell gegen jede Form der KI-Erkennung wirkt, dient es als Demonstration technologischer Schwachstellen. Es verdeutlicht die Möglichkeit, sich individuellen Überwachungsmechanismen durch analoge Mittel in einer digitalisierten Umwelt zu entziehen.

