Rund ein Jahr nach dem verpflichtenden Start der elektronischen Patientenakte (ePA) am 1. Oktober 2025 zieht der Ärzteverband MEDI GENO Deutschland eine ernüchternde Zwischenbilanz. Die ursprünglich mit der Einführung verbundenen Versprechen seien bislang nicht eingelöst worden.
Neben anhaltenden technischen Problemen im Praxisalltag sieht die Organisation nach wie vor gravierende Fragen beim Datenschutz sowie bei der Wahrung der ärztlichen Schweigepflicht als ungeklärt an.
Zur Untermauerung der Kritik verweist MEDI GENO Deutschland auf eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey vom April 2026, die im Auftrag des Verbands Pharma Deutschland durchgeführt wurde. Dieser Erhebung zufolge nutzen lediglich 23,6 Prozent der gesetzlich Versicherten die digitale Akte.
Neben der geringen Akzeptanz in der Bevölkerung äußert der Ärzteverband zudem deutliche Bedenken hinsichtlich des staatlichen Datenzugriffs und warnt in diesem Kontext vor einer Reform des Nachrichtendienstrechts. Flankierend fordert die Bundesärztekammer (BÄK) einen absoluten Schutz für Ärztinnen und Ärzte im Zusammenhang mit der ePA-Bilanz.
Häufige Störungen belasten die Telematikinfrastruktur
Dass die digitale Infrastruktur im Gesundheitswesen weiterhin anfällig ist, belegen auch offizielle Daten der Betreibergesellschaft. Für das Jahr 2025 räumte die Gematik ein, dass die Nutzung der Telematikinfrastruktur (TI) im Durchschnitt 25 Mal pro Monat beeinträchtigt war.
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Insgesamt 162 erfasste Störungen betrafen dabei die elektronische Patientenakte, während 164 Ausfälle beim E-Rezept registriert wurden. Die Komplexität des Systems gilt als wesentlicher Treiber dieser Anfälligkeit: Nach Angaben der Betreibergesellschaft sind allein für die Bearbeitung eines einzelnen E-Rezepts 17 separate Schritte erforderlich.
Trotz der registrierten Ausfallzeiten verweist die Gematik auf eine insgesamt hohe Auslastung der Plattform. Demnach wurden bislang mehr als 1,5 Milliarden E-Rezepte eingelöst und rund 1 Milliarde Nachrichten über das Kommunikationsnetz KIM versendet.
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An das System angebunden sind derzeit rund 83.000 Einrichtungen mit E-Rezept-Funktion sowie rund 160.000 ePA-Institutionen. Das Volumen der abgelegten Daten wächst ebenfalls: Allein in der Vorwoche wurden 2,6 Millionen Dokumente hochgeladen, während die Zahl der ausgestellten GesundheitsIDs mittlerweile bei 5,8 Millionen liegt.
Gematik plant grundlegenden Systemumbau bis 2029
Um die bestehenden Stabilitätsprobleme dauerhaft zu beheben, forciert die Gematik den schrittweisen Umbau der Architektur hin zur sogenannten TI 2.0. Im Zuge dieser Modernisierung soll die Zahl der Backend-Instanzen von derzeit 114 auf künftig 31 reduziert werden, was die Systemkomplexität spürbar verringern soll.
Die Planungen sehen vor, die vollständige Umstellung auf die neue Infrastruktur bis zum Jahr 2029 abzuschließen. Die bisherige TI 1.0 soll nach den Vorgaben der Gesellschaft bis Ende 2030 vollständig abgebaut werden.

