Die Europäische Kommission hat ein Gesetzespaket vorgestellt, das die Abhängigkeit von ausländischen Technologieanbietern drastisch reduzieren soll. Mehr als 80 Prozent der digitalen Schlüsselprodukte bezieht die EU derzeit aus Drittstaaten – das soll sich nun grundlegend ändern.
Cloud-Gesetz und neuer Chip-Akt
Das am 5. Juni vorgeschlagene „European Technology Sovereignty Package“ setzt auf zwei zentrale Säulen: den Cloud and AI Development Act (CADA) und den aktualisierten Chips Act 2.0. CADA führt ein vierstufiges Cloud-Souveränitätsmodell ein und beschränkt strikt, wie Nicht-EU-Unternehmen sensible öffentliche Daten verarbeiten dürfen. Zudem sind die Mitgliedstaaten verpflichtet, nationale KI-Strategien zu entwickeln.
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Der Chips Act 2.0 soll Genehmigungsverfahren für Halbleiterfabriken vereinfachen und ein umfassendes Überwachungssystem etablieren. Das Ziel: Die Rechenzentrumskapazitäten der EU innerhalb von fünf bis sieben Jahren zu verdreifachen. Kein Wunder – die europäischen Technologieausgaben werden 2026 voraussichtlich die Marke von 1,5 Billionen Euro überschreiten.
ENISA testet hochmoderne KI
Ein echter Paukenschlag: Die EU-Cybersicherheitsbehörde ENISA hat bereits am 2. Juni vorzeitigen Zugriff auf Anthropics Mythos AI erhalten. Die Partnerschaft ist Teil des Project Glasswing, das inzwischen rund 150 Organisationen in 15 Ländern umfasst – darunter die NATO und verschiedene nationale Nachrichtendienste.
Die Ergebnisse sind beeindruckend: Mythos AI entdeckte mehr als 10.000 Schwachstellen in Testsystemen, darunter mehrere Zero-Day-Lücken. In einem Browser-Benchmark generierte das Modell über 180 funktionsfähige Exploits. Besonders spektakulär: Es fand einen 27 Jahre alten Bug im Betriebssystem OpenBSD.
Parallel dazu bringt OpenAI den GPT-5.5-Cyber auf den europäischen Markt. Das Modell ist speziell für Cybersicherheitsaufgaben optimiert – weniger leistungsstark im Allgemeinen, aber freizügiger bei Sicherheitstests. Das britische AI Safety Institute stellte fest, dass GPT-5.5 in einer Minderheit der Versuche komplexe, mehrstufige Cyberangriffe selbstständig ausführte.
Bulgarien startet KI-gestützten Cyberschild
Am 5. Juni ging in Bulgarien ein KI-gestützter nationaler Cyberschild an den Start – eine Zusammenarbeit zwischen den bulgarischen Informationsdiensten und Google Cloud. Das EU-finanzierte Projekt soll 54 Regierungsbehörden in ein föderiertes Security Operations Center (SOC) einbinden. Es ist eine der ersten regionalen Umsetzungen der Google-Cloud-Cybershield-Plattform.
Offensive KI: Ein heikles Thema
Während die EU auf defensive Anwendungen setzt, zeigt sich ein anderes Bild in den USA. Anthropic hat Berichten zufolge rund sechs Ingenieure bei der US-Geheimdienstbehörde NSA stationiert. Dort arbeiten sie daran, Mythos AI für offensive Cyberoperationen in klassifizierten Netzwerken einzusetzen.
Brisant: Dies geschieht trotz eines laufenden Rechtsstreits zwischen Anthropic und dem US-Verteidigungsministerium. Das Pentagon hatte das Unternehmen zuvor als Lieferkettenrisiko eingestuft – weil es sich weigerte, Modelle für Massenüberwachung oder autonome Waffensysteme bereitzustellen.
Regulierungsdschungel für Unternehmen
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Europäische Firmen stehen vor einer komplexen Gemengelage. Mehrere große Gesetze greifen ineinander: die NIS2-Richtlinie, der Digital Operational Resilience Act (DORA) und der EU AI Act. Die Anforderungen überschneiden sich – und viele Unternehmen sind nicht vorbereitet.
Branchendaten zeigen: 96 Prozent der Finanzdienstleister in der EMEA-Region erfüllen die DORA-Vorgaben noch nicht. Ab August 2026 stuft der EU AI Act zudem bestimmte KI-Systeme als hochriskant ein. Die Strafen sind happig: Bis zu sieben Prozent des weltweiten Jahresumsatzes drohen bei Verstößen.
Der EU-Rat will am 9. Juni weitere Aktualisierungen des Cybersicherheitsrahmens prüfen – mit besonderem Fokus auf die Sicherheit von Lieferketten. Die Zeit drängt.

