Ein Software-Update hat das digitale Rezeptwesen in Deutschland lahmgelegt. Rund 3.000 Apotheken können seit Tagen keine elektronischen Gesundheitskarten mehr auslesen – der Zugang zum zentralen E-Rezept ist blockiert. Der massive Ausfall untergräbt das Vertrauen in die digitale Gesundheitswende just zu dem Zeitpunkt, in dem das System auf Privatversicherte ausgeweitet wird.
Software-Update stürzt Apotheken ins digitale Chaos
Die Krise begann mit einem Routine-Update. Am Dienstag, dem 24. Februar 2026, spielten die Softwareanbieter ADG und Red Telematic eine neue Version für ihre Apothekensysteme aus. Doch statt zu verbessern, legte das Update die kritische Schnittstelle lahm: Die Software konnte plötzlich nicht mehr mit den Lesegeräten für die elektronische Gesundheitskarte (eGK) kommunizieren.
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Die Folge ist ein landesweiter Betriebsstillstand. Betroffene Apotheken müssen Patienten unverrichteter Dinge wieder wegschicken. „Wir hoffen, dass sich das Problem bald löst“, heißt es vielerorts. Ein flächendeckender Notfallplan für solche digitalen Blackouts existiert nicht. Die technischen Support-Teams der Anbieter arbeiten zwar an einem Patch, doch bis zur vollständigen Wiederherstellung der Terminal-Funktionalität wird es noch dauern.
Das E-Rezept ist seit 2024 verpflichtend und hat die rosafarbenen Papierzettel weitgehend abgelöst. Patienten können ihre Medikamente per eGK, über die offizielle Gematik-App oder mit einem ausgedruckten Matrixcode einlösen. Bis Oktober 2025 wurden bereits über eine Milliarde digitale Rezepte verarbeitet – ein Beleg für die hohe Akzeptanz, aber auch für die Abhängigkeit von einer funktionierenden Infrastruktur.
Systemische Schwachstellen trotz Erfolgsbilanz
Der aktuelle Ausfall ist kein Einzelfall. Erst zwischen dem 10. und 12. Februar 2026 sorgte ein Problem beim sektoralen Identitätsdienstleister T-Systems für massive Störungen. Millionen Versicherte von Barmer und AOK waren zeitweise von ihrer digitalen Gesundheits-ID und der elektronischen Patientenakte (ePA) abgeschnitten.
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Diese wiederkehrenden Pannen haben die Politik auf den Plan gerufen. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken kündigte bereits im Februar schärfere Regeln im geplanten Digital-Gesundheits-Gesetz an. Das Ziel: Derartige Infrastrukturausfälle wirksam zu verhindern. Die Botschaft ist klar. Der Erfolg der Digitalisierung steht und fällt mit der Verlässlichkeit der Technik.
Expansion trotz Krise: Privatversicherte steigen ein
Ironie des Schicksals: Während die Technik streikt, wird der Kreis der Nutzer größer. Seit Ende Februar 2026 integrieren nun auch große private Krankenversicherer ihre Kunden vollständig in das E-Rezept-System. Die HanseMerkur etwa macht die App für ihre Vollversicherten verfügbar.
Privatversicherte können mit NFC-fähigem Smartphone, Personalausweis mit PIN und ihrer Versicherungs-App nun ebenfalls digitale Rezepte empfangen und einlösen. Dieser Schritt ist entscheidend, um das lästige Parallelsystem aus digitaler Abrechnung für Kassenpatienten und manueller Abwicklung für Privatpatienten endlich abzuschaffen. Er soll Arztpraxen und Apotheken entlasten – vorausgesetzt, die Technik spielt mit.
Europäische Vernetzung: Der nächste große Schritt
Die Digitalisierung macht an Grenzen nicht halt. Ebenfalls am 26. Februar startete Österreich den Anschluss an das europäische Netzwerk MyHealth@EU. Rezepte aus Österreich können nun in teilnehmenden EU-Staaten wie Tschechien eingelöst werden.
Das ist auch die Zukunft für Deutschland. Bis 2029 soll der EU-Rezept in allen Mitgliedsstaaten verpflichtend werden. Die Voraussetzung dafür ist eine stabile, sichere und unterbrechungsfreie Telematikinfrastruktur in Deutschland. Nur dann können auch deutsche Bürger ihre Medikamente sicher im europäischen Ausland beziehen. Die aktuellen Pannen zeigen: Bis dahin ist es noch ein weiter Weg.





