Energy Shots: Bis zu 230 mg Koffein pro Portion, Verbot wird gefordert

Fachleute kritisieren den geringen belegten Nutzen vieler Ergänzungsprodukte und warnen vor Zucker, Überdosierungen und fehlender Kontrolle.

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Ob angereicherte Fruchtsäfte, hochdosierte Shots oder funktionale Erfrischungsgetränke: Produkte mit zugesetzten Vitaminen und Mineralstoffen versprechen Verbrauchern oft mehr Energie und ein gestärktes Immunsystem.

Medienberichte verweisen jedoch darauf, dass als gesund beworbene Nährstoffgetränke keinen nennenswerten Beitrag zur tatsächlichen Nährstoffversorgung leisten. Fachleute und Verbraucherschützer sehen den Trend zu solchen Spezialerzeugnissen zunehmend kritisch.

Geringe wissenschaftliche Belege bei gesunder Ernährung

Für gesunde Menschen, die sich ausgewogen ernähren, gibt es laut der Ernährungsmedizinerin Daniela Kielkowski kaum Belege dafür, dass Vitaminpräparate, Shots oder gar Infusionen mehr Energie bringen oder das Immunsystem stärken.

Der menschliche Körper scheidet Überschüsse an wasserlöslichen Vitaminen in den meisten Fällen einfach wieder aus. Für Vitamininfusionen bei gesunden Personen fehle überdies eine überzeugende wissenschaftliche Evidenz. Stattdessen bergen solche invasiven Anwendungen Risiken wie Infektionen, Venenentzündungen oder allergische Reaktionen.

Sinnvoll können gezielte Ergänzungen laut Kielkowski allenfalls in spezifischen Lebenslagen sein. Dazu zählen die Einnahme von Folsäure bei Kinderwunsch sowie in der frühen Schwangerschaft, die Substitution von Vitamin B12 bei einer veganen Ernährung oder Fälle, in denen die Nährstoffaufnahme im Körper beeinträchtigt ist.

Auch die Auenwald Apotheke betont in einem Bericht, dass sich der Nährstoffbedarf grundsätzlich über eine ausgewogene Ernährung decken lässt und zusätzliche Präparate oft unnötig sind. Eine Ausnahme könne Vitamin D im Herbst und Winter darstellen, wenn das Sonnenlicht knapp wird; Betroffene sollten einen möglichen Bedarf jedoch mit dem Hausarzt besprechen.

Zudem birgt die unkontrollierte Zufuhr einzelner Stoffe Gefahren: Eine Überdosierung von Zink kann laut der Apotheke Beschwerden wie Magenkrämpfe, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Kopfschmerzen auslösen. Eine langfristige oder zusätzliche Einnahme steigere das Risiko einer solchen Überdosierung.

Hohe Zuckergehalte und zweifelhafte Spezialprodukte

Statt eines gesundheitlichen Mehrwerts liefern viele Produkte vor allem erhebliche Mengen an Zucker. Die Verbraucherzentrale untersuchte 2026 insgesamt 28 Produkte für Schwangere und Stillende aus Drogeriemärkten. Das Ergebnis: Die geprüften Säfte enthielten 7 bis 11 Zuckerwürfel pro Portion, während untersuchte Energy-Riegel auf bis zu 6 Würfel kamen.

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Fünf der untersuchten Tees enthielten Fenchel; wegen der Stoffe Estragol und Methyleugenol rät die Verbraucherzentrale Schwangeren und Stillenden hier zu Alternativen. Ein Himbeerblättertee der Marke Mabyen fiel zudem dadurch auf, dass er 235 % teurer war als das herkömmliche Vergleichsprodukt. Meist ergebe sich durch Spezialprodukte kein zusätzlicher Nutzen.

Auch bei herkömmlichen Softdrinks besteht das Problem weiter. Die Verbraucherzentrale NRW untersuchte im Juni und Juli 2026 23 zuckergesüßte Erfrischungsgetränke und stellte Zuckergehalte zwischen 4,3 und 11 g je 100 ml fest. Eine 500-ml-Flasche mit einem Gehalt von 10 g je 100 ml enthält demnach 50 g Zucker, was rund 16 bis 17 Würfeln entspricht.

Zum Vergleich: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfehlen, den Konsum freier Zucker auf unter 10 % der täglichen Energieaufnahme zu begrenzen. Das entspricht für Kinder von 4 bis 6 Jahren rund 35 g täglich, für Erwachsene rund 50 g. Würde man ein diskutiertes Abgabenmodell anwenden, lägen 15 der 23 von der Verbraucherzentrale NRW untersuchten Produkte in der höchsten Stufe ab 8 g je 100 ml; die Einführung einer solchen Regelung ist in Deutschland offen.

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Risiken bei hochdosierten Inhaltsstoffen und Forderungen an die Politik

Besondere Risiken sehen Verbraucherzentralen und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bei sogenannten Energy Shots. Die kleinen Portionen von 25 bis 60 ml enthalten teils bis zu 230 mg Koffein pro Portion.

Für gesunde Erwachsene gelten 200 mg als Einzeldosis und 400 mg täglich als sichere Höchstmengen. Schwangere und Stillende sollten maximal 200 mg täglich aufnehmen, Kindern und Jugendlichen höchstens 3 mg je Kilogramm Körpergewicht pro Tag.

Bereits 5 bis 10 g Koffein können lebensgefährlich sein; eine Messerspitze reines Koffeinpulver kann bereits rund 200 mg enthalten. Die Verbraucherzentralen und das BfR fordern deshalb ein Verbot von Energy Shots oder mindestens ein Verkaufsverbot an Minderjährige.

Gleichzeitig wächst der Markt rasant: Wie Andreas Hensel berichtete, wurden in Deutschland im Vorjahr über 30.000 Nahrungsergänzungsmittel angemeldet. Hersteller müssen die Produkte vor dem Verkauf lediglich beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) registrieren; eine behördliche Prüfung vorab ist nicht vorgesehen.

In einem Brief an Bundesministerien fordern Wissenschaftler, Ärzte und Verbraucherschützer nun strengere Vorgaben für Präparate mit pflanzlichen Inhaltsstoffen sowie solchen aus Algen, Pilzen oder Flechten. Zu den Forderungen gehören korrekte Produktinformationen, laufende Prüfungen von Rohstoffen und Fertigprodukten sowie eine bessere Kontrolle irreführender Gesundheitsversprechen.

Auch einzelne Trend-Inhaltsstoffe geraten in den Fokus. So warnt die Verbraucherzentrale, dass hoch dosiertes Spermidin möglicherweise bestimmte Tumore fördern könne. Eine Tagesdosis von 0,5 mg in manchen Präparaten entspricht lediglich 2,5 g Cheddar oder 50 g gekochtem Blumenkohl.

In einer Charité-Studie mit 100 Probanden, die täglich 0,9 mg Spermidin erhielten, zeigte sich nach 12 Monaten kein Gedächtniseffekt. Eine Innsbrucker Beobachtungsstudie an über 800 Personen im Alter von 45 bis 84 Jahren über einen Zeitraum von 20 Jahren brachte zwar eine hohe Spermidinaufnahme über die normale Nahrung mit einem geringeren Sterberisiko in Verbindung, beweist jedoch keine Ursache.

Während Tierstudien bei Mäusen, Würmern und Fliegen Zusammenhänge zwischen Spermidin, zellulärer Autophagie und einer längeren Lebenszeit belegen, ist eine übertragung auf den Menschen weiterhin offen.