E-Rezept: Digitalisierung treibt Apotheken auf die Barrikaden

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens sorgt für massive Proteste. Während Technologiekonzerne vom Pflicht-E-Rezept profitieren, kämpfen Apotheken mit Systemausfällen und finanziellen Sorgen.

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens sorgt für massive Proteste. Während Technologiekonzerne vom Pflicht-E-Rezept profitieren, kämpfen Apotheken mit Systemausfällen und finanziellen Sorgen.

Technik-Riesen im Höhenflug

Das Rückgrat der digitalen Verschreibung ist die Telematikinfrastruktur (TI). Deren Ausbau beschert Anbietern wie CompuGroup Medical (CGM) und Cherry SE Rekordumsätze. Cherry kündigte an, zwischen 2026 und 2028 weitere 200.000 E-Health-Terminals an Praxen und Apotheken auszuliefern. Das Unternehmen hat sich als zentraler Anbieter für sichere medizinische Kommunikation positioniert.

CGM, einer der weltweit führenden E-Health-Anbieter, meldete für 2025 einen Umsatz von 1,213 Milliarden Euro. Der anhaltende Boom wird durch die seit 2024 vollständig geltende E-Rezept-Pflicht befeuert. Arztpraxen und Kliniken rüsten massiv ihre Systeme auf, um die Vorgaben zu erfüllen.

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Doch der digitale Alltag ist geprägt von Pannen. Apotheker berichten regelmäßig von Systemausfällen und Verbindungsproblemen. Oft sind digitale Verordnungen bei Ankunft des Patienten in der Apotheke noch nicht im System verfügbar – ein Ärgernis für alle Beteiligten.

Gegen diese technischen Mängel, chronische Unterfinanzierung und geplante gesetzliche Lockerungen wehrt sich der Berufsstand nun entschieden. Die ABDA, die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, hat für den 23. März 2026 einen bundesweiten Protesttag angekündigt. Die Landesverbände rufen ihre Mitglieder auf, die Apotheken an diesem Tag zu schließen. Nur Notdienst-Apotheken bleiben geöffnet.

Die Botschaft ist klar: Die Apotheken unterstützen die Digitalisierung, doch das aktuelle Chaos gefährde die Versorgungssicherheit und die Existenz vieler Betriebe.

Gematik-Roadmap soll System stabilisieren

Um die Probleme in den Griff zu bekommen, hat die Digitalagentur gematik Anfang März ihre „OneRoadmap“ für das erste Quartal 2026 veröffentlicht. Dieser Fahrplan soll Transparenz für Entwickler und Anwender schaffen.

Ein zentrales Ziel ist die tiefere Verzahnung des E-Rezepts mit der elektronischen Patientenakte (ePA). Eine große Software-Aktualisierung, die den vollständig digitalisierten Medikationsprozess und einen erweiterten elektronischen Medikationsplan beinhaltet, soll bis Mitte 2026 kommen. Dann sollen abgeholte E-Rezepte automatisch in der ePA des Patienten vermerkt werden. Dies soll Ärzten einen besseren Überblick über die Medikamentenhistorie geben und so Wechselwirkungen vermeiden helfen.

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Langfristige Effizienz versus akute Krisen

Der Abschied vom rosafarbenen Papierrezept ist eine der größten Verwaltungsreformen im deutschen Gesundheitswesen. Analysten sehen zwar langfristig unbestreitbare Effizienzgewinne – weniger Papier, weniger Übertragungsfehler, bessere Telemedizin-Voraussetzungen.

Doch der Übergang ist holprig. Gleichzeitig wird die Sicherheitsinfrastruktur modernisiert: Bis Ende 2025/2026 stellt das System auf modernere Elliptic-Curve-Kryptographie (ECC) um. Praxen müssen ihre Hardware entsprechend nachrüsten, was die Nachfrage nach neuen Terminals weiter antreibt.

Die anstehenden Proteste werden den Druck auf das Bundesgesundheitsministerium erhöhen, für technische Stabilität und finanzielle Unterstützung zu sorgen. Die Zukunft der digitalen Gesundheitsversorgung hängt davon ab, ob der technologische Ehrgeiz mit der alltäglichen Praxistauglichkeit in Einklang gebracht werden kann.