Cybersecurity-Experten beobachten eine besorgniserregende Entwicklung bei der Verbreitung von Schadsoftware auf mobilen Endgeräten. Aktuellen Berichten zufolge werden Werbeanzeigen auf Facebook verstärkt dazu genutzt, Android-Malware zu verbreiten.
Die Hintermänner dieser Kampagnen zielen dabei strategisch auf die Kategorie der populärsten kostenlosen Neueinführungen („Top New Free“) im Google Play Store ab, um eine hohe Reichweite und vermeintliche Legitimität zu suggerieren.
DragonDoll-Spyware nutzt gefälschte Updates
Ein besonders aktiver Akteur in diesem Bedrohungsszenario ist die sogenannte DragonDoll-Spyware. Diese Schadsoftware infiziert Android-Geräte primär über die Vorspiegelung eines notwendigen, aber gefälschten Updates für den Webbrowser Google Chrome.
In den vergangenen zwei Monaten wurden bereits über 150 Proben dieser Spyware identifiziert. Die Infrastruktur hinter der Kampagne, insbesondere die Command-and-Control-Server (C2), wurde in Russland lokalisiert.
Die Funktionalität von DragonDoll ist weitreichend und darauf ausgelegt, die vollständige Kontrolle über die betroffenen Geräte zu erlangen. Durch die Erschleichung von Zugriffsberechtigungen für Bedienungshilfen (Accessibility Services) ist die Malware in der Lage, Passwörter zu stehlen, Tastatureingaben aufzuzeichnen und Bildschirminhalte durch Screenshots zu erfassen.
Zudem können die Angreifer Chats in verschlüsselten Messengern wie Telegram und WhatsApp mitlesen. Betroffen sind Nutzer in mehr als 26 Ländern, wobei die Software sogar die Fernsteuerung des Bildschirms ermöglicht.
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Milliardenumsätze durch problematische Anzeigenformate
Die Problematik der Werbesicherheit rückt auch die geschäftlichen Hintergründe der Plattformbetreiber in den Fokus. Internen Dokumenten des Konzerns Meta zufolge stammten im Jahr 2024 rund 10 % des Gesamtumsatzes aus Anzeigen für Betrugsmaschen oder verbotene Waren. Dies entspräche einer Summe von etwa 16 Milliarden US-Dollar. Meta selbst bestreitet diese Schätzung.
Parallel dazu sammeln Unternehmen wie Meta und Yandex in großem Umfang Nutzerdaten über Tracking-Pixel in Android-Apps. Während Yandex diese Praxis bereits seit 2017 verfolgt, setzt Meta entsprechende Technologien seit September 2024 ein.
Der Umfang ist beträchtlich: Metas Tracking-Pixel sind auf etwa 5,8 Millionen Websites aktiv, während Yandex auf rund 3 Millionen Websites präsent ist. In diesem Zusammenhang hat Google Chrome ein Update veröffentlicht, das gegen das sogenannte SDP-Munging vorgehen soll, um die Datensicherheit zu erhöhen.
Mark Beare von Malwarebytes wies darauf hin, dass Adblocker zwar grundsätzlich in der Lage seien, bösartige Anzeigen zu blockieren, jedoch Tools wie uBlock Origin die Filterung von Facebook-Anzeigen eingestellt haben, was das Risiko für Nutzer der Plattform erhöht.
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Behörden und Verbände erhöhen den Druck
Neben klassischer Malware verbreiten sich über soziale Medien auch vermehrt Phishing-Links durch virale Trends. Aktuell führen manipulierte Videos, die unter Schlagworten wie „Pakistani teacher student viral video“ verbreitet werden, Nutzer zu Malware-Downloads und Datendiebstahl. Diese Clips sind teilweise KI-generiert oder gestellt, um gezielt Neugier zu wecken.
Zusätzlich steht Meta wegen illegaler Glücksspielanzeigen unter Beobachtung. Untersuchungen in den Niederlanden ergaben, dass solche Anzeigen gezielt gefährdete Personen ansprechen, die sogar in Sperrregistern wie Cruks geführt werden.
Verbände wie KVA und VNLOK schätzen, dass Meta zwischen 7,3 Millionen und 13,6 Millionen EUR an diesen illegalen Werbeformaten verdient. In den Niederlanden wurde bereits eine Klage wegen rund 70.000 solcher Anzeigen eingereicht.
Auch in Australien wächst der Druck. Die dortige Medienbehörde ACMA kann die Entfernung illegaler Inhalte derzeit nicht erzwingen, setzt jedoch auf einen Gesetzesentwurf für 2026, der die Befugnisse erweitern soll.
Allein im Zeitraum 2025-26 wurden bereits 70 Offshore-Dienste untersucht und 49 Websites blockiert. Ein prominentes Beispiel für die Reichweite dieser Aktivitäten ist das Facebook-Konto „Never Grow Old 2.0“, das trotz der Bewerbung illegaler Glücksspielseiten rund 6 Millionen Follower zählt.

