E-Mail-Sicherheit: Text Salting umgeht KI-Schutz bei Million Angriffen

Generative KI treibt personalisierte Phishing-Angriffe voran. Neue Methoden wie Text Salting umgehen Schutzsysteme, während DMARC-Lücken weiterhin Risiken bergen.

Die Bedrohungslage für E-Mail-Systeme verschärft sich dramatisch. Generative KI ermöglicht Angreifern personalisierte Phishing-Kampagnen, während gleichzeitig neue Techniken wie „Text Salting“ traditionelle Schutzmechanismen umgehen. Ein aktueller Bericht der Sicherheitsfirma SACR zeichnet ein düsteres Bild der Lage.

KI-gestützte Angriffe auf dem Vormarsch

Seit April 2026 haben Sicherheitsforscher mehr als eine Million Phishing-Angriffe mit einer neuen Methode namens Text Salting registriert. Dabei platzieren Hacker unsichtbare Fülltexte in E-Mails – versteckt durch CSS-Eigenschaften wie Clip-Path oder Schriftgröße Null. Das Ziel: KI-basierte Sicherheitssysteme in die Irre führen.

Besonders tückisch: Die Angreifer nutzen oft kompromittierte, aber legitim wirkende Domains mit gültiger Authentifizierung. Ohne einen Abgleich des sichtbaren Inhalts mit dem zugrunde liegenden Quellcode sind diese Angriffe kaum zu erkennen.

Die Industrie reagiert. Auf der LEAP East Konferenz in Hongkong (8. bis 10. Juli 2026) stellte Coremail ein KI-natives E-Mail-Sicherheitssystem vor. Es arbeitet mit einer kognitiven Engine und autonomen Ausführungsframeworks, um Sicherheitsworkflows zu automatisieren – zunächst für die Märkte in Asien-Pazifik und dem Nahen Osten.

Microsoft stellt E-Mail-Infrastruktur um

Eine wichtige Änderung steht Microsoft-Nutzern bevor. Ab Mitte August 2026 wird Microsoft Forms schrittweise auf eine neue Absenderadresse umgestellt. Statt der bisherigen Legacy-Adresse kommt künftig eine dedizierte No-Reply-Domain zum Einsatz. Der Rollout soll bis Anfang September abgeschlossen sein.

Für US-Behörden-Clouds (GCC, GCC High und DoD) ist die Umstellung zwischen Anfang und Mitte September geplant. Unternehmen mit eigenen Domains sind nicht betroffen. Experten raten allen anderen, ihre E-Mail-Regeln zu überprüfen, damit Benachrichtigungen während der Umstellung nicht versehentlich gefiltert werden.

Zustellbarkeit: Die Schere öffnet sich

Die Ergebnisse der InboxCon 2026 in Las Vegas (17. bis 18. Juli) zeigen alarmierende Trends. Bei großen Plattformen wie Gmail klafft die Zustellbarkeitslücke zwischen Spitzenversendern und mittleren Anbietern um bis zu 40 Prozentpunkte auseinander. Rund 1.400 Teilnehmer diskutierten auf der Konferenz über Lösungen.

Ein Lichtblick: Mehrstufige Verhaltenssegmentierung kann die Einnahmen pro Klick im Vergleich zu unsegmentierten Kampagnen fast verdreifachen.

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DMARC: Die große Sicherheitslücke

Trotz aller Fortschritte bleibt ein grundlegendes Problem bestehen. Von den einer Million meistbesuchten Domains weltweit haben 67,4 Prozent keine durchgesetzte DMARC-Richtlinie. Zwar veröffentlichen knapp 460.000 Domains einen DMARC-Eintrag, aber weniger als die Hälfte setzt ihn auch auf einem Niveau durch, das Spoofing verhindert.

Diese Lücke ist einer der Hauptgründe für Business E-Mail Compromise (BEC). Allein in den USA entstand dadurch 2025 ein Schaden von rund drei Milliarden Euro, wie aus den jüngsten Daten des IC3 hervorgeht.

Um Unternehmen bei der Konfiguration zu helfen, veröffentlichte VMCcerts am 15. Juli 2026 aktualisierte Einsatzszenarien. Sie beschreiben die Anforderungen für den blauen Gmail-Haken durch BIMI und Verified Mark Certificates.

Neue Regulierungen in Europa und den USA

Auch die Regulierungsbehörden werden aktiv. Die US-Börsenaufsicht SEC schlug am 16. Juli 2026 die Regulation E-Delivery vor. Sie würde die elektronische Zustellung von Investoreninformationen zum Standard machen. Eine Safe-Harbor-Klausel schützt Firmen, die ihre Zustellungsarten offenlegen und Anlegern die Möglichkeit geben, auf Papierkopien zu bestehen.

In Europa gingen Frankreich und Italien voran. Ihre Aufsichtsbehörden veröffentlichten im März und April 2026 Leitlinien zu E-Mail-Tracking-Pixeln. Die Kernaussage: Für das Tracking individueller Öffnungsraten ist eine ausdrückliche Einwilligung erforderlich. Die Zustimmung zum Erhalt einer E-Mail allein reicht nicht aus.

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Branche rüstet sich mit Partnerschaften

Am 20. Juli 2026 gaben iPost und ZeroBounce eine strategische Partnerschaft bekannt. Sie integrieren die Echtzeit-Überprüfung von E-Mail-Listen in die iPost-Plattform. Zielgruppe sind regulierte Branchen wie Glücksspiel, Rechtswesen und Wissenschaftsverlage – überall dort, wo Datenqualität und Zustellbarkeit kritisch sind.