Digitale Identität: 51% kennen EU-Wallet noch nicht

Erfolgreicher EU-Japan-Pilot und strategische Marktveränderungen treiben die digitale Brieftasche voran.

Ein erfolgreicher Pilotversuch zwischen der EU und Japan sowie strategische Neuausrichtungen im E-Signatur-Markt treiben die Entwicklung voran.

EU-Japan: Digitale Zeugnisse grenzenlos

Ein am heutigen Freitag veröffentlichter Pilotbericht bestätigt: Der EUDI-Wallet und Japans digitale Infrastruktur können künftig Bildungsnachweise über Ländergrenzen hinweg austauschen. Die Demonstration testete die Ausstellung, Speicherung und Verifikation digitaler Zeugnisse zwischen dem europäischen Wallet und dem japanischen System, einschließlich der My-Number-Card.

Der Test basiert auf einer Kooperationsvereinbarung vom April 2024. Zwar belegt der Pilot die technische Machbarkeit – für die gegenseitige Anerkennung sind jedoch noch formelle internationale Abkommen nötig. Das Projekt ist Teil der EU-Japan-Digitalpartnerschaft, die seit 2022 sichere digitale Transaktionen fördert.

Yousign wird Youtrust: Neuer Name, breiteres Angebot

Der europäische Markt für elektronische Signaturen erlebt einen bedeutenden Wandel. Das französische Unternehmen Yousign firmiert ab sofort unter dem Namen Youtrust. Aus dem reinen Signaturdienst wird eine umfassende digitale Vertrauensplattform mit Identitätsprüfung, elektronischen Siegeln und verschiedenen Sicherheitsstufen für Signaturen.

Das Unternehmen, das 2024 die B-Corp-Zertifizierung erhielt, erreichte im diesjährigen Gleichstellungsindex 87 von 100 Punkten.

DACH-Region rüstet auf

In Deutschland, Österreich und der Schweiz treiben Dienstleister die Integration mit nationalen Identitätssystemen voran. Am 15. Juli integrierte iDenfy Österreichs Handy-Signatur in seine Plattform – ein Tool mit über vier Millionen aktiven Nutzern. Einen Tag später verbinden A-Trust und sproof das ID-Austria-System (über fünf Millionen Nutzer) mit einem spezialisierten eID-Hub. Das ermöglicht Echtzeit-Identitätsprüfungen und digitale Signaturen in einer lokalen Rechenzentrumsumgebung.

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In Luxemburg meldete LuxTrust am 15. Juli die Migration auf ein eIDAS-zertifiziertes QSCD-System (Qualified Signature Creation Device). Dieses Upgrade bietet das höchste Sicherheitsniveau für Fernsignaturen – und erreicht über 95 Prozent der aktiven Bevölkerung Luxemburgs.

Regulatorische Fristen rücken näher

Die Umstellung auf qualifizierte elektronische Signaturen (QES) gewinnt an Fahrt. Shufti und Evrotrust haben eine Partnerschaft für einen einheitlichen Onboarding-Prozess nach eIDAS 2.0-Standards geschlossen. Branchenprognosen zufolge wird QES ab Juli 2027 zur primären Identifizierungsmethode – dann tritt die neue EU-Geldwäscheverordnung (AMLR) in Kraft. Bereits im August 2027 wird der technische Standard ETSI TS 119 461 v2.1.1 verbindlich.

Auch die öffentliche Hand investiert: Die Malta Digital Innovation Authority schrieb im Juli 2026 die Einführung des EUDI-Wallets aus. Der Auftrag im Wert von 15,6 Millionen Euro umfasst Entwicklung und Systemintegration. Angebotsschluss ist der 3. September 2026.

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Bekanntheitsgrad: Luft nach oben

Trotz aller technischen Fortschritte: Eine am 16. Juli veröffentlichte Umfrage von IDnow offenbart eine erhebliche Wissenslücke. 51 Prozent der befragten Franzosen und Deutschen haben noch nie vom EUDI-Wallet gehört. Nur 20 Prozent glauben, seinen Zweck zu verstehen.

Die gute Nachricht: 63 Prozent würden die digitale Brieftasche eher nutzen, wenn sie eine selektive Offenlegung ermöglichte – also nur bestimmte Daten preisgeben müsste.

Britischer Markt: 2 Milliarden Pfund und 275 Firmen

Das britische Office for Digital Identity and Attributes (OfDIA) bekräftigte in seinem am 15. Juli veröffentlichten Jahresbericht das Bekenntnis zum Digital-Verification-Services-Rahmenwerk. Der Markt für digitale Identitäten im Vereinigten Königreich erwirtschaftete demnach 2,027 Milliarden Pfund Umsatz – getragen von 275 Unternehmen mit rund 9.624 Vollzeitbeschäftigten. Schwerpunkte für das kommende Jahr: Skalierung der Nutzung und endgültige Altersverifikationsregeln für unter 16-Jährige.