ePA: Digitaler ePass soll elektronische Patientenakte retten

Ab dem 25. März ermöglicht ein neuer digitaler Identitätsnachweis den Zugriff auf die ePA ohne PIN. Das System soll die bislang geringe Nutzungsquote der digitalen Gesundheitsakte deutlich erhöhen.

Ein neuer, vollständig digitaler Identitätsnachweis soll die elektronische Patientenakte (ePA) in Deutschland endlich zum Leben erwecken. Ab dem 25. März können gesetzlich Versicherte erstmals ohne Gesundheitskarten-PIN oder persönliche Vorstellung auf ihre Daten zugreifen. Der IT-Dienstleister Bitmarck startet das „ePass“-System, das die hartnäckig niedrige Nutzungsquote der ePA erhöhen soll.

Einfacher Zugang als Schlüssel zum Erfolg

Die ePA gilt als Herzstück der digitalen Gesundheitsstrategie. Obwohl die Krankenkassen die Akten Anfang 2025 automatisch für alle Versicherten einrichteten, nutzen sie bis heute nur wenige. Eine Umfrage zeigte zuletzt eine aktive Nutzungsquote von lediglich 3,6 Prozent. Der neue ePass soll diese Hürde nun einreißen.

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Entwickelt wurde das System vom Startup Nect und von der Digitalagentur Gematik freigegeben. Es nutzt den elektronischen Funktionen des Personalausweises oder Reisepasses. Per Smartphone mit NFC-Technik werden die Daten vom Dokumenten-Chip ausgelesen. Eine Legitimierung erfolgt über ein Foto des Ausweises und ein kurzes Selfie-Video. Der umständliche Weg über die Gesundheitskarten-PIN oder die Vor-Ort-Identifikation bei Kasse oder Post entfällt damit.

Widerstand gegen die digitale Akte

Die Einführung kommt zu einem kritischen Zeitpunkt. Seit Oktober 2025 sind Arztpraxen und Kliniken verpflichtet, Behandlungsdaten in die ePA hochzuladen. Dennoch bleibt die Resonanz der Patienten verhalten. Auf dem Kongress der Health Networkers in Berlin war die mangelnde Nutzerfreundlichkeit ein zentrales Thema. Es brauche intuitive Anwendungen, die im Dialog mit den Nutzern entstünden.

Auch Markus Leyck Dieken, Ex-Chef der Gematik, räumte auf dem Sächsischen Apothekertag die aktuell schwache Nutzung ein. Er betonte jedoch die fundamentale Rolle der ePA als „Kai“ für alle künftigen digitalen Dienste wie das E-Rezept. Der ePass ist die direkte Antwort auf diese Akzeptanzprobleme.

Deutschlands Platz im europäischen Gesundheitsraum

Die ePA ist mehr als eine digitale Akte. Sie soll als zentrale, sichere Plattform die gesamte Krankengeschichte eines Patienten bündeln – von Diagnosen über Medikationspläne bis hin zu Entlassungsbriefen. Das Ziel: bessere Behandlung, weniger Doppeluntersuchungen und mehr Patientensouveränität.

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Deutschlands Vorstoß ist eingebettet in eine europäische Initiative. Erst letzte Woche diskutierte Gematik mit Vertretern aus 14 EU-Ländern und der EU-Kommission den nächsten Schritt zum grenzüberschreitenden Datenaustausch. Der nationale Kontaktpunkt für E-Health (NCPeH) wird künftig als Gateway zwischen der deutschen Telematikinfrastruktur und dem europäischen Netzwerk MyHealth@EU fungieren. Das ebnet den Weg für einen einheitlichen europäischen Gesundheitsdatenraum (EHDS).

Die Herausforderung: Vertrauen schaffen

Die Technik allein wird nicht reichen. Die Bitmarck-Geschäftsführung fordert vom Bundesgesundheitsministerium eine nachhaltige Aufklärungskampagne. Trotz hoher Sicherheitsstandards, die das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) mitentwickelt hat, bleiben Datenschutzbedenken in der Bevölkerung bestehen.

Der ePass, der ab dem 25. März für etwa 80 Prozent der gesetzlich Versicherten verfügbar sein wird, ist ein entscheidender Test. Die Reise hin zu einer flächendeckenden digitalen Gesundheitskompetenz hat gerade erst begonnen. Ob die ePA vom technischen Projekt zum gelebten Werkzeug wird, hängt nun von ihrer Akzeptanz ab.