E-Rezept unter Druck: Apotheker-Proteste und technische Hürden

Apotheker protestieren gegen niedrige Honorare, während ein veralteter Sicherheitsstandard tausende Arztpraxen in einen digitalen Stillstand zu stürzen droht.

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens steckt in der Krise. Während bundesweit Apotheker gegen niedrige Honorare demonstrieren, droht ein veralteter Sicherheitsstandard tausenden Praxen den digitalen Betrieb lahmzulegen.

Apotheker-Protest legt E-Rezept-Einlösung lahm

Am Montag gingen schätzungsweise 25.000 Apothekenmitarbeiter auf die Straße. In Berlin, Düsseldorf, Hannover und München blieben viele Vor-Ort-Apotheken geschlossen. Patienten konnten ihre E-Rezepte fast nur noch über Notdienste oder Online-Versender einlösen. Der Grund für den bundesweiten Protesttag ist ein seit Jahren unverändertes Packungsfixum von 8,35 Euro. Dieses Honorar für verschreibungspflichtige Medikamente gilt seit 2013 – obwohl die Kosten für Personal, Energie und die digitale Infrastruktur massiv gestiegen sind.

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Die Apothekerschaft warnt: Die flächendeckende Versorgung mit dem E-Rezept sei ohne faire Vergütung langfristig nicht haltbar. Der Protest macht deutlich, dass die technische Verfügbarkeit allein nicht ausreicht, wenn die Abgabestellen wirtschaftlich unter Druck stehen.

Digitaler Stillstand droht: Kryptografie-Wechsel überfordert Praxen

Hinter den Kulissen tickt eine technische Zeitbombe. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) warnt vor einem drohenden digitalen Stillstand in tausenden Praxen. Grund ist der verpflichtende wechsel des Verschlüsselungsverfahrens von RSA 2048 auf die modernere Elliptic Curve Cryptography (ECC).

Das Problem: Über 50.000 elektronische Heilberufsausweise sowie zahlreiche Praxisausweise und Kartenterminals sind noch nicht aktualisiert. Werden sie nicht rechtzeitig fit gemacht, können betroffene Praxen ab einem Stichtag keine E-Rezepte oder elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen mehr signieren. Die Folge wäre ein Rückfall in die Papierwelt. Die KBV fordert eine Übergangsfrist, um ein Chaos zu vermeiden. Die verantwortliche Gematik hält jedoch am strikten Zeitplan fest – anders als viele andere europäische Länder.

DiGA: Elektronische Verordnung bleibt vorerst freiwillig

Bei digitalen Gesundheitsanwendungen, den DiGA oder „Apps auf Rezept“, gibt es eine Atempause für die Praxen. Die Kassenärztliche Vereinigung Berlin hat klargestellt, dass die elektronische Verordnung dieser Anwendungen vorerst freiwillig bleibt. Ärzte können weiterhin das gewohnte Papierformular (Muster 16) nutzen.

Hintergrund ist die bislang verhaltene Akzeptanz der Patienten. Die Einlösequote über rein digitale Wege rechtfertigt eine verpflichtende Umstellung noch nicht. Um den administrativen Aufwand in den Praxen nicht zu erhöhen, hat das Bundesgesundheitsministerium die Pflicht zur eVerordnung hier ausgesetzt.

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CardLink bis 2027: Brücke zur nächsten Technologie-Generation

Für Patienten gibt es bei der mobilen Einlösung Planungssicherheit. Die Gematik hat die Zulassung für CardLink-Lösungen bis Ende Januar 2027 verlängert. Patienten können ihre elektronische Gesundheitskarte damit weiterhin direkt am Smartphone auslesen, um Rezepte digital zu übermitteln – aktuell etwa 400.000 Mal pro Monat.

Diese Verlängerung dient als Brücke zur Einführung von PoPP (Proof of Patient Presence). Dieses neue Verfahren soll auf der digitalen Gesundheitsidentität basieren und biometrische Merkmale wie Face ID nutzen. Erste massentaugliche Anwendungen werden für Ende 2026 erwartet. Bis dahin bleibt CardLink der wichtigste Kanal für die ortsunabhängige Rezept-Einlösung.

Die digitale Gesundheitsversorgung steht an einem Scheideweg. Gelingt es nicht, die wirtschaftlichen und technischen Grundlagen zu stabilisieren, könnte der mühsam erreichte Fortschritt schnell ins Wanken geraten.