ePA ab Juli: Millionen Versicherte brauchen Android 14 oder iOS 18

Verschärfte Sicherheitsstandards schließen Millionen ältere Smartphones von der elektronischen Patientenakte aus. Verbraucherschützer fordern bessere Aufklärung.

Millionen Versicherte müssen sich auf Änderungen einstellen: Die elektronische Patientenakte (ePA) wird ab Juli 2026 auf älteren Smartphones nicht mehr nutzbar sein. Grund sind verschärfte Sicherheitsstandards.

Sicherheitsupdate erzwingt Technologiewechsel

Die Umstellung betrifft Geräte mit Betriebssystemen älter als Android 14 oder iOS 18. Große Krankenkassen wie AOK, Techniker Krankenkasse (TK), Barmer und Knappschaft gehören zu den ersten, die den Zugang für ihre Apps einschränken.

Hintergrund ist ein Wechsel der Verschlüsselungsstandards in der deutschen Telematikinfrastruktur. Während elektronische Gesundheitsberufekarten (eHBA) mit RSA-basierten Zertifikaten noch bis Ende Juni 2026 gültig waren, setzt das System ab Juli ausschließlich auf Elliptic Curve Cryptography (ECC). Diese Änderung spiegelt sich auch in den aktualisierten IT-Sicherheitsrichtlinien für Arzt- und Zahnarztpraxen wider, die bereits Anfang Januar 2026 in Kraft traten.

Die Dimension des digitalen Wandels verdeutlichte die Barmer auf dem Future Health Day Ende Juni: Die Kasse hat bereits rund 2,8 Millionen digitale Identitäten an ihre Mitglieder ausgegeben.

Verbraucherschützer kritisieren mangelnde Aufklärung

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) schlägt Alarm. Viele Versicherte wüssten schlicht nicht, dass ihre aktuelle Hardware bald nicht mehr ausreicht, um auf die eigenen Gesundheitsdaten zuzugreifen.

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Das Problem: Sobald der mobile Zugang für ältere Geräte endet, können betroffene Patienten weder ihre medizinischen Unterlagen einsehen noch steuern, welche Ärzte auf ihre Daten zugreifen dürfen. Der vzbv fordert die Krankenkassen daher auf, ihre Informationskampagnen zu verbessern und transparenter über die technischen Notwendigkeiten zu informieren.

Alternativen für Nutzer ohne moderne Smartphones

Um die Lücke zu schließen, fordern Verbraucherschützer alternative Zugangsmöglichkeiten – etwa spezielle Terminals in Apotheken oder anderen öffentlichen Gesundheitseinrichtungen.

Ein erster Schritt in diese Richtung beginnt am 1. Juli 2026: Die assistierte Telemedizin in Apotheken startet. Patienten können dann mit technischer Unterstützung des Apothekenpersonals Videosprechstunden nutzen. Der Deutsche Apothekerverband (DAV) unterstützt die Initiative, die zunächst in mehreren hundert Apotheken an den Start gehen soll. Voraussetzung ist allerdings die physische elektronische Gesundheitskarte (eGK) zur Authentifizierung.

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Parallel dazu arbeitet das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) an einer zentralen „Deutschland-App“. Das Projekt, entwickelt mit Partnern wie der Telekom und SAP, soll verschiedene digitale Verwaltungsprozesse mit Hilfe künstlicher Intelligenz vereinfachen. Geplant sind unter anderem vereinfachte Formulare und sprachbasierte Interaktionen – ein Ansatz, der an die Benutzerfreundlichkeit von Diensten wie Elster oder PayPal erinnert und die Hürden für den Zugang zu Gesundheits- und Verwaltungsdiensten senken soll.

Ob diese Alternativen jedoch den Wegfall des Smartphone-Zugangs für Millionen Versicherte wirklich kompensieren können, bleibt abzuwarten. Klar ist: Wer seine ePA auch nach dem 1. Juli bequem vom Handy aus nutzen will, kommt um ein aktuelleres Gerät nicht herum.