Digitaler Euro kostet Banken Milliarden

Die Europäische Zentralbank beziffert die Kosten für Banken auf vier bis sechs Milliarden Euro. Ein Kompensationsmodell soll die Investitionen über Transaktionsgebühren refinanzieren.

Die Einführung des digitalen Euro wird für Europas Banken ein Milliardengeschäft – im wahrsten Sinne des Wortes. Laut der Europäischen Zentralbank (EZB) müssen sie bis zu sechs Milliarden Euro investieren. Das ist der bisher konkreteste Preis für das Jahrhundertprojekt.

Bis zu sechs Milliarden für die Bankenbranche

Ein hochrangiger EZB-Direktor legte diese Woche erstmals detaillierte Zahlen vor. Piero Cipollone bezifferte die Gesamtkosten für den Bankensektor auf vier bis sechs Milliarden Euro. Diese Summe soll über vier Jahre verteilt in IT-Upgrades, Infrastruktur und neue Prozesse fließen.

Cipollone relativierte die hohe Zahl vor einem italienischen Parlamentsausschuss. Sie entspreche nur etwa drei Prozent der jährlichen IT-Wartungskosten des gesamten europäischen Bankensektors. Die Schätzung basiere auf Rückmeldungen der Institute selbst.

Neben den Banken trägt auch die EZB erhebliche Kosten. Für den Aufbau der zentralen Infrastruktur veranschlagt sie rund 1,3 Milliarden Euro. Danach kommen jährliche Betriebskosten von etwa 300 Millionen Euro hinzu. Eine gewaltige gemeinsame Investition von öffentlicher und privater Hand für die digitale Währung von 450 Millionen Menschen.

So sollen Banken ihre Kosten wieder einspielen

Doch wie sollen die Banken diese Milliardeninvestition wieder hereinholen? Die EZB setzt auf ein Kompensationsmodell. Die Institute bleiben die zentralen Ansprechpartner für Kunden und verdienen an Transaktionsgebühren der Händler.

Anzeige

Für Händler und Online-Shop-Betreiber, die ihre Zahlungsabwicklung prüfen wollen: Ein kostenloser Guide erklärt Schritt für Schritt, wie Sie PayPal sicher einrichten, den Käuferschutz nutzen und Zahlungen effizient abwickeln – praktisch auch für Einsteiger. Das hilft, Transaktionsabläufe zu optimieren und typische Fehler bei der Integration zu vermeiden. Jetzt PayPal-Startpaket gratis anfordern

Der entscheidende Unterschied zu heutigen Systemen: Die EZB selbst verlangt keine Gebühren für die Abwicklung. Das spart Kosten im Vergleich zu internationalen Karten-Netzwerken wie Visa oder Mastercard. Diese Ersparnis können Banken und Händler teilen.

Für eine Übergangszeit sollen die Gebühren für Händler gedeckelt sein – auf dem Niveau heutiger Debitkarten-Zahlungen. Ziel ist es, den digitalen Euro für den Handel attraktiver zu machen als ausländische Netze. Gleichzeitig sollen heimische Zahlungssysteme gestärkt werden.

Warum Europa den digitalen Euro braucht

Hinter dem Projekt steckt mehr als nur technologischer Fortschritt. Für die EZB geht es um die strategische Souveränität Europas. Ein Großteil der digitalen Zahlungen wird derzeit von nicht-europäischen Firmen abgewickelt. Das schafft Abhängigkeiten.

Ein digitaler Euro auf europäischer Infrastruktur soll das fragmentierte Zahlungslandschaft vereinheitlichen. Die EZB will so die Kontrolle über das digitale Geld der Bürger behalten. Doch wie verhindert man, dass das neue Angebot traditionelle Bankeinlagen gefährdet?

Die EZB plant strikte Sicherheitsvorkehrungen. Es wird Obergrenzen für Guthaben geben. Zudem sollen Zahlungen direkt vom Girokonto abgebucht werden, nicht aus einem vorab gefüllten „Wallet“. Der digitale Euro trägt auch keine Zinsen. Er soll reines Zahlungsmittel sein, keine Konkurrenz für Sparkonten.

Der Fahrplan bis zur möglichen Einführung 2029

Bevor der digitale Euro Wirklichkeit wird, muss die Politik zustimmen. Die endgültige Gesetzgebung der EU wird für 2026 erwartet. Erst dann kann die EZB in die heiße Phase starten.

Die Auswahl von Zahlungsdienstleistern für erste Tests soll im ersten Quartal 2026 beginnen. Ein Pilotprogramm mit begrenzten Teilnehmern und echten Transaktionen ist für Mitte 2027 geplant.

Dieser Zeitplan soll eine mögliche Erstausgabe des digitalen Euro im Jahr 2029 ermöglichen. Die kommenden Monate sind entscheidend. Während die Politik die rechtlichen Rahmenbedingungen festzurrt, müssen die Banken bereits die Weichen für ihre milliardenschweren Investitionen stellen.