EndRAT-Malware kapert Google Ads für Angriffe

Eine neue Angriffswelle nutzt manipulierte Google Ads-Links, um die EndRAT-Malware zu verbreiten. Die Kampagne zielt gezielt auf Unternehmen und umgeht herkömmliche Sicherheitsfilter.

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Sicherheitsforscher warnen vor einer neuen Angriffswelle, die Google Ads für die Verbreitung von Schadsoftware nutzt. Die als „Operation Poseidon“ bekannte Kampagne schleust die gefährliche EndRAT-Malware an Filtern vorbei.

Vertraute Links als perfide Falle

Die Angreifer missbrauchen gezielt die vertrauenswürdige Infrastruktur von Google Ads. Sie betten bösartige Weiterleitungen in legitime ad.doubleclick.net-Links ein. Da diese Domäne zum Google-Werbeökosystem gehört, lassen viele Sicherheitslösungen die Phishing-Mails passieren.

Sicherheitsanalysten von Paubox bestätigten diese Woche, dass die Kampagne weiter aktiv ist. Sie zielt vornehmlich auf Organisationen ab – mit Ködern, die an Finanzinstitute oder Menschenrechtsgruppen adressiert sind.

So funktioniert der dreistufige Angriff

Der Mechanismus zeigt das präzise Verständnis der Angreifer für Google-Systeme.

1. Die Täuschung: Das Opfer erhält eine Spear-Phishing-E-Mail, getarnt als dringende Geschäftsmitteilung. Der enthaltene Link beginnt mit einer legitimen Google-Tracking-URL.

2. Die Umleitung: Ein Klick leitet die Anfrage über Google-Server. Manipulierte Parameter in der URL weisen den Dienst an, sofort auf eine kompromittierte Webseite – oft gehackte WordPress-Instanzen – weiterzuleiten. Für Filter sieht der ursprüngliche Klick harmlos aus.

3. Die Infektion: Auf der Zielseite lockt ein bösartiges ZIP-Archiv. Darin verstecken sich oft LNK-Dateien, die Skripte auslösen. Diese laden die EndRAT-Malware direkt in den Arbeitsspeicher (Fileless Malware). Herkömmliche Virenscanner, die Festplattendateien prüfen, werden so umgangen.

Wer steckt hinter „Operation Poseidon“?

Sicherheitsexperten schreiben die Kampagne der APT-Gruppe „Konni“ zu. Diese wird seit Jahren mit nordkoreanischen Interessen in Verbindung gebracht. Die Gruppe pflegt und passt ihre Infrastruktur aktiv an, um Entdeckung zu vermeiden.

Die EndRAT-Malware ist ein Remote Access Trojan. Einmal installiert, ermöglicht sie Angreifern die vollständige Fernsteuerung des Systems. Ihre Funktionen umfassen:
* Diebstahl von Dateien und sensiblen Dokumenten
* Aufzeichnung von Tastatureingaben (Keylogging)
* Ausführung weiterer Schadsoftware
* Dauerhafte Einnistung zur langfristigen Überwachung

Google thematisiert broderes Problem

Die EndRAT-Kampagne ist kein Einzelfall. Google thematisierte diesen besorgniserregenden Trend kürzlich in einem eigenen Sicherheitsbericht. Neben manipulierten Tracking-Links beobachten Experten eine Zunahme von „ClickFix“-Kampagnen.

Dabei locken Angreifer mit KI-generierten Inhalten und manipulierten Werbeanzeigen auf gefälschte „Fehlerbehebungs“-Seiten. Durch Social-Engineering tricksen sie Nutzer aus, manuell Schadcode in ihre Systeme zu kopieren.

Das Problem: Viele Unternehmen müssen die ad.doubleclick.net-Domäne in ihren Firewalls freischalten, um den Marketing-Betrieb nicht zu stören. Genau diese Notwendigkeit machen sich die Angreifer zunutze.

Wie können sich Unternehmen schützen?

Bei dieser hohen Täuschungsqualität reichen herkömmliche Spam-Filter nicht aus. Experten raten zu einer kombinierten Abwehrstrategie.

  • URL-Inspektion: Links in E-Mails – selbst von Google-Domänen – nicht blind vertrauen. Moderne Sicherheitslösungen können das endgültige Ziel einer Weiterleitung prüfen, bevor der Nutzer es erreicht.
  • Skripte deaktivieren: Das Ausführen von LNK-Dateien oder unbekannten Skripten aus ZIP-Archiven sollte systemseitig unterbunden oder streng überwacht werden.
  • Auf Verhalten achten: Da EndRAT oft nur im Arbeitsspeicher arbeitet, sind EDR-Systeme (Endpoint Detection and Response) essenziell. Sie überwachen verdächtiges Verhalten, nicht nur Dateisignaturen.
  • Mitarbeiter schulen: Sensibilisieren Sie Ihre Belegschaft: Auch legitime Infrastrukturen können missbraucht werden. Eine angebliche Bank-E-Mail, die über einen Werbe-Tracker leitet, ist hochgradig verdächtig.
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Die Vermischung von legitimer IT-Infrastruktur mit Angriffswerkzeugen erschwert die Abwehr erheblich. Bis Werbenetzwerke wie Google strengere Validierungsmechanismen einführen, bleibt die menschliche Aufmerksamkeit – unterstützt durch moderne Sicherheitssoftware – die wichtigste Verteidigungslinie.