E-Rechnungen: KI verkürzt Bearbeitung um 88 Prozent

Nur 29 Prozent der B2B-Rechnungen laufen digital. KI-Automatisierung und neue EU-Gesetze beschleunigen den Wandel massiv.

Künstliche Intelligenz treibt die Digitalisierung von Rechnungen massiv voran – und der Gesetzgeber gibt mächtig Schub.

Das zeigt der aktuelle Billentis Report 2026, der am Montag veröffentlicht wurde. Demnach werden weltweit jährlich rund 600 Milliarden Rechnungen ausgestellt. Doch nur 29 Prozent der Geschäftstransaktionen zwischen Unternehmen (B2B) laufen derzeit elektronisch ab. Die gute Nachricht: KI-gestützte Automatisierung verkürzt die Bearbeitungszeiten bereits um bis zu 88 Prozent.

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Europa macht Druck – PDF-Rechnungen bald out

Der digitale Wandel wird zunehmend von staatlichen Vorgaben vorangetrieben. In Europa hat das ViDA-Gesetzespaket („VAT in the Digital Age“) vom April 2025 die Spielregeln grundlegend geändert. Seitdem gelten einfache PDFs nicht mehr als gültige E-Rechnungen. Die Folge: Bis 2030 wird die Zahl der elektronischen B2B-Rechnungen von 88,3 Milliarden (2026) auf 107 Milliarden steigen.

Während Lateinamerika mit einer E-Rechnungsquote von 78 Prozent weltweit führend ist, entwickelt sich Afrika zum Wachstumsmarkt. Mehr als zehn afrikanische Länder führen 2026 die Pflicht zur elektronischen Rechnungsstellung ein.

Nigeria treibt die Digitalisierung voran

Ein Beispiel: Nigeria – seit Oktober 2025 erste nationale PEPPOL-Behörde des Kontinents. Dort bereitet sich die Steuerbehörde auf die Juli-Frist 2026 vor. Am Montag akkreditierte die Nigeria Revenue Service (NRS) das Unternehmen Afri Invoice als offiziellen Zugangsanbieter und Systemintegrator. Die Plattform ermöglicht die Echtzeit-Übermittlung und -Prüfung von Transaktionen. Ziel: mehr Steuertransparenz und weniger Steuerbetrug durch automatisierte Compliance.

Milliarden-Deals und KI-Assistenten für Buchhalter

Die großen Softwareanbieter rüsten auf. Der französische Konzern Cegid hat das Fintech Shine übernommen und bedient nun über eine Million kleine und mittlere Unternehmen sowie 15.000 Steuerberater in Europa – auch in Deutschland, Frankreich und Dänemark. Finanziert wurde der Deal mit einem Kredit über 1,1 Milliarden Euro.

Am selben Tag brachte Digits sein System Agentic Close auf den Markt – eine KI-gestützte Lösung für den Jahresabschluss. Die Modelle wurden mit 180 Millionen Transaktionen im Wert von rund einer Billion Dollar trainiert. Sie erledigen Buchungen, Abstimmungen und Berichte auf natürliche Sprachbefehle hin.

Im Zahlungsverkehr punktet Bill360 mit seinem Tool Invoice Insights, das im Rahmen des Visa-Programms für erweiterte Handelsdaten arbeitet. Die KI-Analyse erreicht eine nahezu 100-prozentige Qualifikationsrate für B2B-Transaktionen und senkt die sogenannte Downgrade-Rate um rund 20 Prozentpunkte.

Praxisbeispiel: Weniger Personal, mehr Effizienz

Die Technologie zeigt bereits messbare Ergebnisse. Das US-Unternehmen Solis Mammography setzt auf SAP Concur für die Rechnungsautomatisierung. Das System erlaubt es, den Personalbestand in der Buchhaltung konstant zu halten – obwohl das Geschäftsvolumen eigentlich eine Verdreifachung des Teams erfordern würde. Die Strategie: ein „Vertrauen, aber prüfen“-Modell, bei dem KI-gestützte Tools fünf bis zehn Prozent der Transaktionen stichprobenartig kontrollieren.

Auch für kleinere Unternehmen gibt es neue Werkzeuge. Ein Entwickler namens Ayodeji präsentierte kürzlich InvoiceAI, ein Tool, das Rechnungen aus einfacher Textbeschreibung in weniger als zwei Sekunden erfasst und in der Cloud speichert.

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Sicherheit wird zum Top-Thema

Mit der zunehmenden Automatisierung rückt die Sicherheit in den Fokus. Der Anbieter Medius hat für den 16. Juni eine Präsentation angekündigt, in der es um KI-Agenten zur Betrugserkennung in der Kreditorenbuchhaltung geht. Diese Agenten beantworten Lieferantenanfragen und identifizieren Duplikate oder betrügerische Aktivitäten – bevor Zahlungen ausgelöst werden.

Made in Germany: Digitale Geldbörse für Handwerker

Im deutschen Markt zeigt HERO Software, wie die Zukunft aussieht. Das Unternehmen hat Finanzdienstleistungen direkt in seine Plattform für Handwerker integriert. In Partnerschaft mit dem französischen E-Geld-Institut Swan wurde eine digitale Geldbörse gestartet, die SEPA-Zahlungen automatisch mit ausgestellten Rechnungen abgleicht. Rund 40.000 Nutzer im DACH-Raum setzen die Lösung bereits ein.