Drei große Militärkonferenzen fordern gleichzeitig den Ausstieg aus der satellitengestützten Navigation. Der Grund: Elektronische Kriegsführung macht GPS im Ernstfall unbrauchbar.
Diese Woche markiert eine Zeitenwende für unbemannte Systeme. Von Florida über Kalifornien bis Polen diskutieren Militärexperten auf drei parallelen Konferenzen eine entscheidende Frage: Wie navigieren Drohnen, wenn das GPS-Signal gestört oder abgeschaltet ist? Die einhellige Antwort lautet: Nur wer sich von Satelliten unabhängig macht, bleibt einsatzfähig.
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Globale Allianz gegen ein gemeinsames Problem
Vom 10. bis 12. Februar treffen sich Spezialisten auf dem Special Air Warfare Symposium (SAWS) in Florida, der Marinekonferenz WEST 2026 in San Diego und der Pionier- und Logistikkonferenz CEL26 im polnischen Krakau. Das zeitgleiche Schwerpunktthema ist kein Zufall. Es spiegelt eine strategische Erkenntnis aller Teilstreitkräfte wider.
Der massive Einsatz von Störsendern und Spoofing-Angriffen in aktuellen Konflikten hat eine Schwachstelle offengelegt. Militärplaner gehen heute davon aus, dass ein technologisch ebenbürtiger Gegner in einem künftigen Krieg zuallererst das GPS attackieren wird. Die Abhängigkeit davon ist zu einem unkalkulierbaren Risiko geworden.
Spezialkräfte fordern robuste Luftsysteme
In Florida stehen die Anforderungen der US Air Force Special Operations Command (AFSOC) im Mittelpunkt. Für ihre oft verdeckten Missionen in umkämpftem Luftraum ist präzise Navigation überlebenswichtig – auch ohne externes Signal.
Die Lösung sollen Technologien wie hochentwickelte Trägheitsnavigationssysteme (INS), visuelle Odometrie und KI-gestützte Geländeerfassung bringen. Diese Systeme ermöglichen es einer Drohne, ihren Weg allein anhand von Sensordaten und Kamerabildern zu berechnen. Auf der SAWS wird nun die schnelle Erprobung und Einführung dieser resilienten Plattformen vorangetrieben.
Marine setzt auf Navigations-Resilienz
Unter dem Motto „Sustaining Maritime Dominance“ debattiert in San Diego die US Navy über die Zukunft der Seekriegsführung. Ein Kernpunkt: Die Zuverlässigkeit unbemannter Systeme in der weiten See oder in küstennahen Gewässern, wo GPS-Signale besonders anfällig sind.
Aussteller präsentieren Lösungen für „resiliente, GPS-unabhängige Navigation“. Für die Marine, die Drohnen zur Flottenüberwachung einsetzt, und für das Marine Corps, das auf Aufklärungsdrohnen bei amphibischen Operationen angewiesen ist, ist dies eine Top-Priorität. Die Fähigkeit, auch ohne Satelliten zu operieren, wird zur Grundvoraussetzung für maritime Dominanz.
KI ersetzt GPS bei Pionier-Einsätzen
In Krakow rückt die CEL26-Konferenz die Bodentruppen in den Fokus. Hier zeigen Unternehmen KI-gesteuerte Roboter und Drohnen für gefährliche Pionieraufgaben wie Minenräumung oder Routensicherung – typische Szenarien mit gestörtem GPS.
Ein Beispiel ist die Safe Pro Group. Ihre KI-Plattform wertet Drohnenbilder aus, um automatisch Landminen zu erkennen. Sie nutzt dafür visuelle Algorithmen, nicht präzise GPS-Koordinaten. Das macht sie immun gegen elektronische Störungen. Solche GPS-unabhängigen Lösungen gelten nach den Erfahrungen aus aktuellen Konflikten als essenziell für den Schutz der Truppe.
Die Technologie der Zukunft: Sehen statt empfangen
Hinter den Diskussionen verbirgt sich ein technologisches Wettrüsten. Gesucht werden zuverlässige Alternativen zum satellitengestützten System. Die Bandbreite reicht von verbesserten Trägheitsnavigationssystemen bis hin zu hochkomplexen SLAM- und VIO-Technologien (Simultaneous Localization and Mapping / Visuelle-Inertiale Odometrie).
Diese Systeme erlauben es einer Drohne, in Echtzeit eine Karte ihrer Umgebung zu erstellen und ihre Position darin zu bestimmen – nur mit Standardkameras und Sensoren. Sie „sieht“ sich buchstäblich durch den Einsatz. Das Ziel ist eine geschichtete „Assured PNT“-Fähigkeit (Positioning, Navigation, and Timing), die Daten aus mehreren Quellen fusioniert. So soll die Mission unter allen Bedingungen gelingen.
Vom Konferenzsaal ins Gefechtsfeld
Die Weichen, die diese Woche gestellt werden, beeinflussen künftige Beschaffungen und Doktrinen. Der Trend geht weg von anfälligen Einzelsystemen hin zu verteilten, widerstandsfähigen und KI-gestützten Fähigkeiten.
In den kommenden Monaten wird die Verteidigungsgemeinschaft neue Verträge, Forschungsprojekte und Feldversuche beobachten, die auf diesen Dialogen aufbauen. Der Druck, GPS-unabhängige Technologien einsatzreif zu machen, wächst. Die Lehre ist klar: In der Kriegsführung von morgen entscheidet, wer nicht auf anfällige Satelliten angewiesen ist.




