Sicherheitsexperten von Positive Technologies warnen vor einer neuen, aggressiven Spionagesoftware für das Betriebssystem Android. Das Programm mit der Bezeichnung DragonDoll wird derzeit in mehr als 26 Ländern verbreitet, wobei ein Schwerpunkt der Angriffe in Russland liegt.
Die Malware nutzt eine bewährte, aber dennoch effektive Täuschungstaktik, indem sie sich gegenüber den Nutzern als notwendige Aktualisierung für den Webbrowser Google Chrome ausgibt.
Die Verbreitung der Schadsoftware erfolgt primär über gefälschte Internetseiten. Um eine möglichst breite Zielgruppe zu erreichen, haben die Hintermänner diese Seiten in über 30 verschiedenen Sprachversionen erstellt. Den Besuchern wird auf diesen Portalen suggeriert, ihr Browser sei veraltet und müsse aus Sicherheitsgründen umgehend aktualisiert werden.
Wer den entsprechenden Download-Link bestätigt, lädt statt des erhofften Updates die Spionagesoftware auf sein Mobilgerät. Die Intensität der Kampagne spiegelt sich in den Fundzahlen wider: Innerhalb von zwei Monaten konnten Sicherheitsanalysten bereits mehr als 150 unterschiedliche Schadproben von DragonDoll sicherstellen.
Umfassender Zugriff auf private Kommunikation und Zugangsdaten
Einmal auf dem Smartphone oder Tablet installiert, entfaltet DragonDoll ein umfangreiches Arsenal an Spionagefunktionen. Laut den Analysen von Positive Technologies ermöglicht die Malware den Angreifern eine nahezu vollständige Fernsteuerung des infizierten Geräts.
Besonders kritisch ist die Fähigkeit des Programms, private Nachrichten in weit verbreiteten Messenger-Diensten wie Telegram, WhatsApp und Viber mitzulesen. Damit erhalten die Akteure direkten Einblick in die vertrauliche Kommunikation der Betroffenen.
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Zusätzlich ist die Software darauf programmiert, sensible Informationen wie Passwörter und PIN-Codes zu entwenden. Auch das Mitlesen von SMS-Nachrichten sowie das Anfertigen von Bildschirmfotos (Screenshots) gehören zum Funktionsumfang, wodurch Angreifer auch Transaktionsnummern oder private Bildinhalte erfassen können.
Um die Entdeckung der Datenabflüsse durch Sicherheitssoftware zu erschweren, werden sämtliche gestohlenen Informationen verschlüsselt an die Server der Hintermänner übertragen.
Prävention und Maßnahmen bei Infektionsverdacht
Angesichts der professionellen Tarnung der Malware mahnen Experten zur Vorsicht beim Herunterladen von Systemkomponenten. Igor Bederov von Positive Technologies empfahl, Anwendungen und System-Updates ausschließlich über die offiziellen Kanäle der jeweiligen Hersteller zu beziehen.
Ein typisches Anzeichen für eine bereits erfolgte Infektion sei das unerwartete Erscheinen neuer Apps auf dem Startbildschirm oder in der App-Liste des Geräts, die nicht wissentlich vom Nutzer installiert wurden.
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Für den Fall eines Infektionsverdachts raten Fachleute zu einer schnellen Reaktion. Zunächst sollte die Internetverbindung des betroffenen Geräts unterbrochen werden, um den weiteren Daten abfluss zu stoppen.
Im nächsten Schritt sei das Zurücksetzen des Smartphones auf die Werkseinstellungen erforderlich, um die Schadsoftware restlos zu entfernen. Da Passwörter und PINs bereits kompromittiert sein könnten, sollten Nutzer im Anschluss sämtliche Zugangsdaten für Online-Dienste ändern und konsequent eine Zwei-Faktor-Authentisierung (2FA) aktivieren.
Die aktuelle Bedrohung durch DragonDoll reiht sich in eine Serie ähnlicher Vorfälle ein. Bereits im Juni hatte das russische Innenministerium vor einer vergleichbaren Schadsoftware namens Drama RAT gewarnt, die ebenfalls auf den Fernzugriff auf mobile Endgeräte spezialisiert war.
Die Entdeckung von DragonDoll unterstreicht die anhaltende Gefahr durch Trojaner, die durch gezielte Desinformation eine Installation durch den Nutzer selbst provozieren.

