Digitale Souveränität: EU investiert 10 Mrd. Euro in sieben KI-Fabriken

EU treibt mit Chips Act 2.0 und Milliardeninvestitionen die digitale Unabhängigkeit voran. Öffentliche Einrichtungen und Industrie setzen zunehmend auf europäische Cloud-Lösungen.

Aktuelle Branchenanalysen von Mitte August 2026 unterstreichen die wachsende Bedeutung der europäischen digitalen Souveränität. Für eine unabhängige digitale Infrastruktur seien demnach weiterhin verstärkte Investitionen in europäische, sichere Kommunikationslösungen sowie die konsequente Nutzung von Open-Source-Grundlagen erforderlich.

Die Bestrebungen erstrecken sich dabei über gesetzliche Initiativen, Infrastrukturprojekte und konkrete Migrationsstrategien in Verwaltung und Industrie.

Gesetzliche Rahmenbedingungen und strategische Investitionen

Die EU-Kommission treibt die Souveränität durch ein umfassendes Gesetzespaket voran, das unter anderem den Chips Act 2.0 sowie den Cloud and AI Development Act (CADA) umfasst. Die vorgeschlagenen Regelungen sehen vor, die Produktion europäischer Halbleiter zu steigern und Daten öffentlicher Einrichtungen ausschließlich auf Servern innerhalb der EU zu speichern. Dabei sollen US-Provider von diesen sensiblen Bereichen ausgeschlossen werden.

Ergänzend dazu plant die Kommission den Aufbau von KI-Forschungszentren und eine Verdopplung der Rechenzentrumskapazitäten innerhalb der nächsten fünf bis sieben Jahre. Finanziell wird dieser Kurs durch erhebliche Mittel gestützt: Im April 2026 wurden bereits Sovereign-Cloud-Verträge im Wert von 180 Millionen Euro vergeben.

Zudem investiert die EU rund 10 Milliarden Euro in den Aufbau von sieben sogenannten KI-Fabriken. Parallel dazu existieren jedoch weiterhin transatlantische Kooperationen, wie etwa ein Milliardendeal zwischen Microsoft und Mistral AI verdeutlicht.

Öffentlicher Sektor und Industrie setzen auf Unabhängigkeit

In der praktischen Umsetzung zeigen sich deutliche Verschiebungen weg von außereuropäischen Anbietern. Das Europäische Parlament nutzt künftig die Suchmaschine Qwant, während Airbus laut Branchenberichten 70 Anwendungen, darunter ERP- und CRM-Systeme, vom US-Anbieter AWS zum französischen Provider Scaleway verlagert.

In Deutschland prüft der Bundestag derzeit intensiv die digitale Infrastruktur. Hintergrund ist unter anderem die Abhängigkeit von einzelnen Herstellern; so zahlt die Bundesregierung jährlich rund 500 Millionen Euro an Microsoft für Lizenzgebühren. Als Alternative gewinnt die Open-Source-Lösung openDesk an Bedeutung.

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Regional wird dieser Wandel bereits vollzogen: Schleswig-Holstein plant, bis Ende 2025 rund 30,000 Arbeitsplätze auf das Betriebssystem Linux umzustellen. Auch Frankreich forciert eigene Lösungen und plant bis 2027 die Einführung eines Videokommunikationssystems für 200,000 Beschäftigte im öffentlichen Sektor.

Sicherheitszertifizierungen und Cloud-Jurisdiktion

Ein zentrales Hindernis für die Datensicherheit bleibt der US CLOUD Act, der US-Behörden den Zugriff auf Daten erlaubt, selbst wenn diese in Europa gespeichert sind. Als Reaktion darauf gewinnen souveräne Cloud-Initiativen an Bedeutung. Hierzu zählen die European Sovereign Cloud von AWS in Deutschland sowie die SecNumCloud-Zertifizierung der französischen Behörde ANSSI.

Im Bereich der Software-Zertifizierungen erreichte Nextcloud jüngst die CSPN-Zertifizierung der ANSSI sowie den IT-Grundschutz des deutschen Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

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Die CSPN-Zertifizierung wird vom BSI anerkannt und entspricht den europäischen Standards nach EN 17640. IT-Dienstleister wie Dataport betreiben diese Lösungen bereits in zertifizierten Umgebungen. Auch spezialisierte Anbieter wie Versa Networks erweitern ihre Souveränitätsangebote durch Sovereign SASE, um Kontrolle und Betrieb vollständig innerhalb einer souveränen Jurisdiktion zu halten.

Herausforderungen bei Kapital und Infrastruktur

Trotz der technologischen Fortschritte sehen Experten weiterhin strukturelle Hürden. Kurt Jonckheer, CEO von Klarrio, erklärte, dass die europäische Souveränität zwar eine Chance für einen digitalen Sprung darstelle und Europa über das nötige Talent verfüge, es jedoch weiterhin an ausreichendem Risikokapital mangle.

Auf Anwendungsebene dienen Projekte wie die von Rijkswaterstaat als Vorbild. Die Behörde bündelt Infrastrukturdaten zentral und schafft damit ein Beispiel für eine souveräne Anwendungsschicht. Gleichzeitig nutzen Anbieter wie EGovC zertifizierte Rechenzentren in Deutschland, um Lösungen wie die Omnia Suite zu betreiben, wobei die Datenhaltung vollständig lokal erfolgt und durch ISO 27001-Zertifizierungen abgesichert wird.