Ein landesweiter Systemabsturz des digitalen Rezepts hat Patienten und Apotheker frustriert – und die Anfälligkeit der digitalen Gesundheitsinfrastruktur schonungslos offengelegt. Der Vorfall vom 10. Februar 2026 entzündet eine neue Debatte über die Stabilität des eigentlich erfolgreichen Systems.
Systemkollaps mit Folgen für Millionen
Am Morgen des 10. Februar meldete die gematik, die nationale Agentur für digitale Medizin, schwerwiegende Funktionsstörungen in der Telematik-Infrastruktur (TI). Kerndienste wie die elektronische Patientenakte und vor allem das E-Rezept waren für Stunden nicht erreichbar. Apotheken konnten Rezeptdaten nicht abrufen, als Patienten ihre elektronische Gesundheitskarte vorlegten. Die Folge: lange Schlangen, verunsicherte Patienten und ein Zusammenbruch des Praxisalltags an den Apotheken-Tresen.
Der Vorfall unterstreicht, wie abhängig die flächendeckende Versorgung von einer zentralen Technologie geworden ist. Apothekerverbände fordern nun vehement eine widerstandsfähigere Infrastruktur, klare Verantwortlichkeiten für Ausfallzeiten und etablierte Notfallpläne. Wer trägt die Kosten für den entstandenen Betriebsaufwand und kompensiert den Imageschaden?
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Erfolgsstory mit einem Makel
Der Ausfall steht in krassem Gegensatz zur ansonsten beeindruckenden Bilanz des E-Rezepts. Seit der verpflichtenden Einführung am 1. Januar 2024 ist es zum Standard geworden. Bis Ende 2024 wurden über 512 Millionen E-Rezepte eingelöst, wie das Bundesgesundheitsministerium mitteilte. Im Oktober 2025 knackte das System sogar die Milliardengrenze.
Die Akzeptanz ist hoch, nicht zuletzt wegen der einfachen Einlösemethoden. Laut einer gematik-Umfrage bevorzugen 86 Prozent der Nutzer die Methode mit der Gesundheitskarte. Auch die Software in Praxen und Apotheken hat an Benutzerfreundlichkeit gewonnen, wie der „TI-Atlas 2025“ zeigt. Doch der jüngste Blackout wirft die Frage auf: Wie robust ist der digitale Fortschritt wirklich?
Apotheken-Markt im digitalen Wandel
Das E-Rezept hat den Pharmamarkt grundlegend verändert und Online-Apotheken den Zugang zum lukrativen Rezeptgeschäft eröffnet. Neue Analysen vom 16. Februar 2026 deuten jedoch an, dass das explosive Wachstum der Online-Anbieter nachlässt. Die Quartalsumsätze flachen ab – ein Zeichen für Sättigung oder eine anhaltende Präferenz für die Apotheke vor Ort.
Tatsächlich lösen laut Marktstudien rund 90 Prozent aller Patienten ihr E-Rezept weiterhin in der stationären Apotheke ein. Gründe sind die vertraute Beratung, das persönliche Verhältnis und die sofortige Medikamentenverfügbarkeit. Nur etwa zehn Prozent der Verbraucher setzen primär auf Online-Anbieter, angetrieben von der Bequemlichkeit des Heimversands.
Die nächste große Hürde: Die Verschlüsselungswende
Trotz der Rückschläge schreitet die Digitalisierung voran. Für 2026 sind ambitionierte Pläne zur weiteren Integration des E-Rezepts in die elektronische Patientenakte (ePA) vorgesehen. Ein Schlüsselprojekt ist der elektronische Medikationsplan (eMP), der einen vollständigen Überblick über die Arzneimittelgeschichte eines Patienten schaffen soll.
Doch eine gewaltige technische Hürde steht bevor: Die gesamte Telematik-Infrastruktur muss bis Ende 2025 ihren Verschlüsselungsstandard von RSA-2048 auf das modernere Elliptic Curve Cryptography (ECC) umstellen. Berichte der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) warnen, dass zehntausende Arzt- und Praxiskarten sowie Konnektoren in Kliniken Anfang 2026 noch nicht compliant sind. Die Konsequenz bei einer verpassten Deadline? Ein „digitaler Stillstand“, der tausende Praxen zurück zu Papierrezepten und Krankenscheinen zwingen könnte. Die Stabilitätsdebatte ist also noch lange nicht beendet.





