Der Markt für KI-gestützte Softwareentwicklung boomt – und lockt Milliarden an Investorengeldern.
Innerhalb weniger Monate hat sich das junge Unternehmen Emergent vom Startup zum Einhorn entwickelt. Die Plattform zur KI-gestützten Softwareerstellung sicherte sich in einer Series-C-Finanzierungsrunde 130 Millionen Euro und wird nun mit 1,5 Milliarden Euro bewertet. Das ist das Fünffache des Werts von vor nur vier Monaten. Möglich machten dies Investoren wie Creaegis, Khosla Ventures, SoftBank Vision Fund 2 und Lightspeed.
Der Siegeszug der Code-freien Entwicklung
Die Zahlen sind beeindruckend: Über 12 Millionen Anwendungen wurden bereits auf Emergents Plattform erstellt. Besonders bemerkenswert: 70 Prozent der Nutzer haben keinerlei Programmiererfahrung. Sie kommen vor allem aus Branchen wie Spedition, Baugewerbe und Fertigung – Bereiche, die bislang wenig mit Softwareentwicklung zu tun hatten.
Emergents Jahresumsatz liegt bei umgerechnet rund 110 Millionen Euro und verteilt sich gleichmäßig auf Nordamerika, Europa und den Rest der Welt. „Unser Ziel ist es, Softwareentwicklung zu demokratisieren“, sagt Mitgründer und CEO Mukund Jha.
Der gesamte Markt für sogenanntes „Vibe-Coding“ – also die Erstellung von Software durch natürliche Sprache und KI-Interaktion – soll 2026 ein Volumen von 4,3 Milliarden Euro erreichen. Allerdings gibt es auch Warnungen: Schätzungen zufolge enthalten 30 bis 40 Prozent des KI-generierten Codes Sicherheitslücken.
Auch Traditionsunternehmen steigen ein
Nicht nur Startups drängen in diesen Markt. Am 17. Juli 2026 brachte Ricoh Lateinamerika seinen „Ricoh AI App Builder“ auf den Markt. Die No-Code-Plattform hilft Unternehmen, Anwendungen für Ausgabenmanagement und Genehmigungsprozesse zu erstellen – ohne manuelle Programmierung. Das Tool integriert sich direkt in bestehende ERP- und CRM-Systeme.
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Nur drei Tage zuvor hatte SnapLogic seine „SnapCode“-Suite vorgestellt. Sie erlaubt KI-Agenten, mithilfe natürlicher Sprache komplexe Unternehmensintegrationen zu erstellen. Erste Anwender aus Finanz- und Gesundheitsbranche berichten von bis zu 70 Prozent schnelleren Bereitstellungszeiten.
Sparen mit KI: Zwei Beispiele aus der Praxis
Die Kostenersparnis ist enorm. Nathaniel Dycus, Finanzvorstand bei Pipedrive, entwickelte ohne Programmierkenntnisse eine eigene Anwendung für den Monatsabschluss. Das Ergebnis: Die jährlichen Kosten sanken von umgerechnet 27.000 bis 36.000 Euro auf gerade einmal 1.800 Euro für KI-Nutzungsgebühren.
Noch beeindruckender: Das Marketing-Team des SaaStr AI Fund migrierte zehn Jahre alte Marketo-Daten in eine neue Salesforce-Umgebung – in nur einer Stunde und für umgerechnet etwa 13 Euro. Gleichzeitig ersetzte das Team eigenständig Drittanbieter-Tools, die zuvor über 9.000 Euro im Jahr kosteten.
Branchenauszeichnung und neue Arbeitsweisen
Am 15. Juli 2026 gewann Sequentum Cloud den renommierten CODiE Award als beste No-Code/Low-Code-Plattform. Dessen „Agent Builder“ verwandelt natürliche Sprache in Web-Daten-Agenten. Bereits im April hatte das Unternehmen einen „Checkout Agent“ für automatisierten Online-Handel vorgestellt.
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Parallel integrieren große Anbieter diese Fähigkeiten in Standard-Workflows. OpenAI führte kürzlich einen speziellen Arbeitsmodus für ChatGPT ein, der bis zu 95 Prozent der administrativen und Marketing-Aufgaben eines Ein-Personen-Unternehmens übernehmen kann – inklusive Content-Dashboards und mehrwöchigen Kampagnen.
Menschliche Kontrolle bleibt unverzichtbar
So verlockend die Effizienzgewinne auch sind: Experten raten weiterhin zur Vorsicht. KI-Agenten können zwar rund 85 bis 90 Prozent der Entwicklungsaufgaben übernehmen. Für kritische Funktionen wie Authentifizierung, Abrechnungssysteme und die finale Bereitstellung bleibt der Mensch jedoch unverzichtbar.

