Der Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo ist der zweitschwerste aller Zeiten – und die Behörden setzen nun auf Smartphone-Apps und digitale Überwachung, um die Ausbreitung zu stoppen. Doch die Lage ist kritisch: 80 Prozent der neuen Fälle treten außerhalb bekannter Übertragungsketten auf.
Die Gesundheitsbehörden der DR Kongo und internationale Helfer setzen im Kampf gegen die aktuelle Ebola-Epidemie zunehmend auf digitale Kontaktverfolgung. Eine neue Smartphone-Anwendung und Dateninstrumente der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollen dort ansetzen, wo die manuelle Überwachung versagt hat: Das Virus breitet sich schneller aus, als die Behörden Infektionsketten nachverfolgen können.
Digitale Wende in den Krisengebieten
Der Einsatz der Smartphone-App gilt als wichtiger Schritt für die Kontaktverfolgung in den Infektions-Hotspots. Die Umstellung auf digitale Überwachung kommt nicht zu früh: In der Provinz Ituri wurden zuletzt nur 39,3 Prozent der Kontaktpersonen überwacht – Schätzungen des Africa CDC zufolge liegt der tatsächliche Wert sogar unter neun Prozent.
Die Zahlen sind alarmierend. Nach Daten vom 30. Juli verzeichnet der Ausbruch 3.605 bestätigte Fälle und 1.587 Todesfälle – eine Sterblichkeitsrate von 44 Prozent. Damit übertrifft die aktuelle Welle bereits den Kivu-Ausbruch von 2018 bis 2020. Besonders besorgniserregend: Vier von fünf Neuerkrankungen treten außerhalb bekannter Übertragungsketten auf.
21.000 Helfer im Häuserkampf gegen das Virus
Die DR Kongo reagiert mit massiven Maßnahmen: 21.000 Gemeindegesundheitshelfer werden für Haus-zu-Haus-Besuche ausgebildet. Unterstützt werden sie zunehmend von datenbasierten Ansätzen und dem WHO-Datentool, das bereits im Nachbarland Uganda für Überwachung und Entscheidungsfindung zum Einsatz kam. Die digitalen Systeme sollen die Erkennungsgeschwindigkeit verbessern und die Nachverfolgung der mehr als 4.000 aktuell überwachten Kontaktpersonen präziser machen.
Geldmangel und Sicherheitsrisiken
Doch die digitale Offensive stößt an harte Grenzen. In Städten wie Bunia berichten Überwachungsteams von erheblichen Engpässen bei Fahrzeugen und Ausrüstung. Die Finanzierung stockt: Gesundheitspersonal wartet seit dem 15. Mai auf seine Bezahlung, Proteste wegen ausstehender Risikozulagen sind die Folge.
Die Sicherheitslage für Helfer bleibt angespannt. Rotkreuz-Teams wurden angegriffen, und die Widerstände in der Bevölkerung führen weiterhin zu nicht gemeldeten Fällen und Behandlungsverweigerungen. WHO-Modelle deuten darauf hin, dass das wahre Ausmaß des Ausbruchs zwei- bis viermal größer sein könnte als die offiziellen Regierungszahlen.
Während Uganda seinen eigenen Ausbruch am 28. Juli nach 42 Tagen ohne neue Fälle für beendet erklärte – bei 20 Fällen und zwei Todesfällen –, weitet sich die Lage in der DR Kongo weiter aus: Inzwischen sind 49 Gesundheitszonen betroffen. In der letzten Juliwoche verzeichnete das Land mit 567 Fällen und 296 Todesfällen die höchsten Wochenwerte seit Ausbruchbeginn.
Forschung liefert Hoffnungsschimmer
Für das Bundibugyo-Virus gibt es bislang keinen zugelassenen Impfstoff – umso wichtiger sind Eindämmungstechnologie und Überwachung. Immerhin gibt es Fortschritte in der Forschung: Die PARTNERS-Studie hat am 2. Juli ihren ersten Patienten aufgenommen, eine Oxford-Phase-1-Studie startete am 13. Juli. Auch Hilleman Labs arbeitet daran, einen Impfstoffkandidaten bis zu den Tests am Menschen voranzubringen.
Die internationale Finanzierung bleibt der entscheidende Engpass für die Nachhaltigkeit der digitalen und medizinischen Maßnahmen. Nach Angaben des Africa CDC sind von den benötigten 1,4 Milliarden US-Dollar nur 13 Prozent freigegeben worden. Auch die USAID-Mittel für den Kampf gegen Ebola wurden in den vergangenen Monaten deutlich gekürzt – ein fatales Signal in einer Phase, in der jede Woche zählt.

