Digitalisierung Gesundheit: Bundesrat fordert straffere Zeitpläne für GeDIG

Bundesratsausschüsse verlangen kürzere Fristen, während KI-Projekte neue Diagnosemodelle und Länderkooperationen im Gesundheitswesen voranbringen.

Projekte zur Digitalisierung des Gesundheitswesens treiben den Aufbau vernetzter digitaler Gesundheitsakten voran. Die Systeme sollen medizinisches Fachpersonal im Behandlungsalltag gezielt entlasten und fundierte klinische Entscheidungen ermöglichen. Während technologische Fortschritte neue Möglichkeiten für die Diagnose und Therapie eröffnen, rücken auf politischer Ebene die Zeitpläne und Rahmenbedingungen für die Einführung in den Fokus.

Bundesratsausschüsse fordern straffere Zeitpläne

Die Ausschüsse für Gesundheit und für Inneres des Bundesrats begrüßen grundsätzlich die Regelungen des Gesetzes zur Beschleunigung der Digitalisierung des Gesundheitswesens (GeDIG), äußern jedoch deutliche Kritik an den vorgesehenen Umsetzungsfristen. Laut Berichten vom 15. September 2026 fordern die Ausschüsse eine spürbare Verkürzung der Übergangszeiträume.

Nach den bisherigen Entwürfen soll der elektronische Zugriff auf Notfalldaten erst zum 1. Januar 2030 erfolgen. Für die elektronische häusliche Krankenpflege ist der 1. September 2028 vorgesehen, für elektronische Heilmittelverordnungen der 1. Juni 2029 und für elektronische Überweisungen der 1. September 2029. Die abschließende Entscheidung in Bundestag und Bundesrat ist derzeit noch offen.

Zudem beanstanden die Ausschüsse die Pläne zur digitalen Bedarfseinschätzung. Sie kritisieren, dass Primärversorgungsstrukturen ohne ausreichende gesetzliche Grundlage eingeführt werden sollen und technische Mindestanforderungen bislang ohne klares rechtliches Fundament bestehen. Auch die zeitliche Begrenzung von Reallaboren auf maximal fünf Jahre stößt auf Vorbehalte.

KI-Agenten und multimodale Datenintegration

Parallel zu den gesetzgeberischen Debatten liefern wissenschaftliche Projekte konkrete Werkzeuge für die digitale Entscheidungsunterstützung. Forschende der Technischen Universität Dresden und des Else Kröner Fresenius Zentrums für Digitale Gesundheit entwickelten einen lokal betriebenen KI-Agenten zur Unterstützung von Diagnosen, der auf dem im Juni 2026 vorgestellten System MIRA basiert.

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Laut einer Veröffentlichung in der Fachzeitschrift Nature Medicine im Jahr 2026 erreichte das beste lokale Modell in Testläufen eine korrekte Diagnosequote von 84 beziehungsweise 90 Prozent.

In mehr als 90 Prozent von 181 untersuchten Fällen bestand ein ärztlicher Konsens mit der automatisierten Auswertung. Als verlässlichster Indikator erwies sich dabei die Konsistenz der Ergebnisse über mehrere Durchläufe hinweg.

Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Zusammenführung heterogener Befunde. Ein unter Leitung des BIFOLD an der Technischen Universität Berlin stehendes Konsortium mit der Ludwig-Maximilians-Universität München und dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf entwickelt unter der Leitung von Dr. Mina Jamshidi Idaji KI-Modelle zur dynamischen Integration histopathologischer Bilder mit molekularen und klinischen Daten. Das Vorhaben wird über die Förderlinie „Zukunft eHealth“ mit 1,5 Millionen Euro über drei Jahre gefördert und startet am 1. Oktober 2026.

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Vernetzung und Schutz digitaler Infrastrukturen

Damit integrierte Gesundheitsdaten sektorenübergreifend genutzt werden können, entstehen neue Kooperationen. Die Bundesländer Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern unterzeichneten eine Absichtserklärung für das telemedizinische Netz „Tenno“.

Beteiligt sind die jeweiligen Landesgesundheitsministerinnen Stefanie Drese und Kerstin von der Decken, die Krankenhausgesellschaften beider Länder sowie das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein und die Universitätsmedizin Rostock.

Geplant ist zunächst eine Vernetzung der Kliniken ab 2027, gefolgt vom ambulanten Sektor und dem Rettungsdienst. Ein Förderantrag beim Bundesamt für Soziale Sicherung über den Krankenhaustransformationsfonds ist für das vierte Quartal 2026 vorbereitet.

Mit der wachsenden Vernetzung steigen auch die Sicherheitsanforderungen. Sebastian Labinski vom Cyber Defense Center der Gematik verwies laut einem Bericht vom 15. September 2026 auf eine zunehmende Bedrohungslage im Gesundheitswesen, die auch durch den Einsatz von KI durch Angreifer verstärkt werde.

Die Organisation betreibt eine Rund-um-die-Uhr-Auswertung von Lageberichten und plant für die Telematikinfrastruktur 2.0 den Einsatz der Sicherheitskomponente „ZETA Guard“ nach dem Zero-Trust-Prinzip. Digitale Identitäten und konnektorlose Zugänge sollen bis 2029 oder 2030 flächendeckend etabliert werden.