EFRAG startet Analysephase für digitale Nachhaltigkeitsberichte von KMU

Die EU will kleinen Unternehmen die grüne Transformation erleichtern. Der europäische Beratungsausschuss für Finanzberichterstattung (EFRAG) hat jetzt die Analysephase für seine Initiative zur Digitalisierung der Nachhaltigkeitsberichterstattung für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) eingeläutet. Nach dem Stichtag am 5. April 2026 sichtet die Organisation nun digitale Plattformen und Tools, die den freiwilligen Berichtsstandard für nicht börsennotierte KMU (VSME) unterstützen sollen.

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Digitale Infrastruktur für KMU im Fokus

Das Ziel ist klar: Die administrativen Hürden für den Mittelstand senken. EFRAG kartiert derzeit die Landschaft digitaler Lösungen, um KMU einen Fahrplan an die Hand zu geben. Sie sollen wachsenden Datenanforderungen von Banken, Investoren und großen Geschäftspartnern besser gerecht werden können.

Die jüngste Einholung von Beiträgen konzentrierte sich auf zwei Säulen. Die erste betrifft ESG-Datenplattformen, die als Aggregatoren für Nachhaltigkeitsinformationen fungieren. Sie sollen die Brücke zwischen den datenerhebenden KMU und den nutzenden Unternehmen schlagen. EFRAG erfasst sowohl bestehende als auch in Entwicklung befindliche Lösungen – von staatlichen Portalen bis zu privaten Angeboten von Verbänden.

Analysten sehen diese Plattformen als entscheidend für das von EFRAG vorangetriebene „VSME-Ökosystem“. Es soll den Berichtsprozess vereinfachen. Plattformen, die bereits die VSME-Vorlage integrieren, sollen eine koordiniertere Einführung des Standards über Ländergrenzen hinweg ermöglichen.

Spezial-Tools für komplexe Kennzahlen

Die zweite Säule zielt auf hochspezialisierte digitale Werkzeuge ab. Sie sollen die technisch anspruchsvollsten Aspekte der Berichterstattung automatisieren – etwa die Berechnung des CO₂-Fußabdrucks oder die Bewertung von Biodiversitätsauswirkungen. Genau hier sehen viele Kleinunternehmen die größten Hürden.

EFRAG hat daher Input zu Tools wie Treibhausgas-Rechnern, Geodaten-Anwendungen und Klimarisiko-Software gesammelt. Die Organisation wird eine Liste kuratierter Lösungen veröffentlichen, die den methodischen Anforderungen des VSME entsprechen. Besonderes Augenmerk liegt auf frei verfügbaren und länderübergreifenden Tools, um die finanzielle Einstiegshürde für Kleinstunternehmen zu senken.

Bereits 2025 wurden über 100 GHG-Rechner und 223 relevante Plattformen identifiziert. Die neuesten Beiträge dürften diese Zahlen deutlich erhöhen – ein Zeichen für die rasante Innovation im GreenTech-Sektor.

VSME-Ökosystem soll Bürokratie abbauen

Der im Juli 2025 als EU-Kommissionsempfehlung angenommene VSME-Standard bildet das Fundament dieser Digitalisierungsbemühungen. Im Gegensatz zu den verbindlichen ESRS für Großunternehmen ist er freiwillig und auf die Kapazitäten von Unternehmen mit unter 250 Mitarbeitern zugeschnitten.

Die Verantwortlichen bei EFRAG betonen: Der Erfolg des VSME hängt ebenso sehr von der digitalen Infrastruktur ab wie vom Standard selbst. Das „VSME-Ökosystem“ ist eine Antwort auf das „KMU-Entlastungspaket“ der EU-Kommission. Es soll den aktuellen Flickenteppich unterschiedlicher ESG-Fragebögen von Banken und Großkunden durch einen einheitlichen Standard ersetzen.

Eine eigene XBRL-Taxonomie für den VSME unterstützt dieses Ziel. Das digitale Tagging-System stellt sicher, dass Nachhaltigkeitsberichte „technologiereif“ sind und Daten automatisch extrahiert und analysiert werden können. Dieser digital-first-Ansatz ist für KMU überlebenswichtig, um weiterhin an Finanzierungen zu kommen. Banken benötigen zunehmend strukturierte ESG-Daten für ihre eigenen Offenlegungspflichten.

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Weg zu vereinfachter Berichterstattung geebnet

Der Abschluss dieser phase fällt in eine Zeit reger regulatorischer Aktivitäten. Ende März 2026 startete EFRAG eine separate Initiative für Nicht-KMU-Unternehmen außerhalb des Geltungsbereichs der CSRD. Dies deutet auf einen Trend zu einem einheitlicheren europäischen Berichtslandschaft hin, in dem freiwillige Standards als eine Art „Wertschöpfungskettendeckel“ wirken.

Besonders einflussreich in diesem Übergang sind die Finanzinstitute. Bankenverbände wie die ESBG haben sich wiederholt für verhältnismäßige Berichtspflichten ausgesprochen. Indem EFRAG digitale Tools identifiziert, mit denen Banken KMU-Daten verifizieren können, fördert es einen transparenteren Dialog zwischen Finanzsektor und Realwirtschaft.

Zudem wird erwartet, dass die EU-Kommission im „Omnibus I“-Paket einen freiwilligen delegierten Rechtsakt auf Basis des VSME annimmt. Dies würde dem Standard mehr rechtliches Gewicht verleihen. Die derzeit kartierten digitalen Tools werden die primären Vehikel für die Umsetzung dieses Rechtsakts sein.

Ausblick: Implementierung und Marktintegration

Nach dem Ende der Einreichungsfrist beginnen nun das Sustainability Reporting Board und die technische Expertengruppe von EFRAG mit der Sichtung der eingereichten Tools und Plattformen. Ein abschließender Bericht und ein aktualisiertes Verzeichnis der digitalen VSME-Landschaft sollen noch 2026 veröffentlicht werden.

Dieses Verzeichnis wird eine wichtige Ressource für die EU-Mitgliedstaaten sein. Viele von ihnen planen, Nachhaltigkeitsberichterstattung in ihre nationalen digitalen Unternehmensregister zu integrieren.

Langfristig könnten diese digitalen Tools die europäische Wirtschaft transformieren. Wenn mehr KMU den VSME über benutzerfreundliche Plattformen nutzen, dürfte sich die historische Datenlücke schließen, die grüne Investitionen in den Mittelstand bisher behindert hat. Dies könnte nachhaltige Finanzierungsquellen für Millionen von KMU erschließen – das Rückgrat des EU-Binnenmarkts.

Der Fokus wird sich künftig von der Kartierung hin zur Interoperabilität der Tools verlagern. Mit der vollständigen Inbetriebnahme des „European Single Access Point“ (ESAP) könnten die digitalen Nachhaltigkeitsdaten der KMU Teil einer zentralen, durchsuchbaren Datenbank werden. Der erfolgreiche Abschluss der EFRAG-Initiative ist ein entscheidender Schritt, um „Einmal-Berichten“ für Europas Klein- und Mittelbetriebe Realität werden zu lassen.