Elektroschrott: 700 Millionen Smartphones binden 65 Milliarden Euro

BCG und Cradle to Cradle Electronics beziffern ungenutzte Rohstoffe in Europas Haushalten auf über 65 Milliarden Euro.

Auf der IFA Berlin haben die Unternehmensberatung BCG und die Initiative Cradle to Cradle Electronics am 04.09.2026 eine Studie vorgestellt, die das Ausmaß ungenutzter Elektronikressourcen in der Europäischen Union beziffert. Demnach liegen rund 700 Millionen Smartphones ungenutzt in Schubladen europäischer Haushalte – und binden dabei etwa 50.000 Tonnen strategisch wichtiger Rohstoffe.

Milliardenwerte bleiben ungenutzt

Nach Berechnungen von BCG und Cradle to Cradle Electronics summiert sich der ungenutzte Rohstoffwert im europäischen Elektroschrott auf mehr als 65 Milliarden Euro. Gleichzeitig fließen laut der Studie jährlich 1,6 Millionen Tonnen kritischer Rohstoffe in die Produktion neuer Geräte. Europa selbst produziert den Angaben zufolge mehr als 13 Millionen Tonnen Elektroschrott pro Jahr – gesammelt wird davon jedoch nur eine Quote von 43 Prozent.

Die Autoren der Studie sehen in dem sogenannten Cradle-to-Cradle-Konzept, das auf die Wiederverwendung von Materialien in geschlossenen Kreisläufen setzt, einen möglichen Hebel: Bei Großgeräten ließe sich der Materialbedarf demnach um bis zu 50 Prozent senken.

Einordnung in den europäischen Kontext

Die auf der IFA präsentierten Zahlen fügen sich in einen bereits länger beobachteten Trend ein. Nach Angaben der EU ist die Menge an Elektrogeräten auf dem europäischen Markt von 8,4 Millionen Tonnen im Jahr 2012 auf 15,9 Millionen Tonnen im Jahr 2023 gestiegen. Recycelt wird davon nach EU-Angaben weniger als ein Drittel. Der UN Global E-waste Monitor geht zudem davon aus, dass der globale Elektroschrott bis 2030 um 32 Prozent zunehmen könnte.

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Auf regulatorischer Ebene reagiert die EU mit mehreren Initiativen: Die 2024 verabschiedete Sustainable Products Regulation sowie die Batterieverordnung sollen die Reparierbarkeit von Geräten fördern und damit langfristig zur Entlastung der Rohstoffbilanz beitragen.

Bedeutung für Verbraucher und Industrie

Die auf der IFA vorgestellten Ergebnisse verdeutlichen, dass ein erheblicher Teil der in Europa gebundenen strategischen Rohstoffe nicht in Recyclingprozessen, sondern in privaten Haushalten verbleibt.

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Für Hersteller und Politik ergibt sich daraus ein doppelter Ansatzpunkt: Zum einen müssten Sammelquoten für Altgeräte erhöht werden, zum anderen böten Konzepte wie Cradle-to-Cradle die Möglichkeit, bereits im Produktdesign auf Kreislauffähigkeit zu setzen.

Angesichts der von BCG und Cradle to Cradle Electronics genannten Zahlen – 700 Millionen ungenutzte Smartphones und ein gebundener Rohstoffwert von über 65 Milliarden Euro – dürfte das Thema Elektroschrott und Rohstoffrückgewinnung in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen, zumal die EU-eigenen Daten zu wachsenden Elektroschrottmengen und stagnierenden Recyclingquoten diesen Befund stützen.