Digitale Infrastruktur: 15-Stunden-Ausfall bei Google Cloud

Mehrere Cloud- und E-Mail-Dienste meldeten im Juli 2026 teils schwere Ausfälle und Sicherheitslücken. Betroffen waren unter anderem Brevo, OVHcloud und Google Cloud.

Die digitale Infrastruktur steht vor großen Herausforderungen: Gleich mehrere Anbieter meldeten Mitte Juli 2026 teils schwere Störungen und kritische Sicherheitsupdates.

Brevo und DestinE: Ausfälle bei E-Mail-Diensten

Am 20. Juli 2026 kam es beim E-Mail- und Marketing-Automation-Anbieter Brevo zu einer Unterbrechung der Unified-Objects-Ereignisverarbeitung. Der Vorfall dauerte von 14:12 bis 14:39 Uhr MEZ und betraf vor allem Automatisierungs- und Treueprogramm-Ereignisse. Die Techniker konnten das Problem schnell beheben, überwachen das System aber weiterhin.

Noch gravierender waren die Probleme bei der DestinE-Plattform: Zwischen dem 17. und 20. Juli fielen Dienste aufgrund von Wartungsarbeiten bei OVHcloud und einem damit verbundenen Datenbankvorfall aus. Zwar waren die meisten Dienste bis zum Wochenende wieder verfügbar, doch Komponenten wie das Dashboard und HARVIC blieben beeinträchtigt. Auch der Login-Dienst war zeitweise nicht erreichbar.

OVHcloud: Massen-Neustart mit unerwarteten Folgen

Der französische Cloud-Anbieter OVHcloud stand vor einer besonderen Herausforderung: Die Januscape-Sicherheitslücke (CVE-2026-53359) erforderte einen Massen-Neustart von Zehntausenden Hosts. IT-Sicherheitschef Julien Levrard erklärte, dass man sich gegen Alternativen wie Hot-Patching oder Live-Migration entschieden habe – und für die radikale Lösung.

Doch selbst nach Tests in Sydney lief nicht alles glatt: Datenkorruption, OpenStack-Fehler und Hardware-Probleme verhinderten, dass einige virtuelle Maschinen wieder hochfuhren. Ein klassischer Fall von „Vorsatz und Wirklichkeit“ in der Cloud-Welt.

Google Cloud: 15 Stunden Ausfall durch Kühlungsproblem

Ein besonders schwerwiegender Vorfall ereignete sich Anfang Juli bei Google Cloud. Ein Kühlungsausfall in der Zone europe-west4-a – ausgelöst durch einen vorgelagerten Stromfehler – führte zu einer 15-stündigen Unterbrechung für Kunden von Google Cloud VMware Engine (GCVE), NetApp Volumes und Bare Metal Solution (BMS).

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Branchenbeobachter zeigten sich alarmiert: Der Vorfall offenbart, wie anfällig selbst Hyperscaler-Umgebungen sein können, wenn Dienste nur auf einem einzigen physischen Standort basieren. Für Unternehmen, die auf diese Dienste angewiesen sind, stellt sich die Frage: Wie resilient sind die großen Cloud-Plattformen wirklich?

AT&T unter Druck: Netzprobleme und regulatorische Hürden

Auch im Telekommunikationssektor gab es Turbulenzen: AT&T kämpfte am 21. Juli während der Vorwahlen im Maricopa County mit kurzzeitigen Verbindungsproblemen. Zwar blieben rund 99 Prozent der 1.900 elektronischen Wahlgeräte funktionsfähig, doch es gab Berichte über intermittierende Signalstörungen.

Noch bedeutsamer für die Zukunft: Ein Bundesrichter lehnte am 16. Juli einen Eilantrag ab, der die sogenannten „Carrier of Last Resort“-Regeln in Kalifornien stoppen sollte. AT&T muss nun weiterhin grundlegende Telefondienste anbieten, obwohl das Unternehmen bis Juni 2027 die Kupferleitungen für rund 199.000 Kunden abschalten will. Ein Präzedenzfall, der auch für die deutsche Telekommunikationslandschaft interessant sein dürfte – schließlich steht auch hier der Kupfernetz-Ausstieg bevor.

Apple: Verspäteter Patch für „Hide My Email“

Am 3. Juli 2026 veröffentlichte Apple ein Sicherheitsupdate für eine Schwachstelle in der Funktion „Hide My Email“ – mehr als ein Jahr, nachdem der Fehler im Juni 2025 gemeldet worden war. Das Problem: Bei als Spam abgewiesenen Nachrichten konnten echte E-Mail-Adressen in den Mail-Logs auftauchen. Nach der Offenlegung und dem Fix wurde eine Sammelklage gegen das Unternehmen eingereicht.

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Zimbra: Kritische Sicherheitslücken geschlossen

Der E-Mail-Spezialist Zimbra brachte mit Version ZCS 10.1.20 mehrere kritische Sicherheitsupdates. Betroffen waren unter anderem eine Command-Injection-Lücke in SNMP, Cross-Site-Scripting (XSS), ein Mail-Forwarding-Bypass (CVE-2026-50055) und Server-Side Request Forgery (SSRF). Immerhin: Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung waren keine aktiven Ausnutzungen bekannt.

Marktüberblick: Wer schützt die E-Mails am besten?

Die aktuellen Bewertungen auf Gartner Peer Insights geben einen Einblick, welche E-Mail-Sicherheitslösungen bei Nutzern besonders gut abschneiden:

  • Abnormal, Darktrace und Sophos: jeweils 4,8 von 5 Sternen
  • Proofpoint Threat Protection und Check Point Harmony: 4,7 (bei 1.413 bzw. 946 Bewertungen)
  • KnowBe4: 4,7
  • Barracuda: 4,6
  • Mimecast: 4,5

Die zunehmende Nutzung von E-Mail-APIs – etwa von Anbietern wie MailerSend – wird zum Standard für transaktionale E-Mails, Massenversand und Template-Management. Doch die jüngsten Vorfälle zeigen: Auch die beste Technologie ist nur so gut wie ihre Absicherung.