Erkältung: Vitamin C verkürzt Krankheitsdauer um 10 Prozent

Vitamin C beugt Erkältungen nicht vor, kann ihre Dauer aber leicht verkürzen. Experten empfehlen ausgewogene Kost, Flüssigkeit und Schlaf.

Mit dem Beginn der kühleren Jahreszeit häufen sich Atemwegsinfekte. Fachleute geben Hinweise dazu, welche Lebensmittel und Nährstoffe den Körper bei einer Erkältung stärken können und worauf Betroffene besser verzichten sollten. Während bestimmte Hausmittel und Speisen die Genesung tatsächlich erleichtern, haben sich andere traditionelle Annahmen als Mythen erwiesen.

Nährstoffe im Fokus: Proteine, Vitamine und Zink

Eine gezielte Nährstoffzufuhr kann das Immunsystem während eines Infekts entlasten. Experten empfehlen insbesondere Vitamin-C-reiches Obst und Gemüse, Zinkquellen wie Fisch, Milch, Käse und Haferflocken sowie Ingwer und Honig.

Professorin Beth Quatrara von der University of Virginia hebt hervor, dass eine proteinreiche Ernährung sowie Antioxidantien ratsam seien. Bei Zink-Präparaten warnt die Expertin hingegen vor einer Überdosierung, da diese zu Nebenwirkungen führen könne.

Auch der verbreitete Griff zu hochdosierten Vitamin-Präparaten ist differenziert zu betrachten. Wie das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) berichtet, können Vitamin-C-Präparate einer Erkältung nicht vorbeugen. Bei einer regelmäßigen Einnahme verkürzen sie die Krankheitsdauer jedoch um etwa 10 Prozent, beispielsweise von zehn auf neun Tage.

Anzeige

Wer sich mit dem Thema befasst, erkennt schnell: Die richtige Auswahl an Lebensmitteln wirkt oft wie ein natürliches Schmerzmittel. Ernährungsexperten enthüllen in diesem kostenlosen Ratgeber, wie Brokkoli, Ingwer & Co. Gelenkschmerzen und Erschöpfung sanft lindern. Diese 12 Lebensmittel als Entzündungs-Killer entdecken

Beginnt die Einnahme allerdings erst nach dem Ausbruch der Symptome, zeigen sie nach Angaben des Instituts keine Wirkung mehr. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) betont zudem, dass die empfohlene tägliche Zufuhr von Vitamin C bereits über eine normale Ernährung problemlos erreicht werden kann.

Zugleich gilt die alte englische Redewendung, man solle eine Erkältung füttern und ein Fieber aushungern, als wissenschaftlich widerlegt. Eine ausgewogene Energiezufuhr ist für die Abwehrkräfte entscheidend.

Der Klassiker Hühnersuppe und bewährte Hausmittel

Zu den bekanntesten Speisen bei Infekten gehört die Hühnersuppe. Eine Studie der University of Nebraska zeigte, dass deren Inhaltsstoffe weiße Blutkörperchen bremsen können. Zudem wirkt das im Hühnerfleisch enthaltene Cystein entzündungshemmend. Die Forscher weisen jedoch darauf hin, dass der wohltuende Gesamteffekt zu einem großen Teil auf das mitgekochte Gemüse, die Wärme sowie die Zufuhr von Flüssigkeit zurückzuführen ist.

Apothekerin Claire Nevinson rät Erkrankten generell dazu, ausreichend zu trinken, ausgewogen zu essen, auf ausreichend Schlaf zu achten und zucker- sowie koffeinhaltige Getränke einzuschränken. Bei Halsschmerzen kann Kälte helfen: Eva Hummers von der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) erklärt, dass Speiseeis Schmerzen im Rachen lindern kann.

Warmes Bier sei hingegen ungeeignet. Zudem schwächt Auskühlen zwar die körperliche Abwehr, ohne Erreger entsteht jedoch keine Erkältung. Ein Saunabesuch sollte bei einem akuten Infekt vermieden werden. Hummers weist außerdem darauf hin, dass ein Erkältungshusten bis zu acht Wochen anhalten kann.

Anzeige

Neben der Ernährung spielen oft auch verborgene Prozesse im Körper eine Rolle für das allgemeine Wohlbefinden und die Vitalität. Ein kostenloser Selbsttest verrät, ob Ihr Körper heimlich unter stillen Entzündungen leidet – und was Sie gezielt dagegen tun können. Kostenlosen Ratgeber gegen Entzündungen sichern

Ursachen und Grenzen von Medikamenten

Akute Rachenbeschwerden sind zu rund 80 Prozent viral bedingt, etwa durch Rhino- oder Coronaviren. Bakterielle Auslöser wie A-Streptokokken treten bei Kindern in 15 bis 30 Prozent der Fälle auf, bei Erwachsenen deutlich seltener. Aus diesem Grund sind Antibiotika meist wirkungslos, da sie nicht gegen Viren helfen. Eine Grippeimpfung kann das Risiko für eine echte Influenza senken.

Zur Linderung stehen verschiedene nicht-antibiotische Methoden zur Verfügung:
Gurgeln mit Kochsalzlösung: Das Gurgeln mit einer zwei- bis dreiprozentigen Salzlösung (ein Teelöffel Salz auf 250 Milliliter Wasser) über ein bis zwei Minuten, drei- bis viermal am Tag, kann die Symptomdauer verkürzen.
Inhalation: Bei einer Erkältung wird empfohlen, zwei- bis dreimal täglich für etwa zehn Minuten zu inhalieren.

Für elektrische Vernebler darf ausschließlich sterile isotone Kochsalzlösung mit einem Salzgehalt von 0,9 Prozent genutzt werden. Von selbstgemischten Lösungen aus Leitungswasser und Haussalz wird strikt abgeraten, da hierbei Keime in die Lunge gelangen können.

Hypertonische Lösungen mit drei bis sechs Prozent Salz eignen sich zum Lösen von zähem Schleim bei Bronchitis, können aber die Atemwege reizen.
Lokale Antiseptika: Wirkstoffe wie Dequaliniumchlorid, Benzalkoniumchlorid, Amylmetacresol oder Tyrothricin wirken lokal im Rachen, sollten ohne ärztlichen Rat jedoch maximal drei bis fünf Tage angewendet werden.

Bei einer verstopften Nase raten Fachleute zu Vorsicht bei abschwellenden Sprays. Sprays mit Wirkstoffen wie Xylometazolin dürfen maximal drei bis fünf Tage, laut DEGAM höchstens eine Woche lang verwendet werden, um Gewöhnungseffekte und Schäden an der Schleimhaut zu vermeiden.

Ein Arztbesuch ist angeraten, wenn die verstopfte Nase ab Tag elf weiterbesteht oder starke Kopf- beziehungsweise Ohrenschmerzen auftreten, was auf bakterielle Infektionen oder Nebenhöhlenentzündungen hinweisen kann. Auch bei Fieber über 38,5 Grad, sichtbaren Eiterstippchen im Rachen oder Atemnot sollte medizinische Hilfe gesucht werden.

Zur allgemeinen Infektionsvorsorge heben britische Richtlinien hervor, dass Erwachsene sowie Kinder über vier Jahre in den Herbst- und Wintermonaten täglich zehn Mikrogramm Vitamin D erwägen sollten.

Zudem schützt gründliches Händewaschen von rund 20 Sekunden Dauer vor Übertragungen. Laut einer Boots-Studie betrachten 44 Prozent der Briten den September als idealen Zeitpunkt für gesündere Gewohnheiten, wobei 40 Prozent die Motivation nach den Sommermonaten als Grund nannten.