Europas Unternehmen und Investoren kämpfen sich durch ein immer dichteres Dickicht aus neuen Digitalvorschriften. Der jüngste Schritt: Deutschland setzte am 26. März mit dem Datendurchführungsgesetz (DADG) den EU Data Act in nationales Recht um. Diese Regeln sollen die Kontrolle der Nutzer über ihre Daten stärken und eine fairere Datenwirtschaft schaffen. Für Fusionen, Übernahmen und Investments bedeutet das jedoch eine massive Herausforderung bei der Bewertung von Daten und der Compliance.
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Wirtschaft warnt vor übereifriger Regulierung
Doch der europäische Weg zur digitalen Souveränität stößt auf Widerstand. Führende Konzerne warnten diese Woche vor den Folgen. Eine zu strenge Abkehr von etablierten US-amerikanischen Cloud-, Software- und KI-Diensten, so ihr Argument, würde ihre Wettbewerbsfähigkeit und Profitabilität gefährden. Die Unternehmen sind tief in diese globalen Infrastrukturen eingebunden. Ein erzwungener, schneller Wechsel wäre teuer und disruptiv.
Diese Warnung kommt zur Unzeit. Die EU-Kommission bereitet ein umfassendes „Tech-Souveränitätspaket“ vor, um die Kontrolle über kritische digitale Infrastrukturen zu erhöhen. Für Dealmaker wird die Gratwanderung der Politik zur zentralen Risikofrage: Wie bewertet man ein Unternehmen, dessen Geschäftsmodell von Regeln abhängt, die sich noch formen?
Cybersecurity wird zum Deal-Breaker
Digitale Souveränität ist untrennbar mit Cybersicherheit verbunden. Die EU schärft hier kontinuierlich nach. Im Januar 2026 legte Brüssel ein „Cybersecurity-Paket“ vor, das die NIS2-Richtlinie nachschärft und den Cybersecurity Act reformiert. Ziel ist eine einheitlichere Zertifizierung und stärkere Abwehrkräfte.
Der Hintergrund ist alarmierend: 2025 verzeichnete jede europäische Organisation im Schnitt 1.642 Cyberangriffe pro Woche – ein Anstieg um 20 Prozent zum Vorjahr. Für Investoren und Käufer wird die IT-Sicherheit eines Zielunternehmens damit zur zentralen Due-Diligence-Frage. Schwachstellen können den Dealwert vernichten oder sogar den Marktzugang gefährden.
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M&A-Boom bei Cybersecurity und Sovereign Cloud
Diese Entwicklungen befeuern bereits konkrete Transaktionen. Der europäische Cybersecurity-Markt, der 2026 auf ein Volumen von rund 81,8 Milliarden US-Dollar geschätzt wird, lockt Investoren. US-Firmen kaufen vermehrt europäische Assets, um sich den Zugang zum EU-Markt und dessen Vorschriften zu sichern.
Parallel gewinnt das Konzept der „Sovereign Cloud“ an Fahrt. Aus Sorge vor geopolitischen Abhängigkeiten planen 61 Prozent der IT-Entscheider in Westeuropa, vermehrt auf lokale Cloud-Anbieter zu setzen. Diese „Geo-Repatriierung“ treibt die IT-Ausgaben. Für 2026 wird ein Wachstum von 11 Prozent auf insgesamt 1,4 Billionen US-Dollar für Europa prognostiziert. Dealmaker müssen daher genau prüfen: Wie souverän ist die Cloud-Strategie des Zielunternehmens wirklich?
Ausblick: Souveränität als neuer Deal-Standard
Die Regulierungswelle rollt weiter. Noch 2026 wird der „Cloud and AI Development Act“ erwartet. Er sieht vor, die Rechenzentrumskapazitäten der EU in fünf bis sieben Jahren zu verdreifachen. Zusammen mit dem Data Act und dem Cyber Resilience Act wird dies bestimmen, wie Daten in Zukunft gespeichert, geschützt und transferiert werden.
Für erfolgreiche Dealmaker wird digitale Souveränität vom politischen Schlagwort zur handfesten Due-Diligence-Pflicht. Wer investiert oder kauft, muss die Daten-Landkarte, juristische Risiken und Compliance-Fahrpläne genauestens analysieren. Die Unternehmen von morgen sind jene, die „Sovereign-by-Design“-Lösungen anbieten oder über robuste, europakonforme Strukturen verfügen. Der digitale Dschungel wird undurchdringlicher – aber die Belohnung für die, die ihn navigieren können, ist gewaltig.





