Eine aktuelle Untersuchung des Digitalverbands Bitkom unterstreicht den wachsenden Veränderungsdruck beim Datenschutz in der deutschen Wirtschaft. Laut einer Umfrage unter 605 Unternehmen ab 20 Mitarbeitern fordern 90 Prozent der Befragten eine gezielte Reform der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO).
Noch deutlicher fällt das Urteil über die organisatorischen Strukturen aus: 93 Prozent der Betriebe verlangen eine grundlegende Umgestaltung des deutschen Aufsichtssystems.
Susanne Dehmel aus der Bitkom-Geschäftsleitung erklärte dazu, dass der Befund nach acht Jahren DSGVO eindeutig ausfalle. Die Ergebnisse deuten auf eine tiefe Kluft zwischen den regulatorischen Anforderungen und der betrieblichen Praxis hin.
Hemmnis für Digitalisierung und Künstliche Intelligenz
Der Datenschutz wird von einem Großteil der Wirtschaft zunehmend als Innovationsbremse wahrgenommen. 71 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, den Datenschutz als Hemmnis für die Digitalisierung zu betrachten. Dabei wird vor allem die praktische Umsetzung kritisiert: 92 Prozent der Betriebe bezeichnen den administrativen Aufwand als hoch.
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Besonders deutlich zeigen sich die Auswirkungen im Bereich zukunftsweisender Technologien. Jedes zweite Unternehmen gab an, dass der Datenschutz den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) behindere. Dies hat bereits konkrete Auswirkungen auf die Marktauswahl: 42 Prozent der Befragten haben laut der Erhebung bereits auf Produkte von Anbietern außerhalb der Europäischen Union verzichtet, um datenschutzrechtliche Komplikationen zu vermeiden.
Kritik an mangelnder Unterstützung durch Aufsichtsbehörden
Ein zentraler Kritikpunkt der Unternehmen betrifft die Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden. Von jenen Betrieben, die in den vergangenen zwei Jahren Unterstützung bei einer Aufsichtsbehörde angefragt hatten, erhielten 37 Prozent keine Rückmeldung.
Um diese strukturellen Defizite zu beheben, plädiert eine breite Mehrheit für eine Straffung der Zuständigkeiten. Unter den Unternehmen, die Reformbedarf sehen, fordern 85 Prozent eine Zentralisierung der Aufsicht innerhalb Deutschlands. Auf europäischer Ebene sprechen sich 80 Prozent für eine Bündelung der Kompetenzen aus.
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Kritische Perspektive auf den Digital Omnibus on Data
Während die Wirtschaft eine Entlastung fordert, warnen Bürgerrechtsorganisationen wie European Digital Rights (EDRi) vor den aktuellen gesetzgeberischen Entwicklungen auf EU-Ebene. In einem offenen Brief an die EU-Mitgliedstaaten kritisierte EDRi den sogenannten „Digital Omnibus on Data“. Die Organisation bemängelt, dass der Entwurf nicht nur Bürokratie abbaue, sondern eine inhaltliche Deregulierung darstelle.
Besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem überarbeiteten Text vom 21. September und einem Kompromissvorschlag der irischen Ratspräsidentschaft. Laut EDRi würden neue Bestimmungen, wie der Artikel 25a, die Grenze zwischen pseudonymisierten und anonymen Daten verwischen. Dies könne dazu führen, dass dieselben Daten je nach Akteur unterschiedlich eingestuft werden.
Zudem steht zur Debatte, die Verarbeitung von Daten für KI-Zwecke als berechtigtes Interesse einzustufen und automatisierte Privacy-Signale bei Cookie-Bannern zu streichen.
Die Website-Debatte über die Zukunft des Datenschutzes wird in den kommenden Tagen fortgesetzt. Bitkom veranstaltet am 29. und 30. September die „Privacy Conference“ in Berlin, um die aktuellen Herausforderungen und Reformvorschläge weiter zu erörtern.

