Die zunehmende Nutzung von künstlicher Intelligenz schlägt sich spürbar in der Arbeitsbelastung der bundesdeutschen Justiz nieder. Wie aktuelle Berichte zeigen, stieg die Zahl der Klagen bei den 68 Sozialgerichten im Jahr 2025 im Schnitt um 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf mehr als 263.500 Fälle.
Bei den Eilverfahren fiel der Zuwachs nach Angaben des Deutschen Richterbundes noch deutlicher aus: Hier kletterte das Aufkommen um 47 Prozent auf fast 40.000 Fälle.
Zunahme bei Verfahren ohne Anwaltszwang
Nach Angaben des Richterbundes konzentriert sich die Zunahme bundesweit vor allem auf Rechtsstreitigkeiten ohne Anwaltszwang. In diesen Verfahren reichen immer mehr Bürger Schriftsätze ein, die sie eigenständig mithilfe von KI-Programmen verfasst haben.
Besonders in Hessen führt diese Entwicklung zu einer spürbaren Mehrbelastung. Auch an den hessischen Sozialgerichten verzeichnet der Richterbund deutlich mehr Arbeit durch von Bürgern eingereichte KI-Texte. Richterin Julia Pfeffer vom Richterbund Hessen beschrieb die Situation so, dass die Sozialgerichtsbarkeit durch KI-generierte Schriftsätze regelrecht geflutet werde.
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Hessens Justizminister Christian Heinz erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass künstliche Intelligenz das Verfassen von Klageschriften erleichtere. Für die Justiz bedeute dies letztlich eine wachsende Zahl an Verfahren.
Als notwendige Antwort auf diesen Trend verwies Heinz auf den weiteren digitalen Fortschritt. Bislang erfasst die hessische Justiz solche Dokumente allerdings nicht systematisch, zudem existiert keine Kennzeichnungspflicht für KI-generierte Klagen.
Risiken durch fehlerhafte Rechtsquellen
Mit den durch generative Software erstellten Anträgen wächst nicht nur die Menge, sondern auch der Prüfaufwand. Das Anwaltsblatt des Deutschen Anwaltvereins stellte in seiner Ausgabe vom 28. September fest, dass künstliche Intelligenz gerichtliche Entscheidungen und rechtliche Fundstellen mitunter täuschend echt erfindet.
Fehlen den Beteiligten juristische Fachkenntnisse, werden solche Halluzinationen ungeprüft an die Gerichte übermittelt, die die zitierten Quellen mühsam überprüfen müssen.
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Eigene Digitalisierungsinitiativen der Justiz
Um den wachsenden Aktenbergen zu begegnen, setzt die Justiz ihrerseits auf den Einsatz spezialisierter Software. In Hessen kommen bereits verschiedene KI-Werkzeuge zum Einsatz: Die Anwendung BZR-Buddy verringert den Schreibaufwand bei Gerichtsakten, während das Tool JANO Schriftstücke – zunächst am Landgericht Darmstadt – innerhalb weniger Sekunden anonymisiert.
Zudem erproben hessische Staatsanwaltschaften ein System zur automatischen Strukturierung großer Datenmengen. Für die Zukunft ist ferner das Programm MAKI vorgesehen, das bei Massenverfahren rund um Fluggastrechte unterstützen soll.
Auch Richter und Staatsanwälte im Land greifen für Recherchen in Datenbanken wie Juris und Beck-Online auf KI-Funktionen zurück. Nach Einschätzung des Richterbundes Hessen kann die Technik die manuelle Recherchearbeit der Juristen jedoch nicht vollständig ersetzen.

