Digitale Souveränität: Europas Cloud-Ausgaben springen um 83 Prozent

Mehrere Regierungen in Europa kündigen den Umstieg auf lokale Cloud-Alternativen an, um digitale Souveränität zu stärken.

Der Druck auf den US-Softwarekonzern wächst: Gleich mehrere europäische Regierungen und Verwaltungen kündigen den Umstieg auf europäische Alternativen an. Grund sind Sicherheitsbedenken und der Wunsch nach digitaler Souveränität.

SharePoint-Support endet – Unternehmen unter Zugzwang

Seit dem 14. Juli 2026 erhalten SharePoint Server 2016 und 2019 keine Sicherheitsupdates und Fehlerbehebungen mehr. Betroffene Organisationen müssen nun entweder auf SharePoint Online in der Cloud migrieren oder auf die kostenpflichtige Subscription Edition umsteigen. Parallel dazu hat Microsoft sein Cloud-Angebot für Behörden erweitert: Seit Juli steht Microsoft 365 Archive in der Government Community Cloud (GCC) zur Verfügung. Der Dienst erlaubt die kostengünstige Kaltlagerung inaktiver SharePoint-Seiten – abgerechnet wird nach Verbrauch.

Schweiz und Deutschland gehen voran

Das Schweizer Armee-Kommando Cyber wechselt auf die Open-Source-Plattform OpenDesk. Bis Oktober 2026 soll die Migration abgeschlossen sein. Die Verantwortlichen begründen den Schritt mit dem US-Cloud-Act und der fehlenden Vertraulichkeit von Microsoft 365.

In Deutschland zieht Mecklenburg-Vorpommern nach: Das Land steigt auf Nextcloud um – der Nachbar Schleswig-Holstein hatte diesen Weg bereits vorgegeben. Auch die Stadt Jena setzt mit der DELOS-Cloud auf Serverstandorte in Deutschland. Der Trend ist eindeutig: Die Ausgaben für souveräne Cloud-Lösungen in Europa sollen 2026 auf umgerechnet rund 11,5 Milliarden Euro steigen – ein Plus von 83 Prozent.

Sogar bei der Sicherheitsbeschaffung zeigt sich der Wandel: Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) vergab im Mai einen Datenanalyse-Auftrag an das französische Unternehmen ChapsVision – und nicht an den US-Konzern Palantir. Auch das niederländische Verteidigungsministerium sucht innerhalb von zwei Jahren nach Alternativen zu US-Datenanbietern.

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Nadella warnt vor Datenlecks durch KI

Microsoft-CEO Satya Nadella schlug am 12. Juli Alarm: Wer proprietäre KI-Modelle nutze, riskiere die Preisgabe wertvoller Unternehmensdaten. Jede Eingabe, jede Korrektur trainiere die Modelle der Anbieter mit – ein gefährlicher Datenabfluss. Nadella empfiehlt Unternehmen, auf private KI-Umgebungen und modulare Orchestrierungsebenen zu setzen. Berichten zufolge nutzen Konzerne wie SAP, T-Mobile und ADP zunehmend lokale Open-Source-Modelle, um diese Risiken zu vermeiden.

EU-Datengesetz: Wechsel wird einfacher

Die Bundesnetzagentur wurde als nationale Behörde für die Durchsetzung des EU Data Act benannt. Das Gesetz erzwingt leichtere Wechsel zwischen Cloud-Anbietern und besseren Datenzugang – ein Schub für die digitale Souveränität.

Während Microsoft in Europa Marktanteile verliert, investiert der Konzern in Asien massiv: 25 Milliarden australische Dollar (rund 15 Milliarden Euro) fließen bis 2029 in die digitale Infrastruktur des Landes. Drei Millionen Australier sollen bis 2028 in KI-Kompetenzen geschult werden.

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SAP-Kunden atmen auf

Gute Nachrichten für SAP-Anwender: Nach einer Untersuchung der EU-Kommission verzichtet der Walldorfer Konzern auf Wiedereinführungsgebühren und senkt Rückständigkeitsgebühren. Analysten zufolge können Kunden nun ihre Migrationspläne für die veralteten ECC-Systeme entspannter angehen – der erweiterte Support läuft noch bis 2030.