Elektro-Harmonix löst mit einem neuen Interface ein zentrales Problem für Musiker und Produzenten. Das System verwandelt analoge Effektpedale in einfach steuerbare Plugins für die digitale Audiobearbeitung.
Der legendäre Effektgeräte-Hersteller Electro-Harmonix hat eine Hardware-Software-Kombination vorgestellt, die eine nahtlose Integration physischer Effektgeräte in digitale Audio-Workstations (DAWs) ermöglicht. Das sogenannte Effects Interface soll die oft komplexe Verkabelung und Signalumwandlung überflüssig machen. Es adressiert damit einen langjährigen Wunsch vieler Tonstudios: die klangliche Wärme analoger Hardware mit der Flexibilität und dem Komfort digitaler Produktion zu verbinden. Für das Unternehmen markiert der Release einen strategischen Schritt vom reinen Effektebauer hin zum Anbieter von Studio-Integrationslösungen.
Die Brücke zwischen Analog und Digital
Kern des Systems ist ein spezielles 2-Kanal-USB-Audiointerface, das für die elektrischen Eigenschaften von Gitarrenpedalen optimiert wurde. In Kombination mit einem dazugehörigen Software-Plugin (VST3, AU, AAX) können Anwender ihre analogen Effektgeräte wie ein virtuelles Plugin auf jeden DAW-Spur einfügen. Dieser „Hardware-Plugin“-Ansatz vereinfacht den Workflow erheblich. Er macht separate Re-Amp-Boxen, DI-Einheiten und komplizierte Routing-Einstellungen im Interface-Mixer überflüssig. Das System regelt Pegel und Impedanz automatisch und schützt so den charakteristischen Klang der Effekte.
Automatische Lösung für Latenzprobleme
Eine große Hürde bei der Nutzung externer Hardware ist die Latenz – die Verzögerung, die entsteht, wenn das Audiosignal den Computer verlässt, das Effektgerät durchläuft und zurückkommt. Das Electro-Harmonix Interface adressiert dieses Problem mit automatischer Latenzkompensation. Die Software berechnet die Roundtrip-Verzögerung und synchronisiert das bearbeitete Audio präzise mit den anderen Spuren im Projekt. Manuelles Verschieben von Audioclips gehört damit der Vergangenheit an. Hochwertige 24-Bit/96-kHz-Wandler sollen zudem die klangliche Nuance der analogen Effekte bewahren. Das Plugin bietet zudem essentielle Steuerungen wie einen Dry/Wet-Regler für Parallelverarbeitung.
Revolution für den hybriden Studio-Alltag
Die Veröffentlichung spiegelt einen klaren Trend wider: Immer mehr Musiker wollen die Flexibilität digitaler Aufnahmen mit dem einzigartigen Sound ihrer analogen Pedalsammlungen kombinieren. Bisher war dieser „Re-Amping“ genannte Prozess oft umständlich und technisch anspruchsvoll. Die Lösung von Electro-Harmonix bündelt diese ganze Signal-Kette in einem einzigen, zielgerichteten Gerät. Durch die einfache „Drag-and-Drop“-Handhabung für physische Pedale können Produzenten ihre Hardware-Effekte im Mix freier und effizienter einsetzen. Die dedizierten Send-/Return-Schleifen am Gerät bieten einfache 1/4″-Anschlüsse für einzelne Pedale oder ganze Pedalboards.
Ein universeller Ansatz statt einer Nischenlösung
Electro-Harmonix hat das Hardware-Plugin-Konzept bereits 2022 mit einer speziellen Big-Muff-Pi-Version erkundet. Das neue Effects Interface ist jedoch ein breiter angelegtes, universelles Werkzeug. Es ist für beliebige externe Hardware konzipiert, nicht nur für ein einziges eingebautes Effektgerät. Damit positioniert es sich als direkte Lösung für ein allgemeines Studio-Problem, nicht als Nischenprodukt.
Die Branche kennt andere Produkte zur Hardware-Integration. Die Kombination aus automatischer Latenzkompensation, spezialisierten Instrumentenpegeln und einer nahtlosen Plugin-Integration von einem Major-Player wie Electro-Harmonix ist dennoch ein bedeutender Entwicklungsschritt. Da Studios zunehmend hybride Arbeitsweisen zwischen Analog und Digital pflegen, dürfte die Nachfrage nach solch streamlineden Lösungen weiter wachsen. Der offizielle Launch diese Woche, zeitnah zur anstehenden NAMM 2026, kündigt eine größere Marketingkampagne an. Der langfristige Erfolg wird von Performance und Stabilität im Praxiseinsatz abhängen. Die Ankündigung zeigt jedoch klar: Die Grenze zwischen physischer und virtueller Audiobearbeitung wird immer durchlässiger.


