EPYC Turin schlägt Nvidia Vera: 2,37-faches Durchsatz bei 100 kW

AMD zeigt mit EPYC Turin und Venice deutliche Leistungsvorteile gegenüber Nvidias Vera-Plattform. Nvidia kontert mit Serienstart von Vera Rubin.

Der Chip-Hersteller AMD hat neue Leistungsdaten für seine EPYC-Serverprozessoren vorgelegt und positioniert sich damit als ernsthafte Konkurrenz zu Nvidias Vera-Plattform. Die kommende „Venice“-Architektur soll besonders für rechenintensive KI-Anwendungen optimiert sein.

Turin überflügelt die Konkurrenz

Die aktuellen Zahlen, die AMD am 9. Juni 2026 veröffentlichte, zeigen eine deutliche Leistungssteigerung. Der EPYC 9965 „Turin“ mit 192 Kernen erreicht demnach das 2,37-fache des Rack-Durchsatzes von Nvidias 88-Kern-Prozessor Vera – gemessen innerhalb einer Leistungsgrenze von 100 Kilowatt pro Rack. Auch im Vergleich zu Intels 128-Kern-Xeon 6980P schneidet der Turin-Chip gut ab: Hier liegt der Vorsprung zwischen dem 1,46- und 1,6-fachen Durchsatz.

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Venice: Der nächste große Wurf

Für die kommende Generation gibt AMD ambitionierte Prognosen ab. Die „Venice“-Prozessoren sollen bis zu 256 Kerne bieten. Ein Rack mit Venice-CPUs würde laut Modellrechnungen das 3,3-fache des Durchsatzes eines Nvidia-Vera-Racks erreichen.

Besonders beeindruckend: Die Effizienz pro Kern steigt deutlich. Ein 64-Kern-Venice-Modell soll 27 Prozent mehr Leistung pro Kern liefern als der 88-Kern-Vera. Die 96-Kern-Variante liegt immerhin noch 11 Prozent vorne.

Die physische Dichte wächst rasant: Aktuelle Turin-Systeme bringen es auf über 27.000 Kerne pro Rack. Mit Venice sollen es mehr als 36.000 Kerne werden. Branchenbeobachter rechnen mit der offiziellen Vorstellung auf dem AMD-Event „Advancing AI 2026“ in etwa sechs Wochen.

Nvidia schlägt zurück: Vera Rubin in Serie

Doch Nvidia gibt sich nicht geschlagen. Seit dem 8. Juni 2026 läuft die Vera-Rubin-Plattform in der Serienproduktion. Das System ist speziell für sogenannte „agentische KI“ ausgelegt und besteht aus einer Pod-Architektur mit fünf Racks.

Die Konfiguration umfasst Vera-CPU und Rubin-GPU, unterstützt von BlueField-4-Datenprozessoren mit 800 Gigabit pro Sekunde und Spectrum-6-Ethernet. Nvidia verspricht den zehnfachen Agentendurchsatz im Vergleich zur Vorgängergeneration Grace Blackwell. Produziert wird unter anderem von Dell, HPE, Lenovo und Supermicro.

Der Preis für diese Spitzentechnologie ist allerdings atemberaubend: Ein einzelnes Vera-Rubin-NVL72-Rack soll rund 9,1 Millionen Euro kosten. Allein der Arbeitsspeicher – 16 GPUs mit je 48 Gigabyte HBM4 – schlägt mit über 3 Millionen Euro zu Buche. Der Preis für HBM4 liegt derzeit bei umgerechnet etwa 53 Euro pro Gigabyte.

Marktanteile und Milliardenprognosen

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Der Wettstreit der Chip-Giganten spiegelt sich auch in den Marktzahlen wider. Laut UBS erreichten Arm-basierte Server-CPUs – zu denen auch Nvidias Vera gehört – im ersten Quartal 2026 einen Marktanteil von 18 Prozent. AMD meldete für denselben Zeitraum einen Rekordwert von 46,2 Prozent.

Nvidia peilt für das laufende Geschäftsjahr 20 Milliarden Euro Umsatz mit Vera-Server-CPUs an – bei einem adressierbaren Gesamtmarkt von 200 Milliarden Euro. Um die Position zu stärken, schloss Nvidia am 5. Juni 2026 eine mehrjährige Partnerschaft mit SK Hynix. Ziel ist die Integration von HBM-Speicher in Vera-CPUs sowie die Nutzung von Nvidias CUDA-X- und PhysicsNeMo-Software.

AMD kann ebenfalls glänzende Zahlen vorweisen: Im Geschäftsjahr 2025 erzielte das Unternehmen einen Gesamtumsatz von 34,6 Milliarden Euro. Das Data-Center-Segment wuchs im ersten Quartal 2026 um 57 Prozent im Jahresvergleich auf 5,78 Milliarden Euro. Analysten erwarten den Versand der MI450-Beschleuniger in der zweiten Jahreshälfte 2026, während die vollständige Einführung der Helios-Plattform für Ende 2027 geplant ist.