Der Einsatz von Enterprise-KI-Werkzeugen wie Microsoft Copilot auf Unternehmensdaten hat sich in Großbritannien und den USA breit durchgesetzt – die dazugehörige Absicherung hinkt jedoch deutlich hinterher. Das zeigt eine Studie des Softwareanbieters Syskit, über die infosecurity-magazine.com berichtete.
Demnach haben 76 Prozent der befragten Organisationen Enterprise-KI bereits eingesetzt oder getestet, doch nur 43 Prozent haben die zugehörigen Berechtigungen und das Risiko des sogenannten Oversharing – also des unbeabsichtigten Zugriffs auf sensible Daten – vollständig geprüft. Grundlage der Erhebung waren 327 IT- und Sicherheitsentscheider aus Unternehmen mit mindestens 500 Mitarbeitern in den USA und Großbritannien.
KI-Agenten ohne Richtlinien im Einsatz
Besonders deutlich wird die Diskrepanz bei autonomen KI-Agenten: 91 Prozent der Befragten gaben laut Syskit an, sicher zu sein, aktive Agenten im eigenen Unternehmen erkennen zu können. Eine formale Richtlinie für den Umgang mit solchen Agenten besitzen jedoch nur 22 Prozent. Zudem erben laut der Studie 9 Prozent der Agenten die vollen Rechte der Person, die sie eingesetzt hat – ein Umstand, der im Ernstfall weitreichende Folgen haben kann.
Offene Freigaben und verwaiste Strukturen
Auch bei klassischen Zugriffsrechten zeigt die Untersuchung Lücken auf: 41 Prozent der Unternehmen lassen SharePoint-Bereiche für alle Mitarbeiter offen zugänglich, bei 35 Prozent bleiben Dateien ausgeschiedener Mitarbeiter für aktive Beschäftigte einsehbar, und 33 Prozent nutzen weiterhin sogenannte „Everyone“-Freigaben, die praktisch jedem Zugriff gewähren.
Als Hauptproblem nannten 47 Prozent der Befragten verwaiste Teams, Gruppen und Sites, die nach Projektende oder Personalwechseln nicht aufgeräumt wurden.
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Langsame Reaktion im Ernstfall
Die Studie offenbart zudem erhebliche Defizite bei der Reaktionsgeschwindigkeit. Zwar geben 83 Prozent der Organisationen an, Zugriffe auf sensible Daten zu kennen, doch nur 4 Prozent können einen vollständigen Zugriffsbericht innerhalb einer Stunde liefern. Mehr als die Hälfte, 55 Prozent, benötigt dafür mindestens einen Tag.
Diese Verzögerung kann im Falle eines Sicherheitsvorfalls entscheidend sein, denn laut der Erhebung hatten 90 Prozent der Organisationen in den vergangenen zwei Jahren einen Sicherheitsvorfall infolge einer Fehlkonfiguration oder vermuteten einen solchen – bei 39 Prozent wurde dies bestätigt.
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Governance als zentrale Herausforderung
Die Ergebnisse der Syskit-Studie reihen sich in eine Reihe aktueller Untersuchungen ein, die zeigen, dass Unternehmen bei der Einführung von Enterprise-KI schneller vorangehen als bei der Absicherung der zugrunde liegenden Datenstrukturen.
Während die technischen Möglichkeiten von Copilot und vergleichbaren Werkzeugen rasch in den Arbeitsalltag integriert werden, bleibt die Kontrolle darüber, wer auf welche Informationen zugreifen kann, in vielen Organisationen unvollständig.
Gerade die Kombination aus weit verbreiteten offenen Freigaben, fehlenden Agenten-Richtlinien und langsamen Reaktionszeiten bei Sicherheitsvorfällen deutet darauf hin, dass viele Unternehmen ihre Governance-Prozesse erst noch an das Tempo der KI-Einführung anpassen müssen.

