Hersteller und Technologieanbieter treiben die Integration von Produktdaten- und Lebenszyklus-Management-Systemen massiv voran.
Mehrere Unternehmen haben in den vergangenen Tagen neue Plattformen vorgestellt oder bestehende Infrastrukturen ausgebaut. Ziel ist es, der wachsenden Datenkomplexität entlang des gesamten Produktlebenszyklus Herr zu werden – von der ersten Idee bis zum Kundendienst.
Optimierte Lebenszyklus- und Dokumentenverwaltung
Ende Mai kündigte N+P Erweiterungen seiner Plattform PRO.FILE an. Das System optimiert Daten- und Dokumentenmanagement über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg. Es integriert CAD-, Office- und ERP-Umgebungen in einem zentralen Datenpool. Der Fokus liegt auf Konfiguration statt auf komplexer Programmierung. Um die Möglichkeiten zu demonstrieren, veranstaltete das Unternehmen ein Digitalisierungs-Event in Südtirol. Ein technischer Webcast für Juli soll die Integration von APplus und PLM vertiefen.
Auch OpenBOM bleibt mit seiner cloudbasierten PDM- und PLM-Plattform im Rennen. Der Dienst konzentriert sich auf die Verwaltung von Stücklisten, Beständen und Fertigungsdaten. Die Software bietet Multi-CAD-Integration für Werkzeuge wie SolidWorks und Onshape. Hinzu kommen Workflows für technische Änderungsaufträge und die Zusammenarbeit mit Lieferanten. Zu den aktuellen Nutzern zählen Spezialhersteller wie Displace TV und Nexa3D.
Künstliche Intelligenz erobert IoT- und ERP-Workflows
Ein deutlicher Trend zur Künstlichen Intelligenz im Datenmanagement zeichnet sich bei Halbleiter- und Softwareanbietern ab. Am 28. Mai stellte Nordic Semiconductor eine KI-gestützte Entwicklungslösung für den gesamten Lebenszyklus von IoT-Geräten vor. Der Chip-to-Cloud-Ansatz nutzt KI-Assistenz für Code-Generierung und Ursachenanalyse. Das Unternehmen erwartet dadurch eine Steigerung der Entwicklerkompetenz und schnellere Prototypen.
Während KI-gestützte Systeme die Effizienz in der Entwicklung massiv steigern, müssen Unternehmen gleichzeitig die neuen rechtlichen Rahmenbedingungen der EU im Blick behalten. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden verschafft Ihnen den notwendigen Überblick über Fristen, Pflichten und Risikoklassen des EU AI Acts. EU AI Act in 5 Schritten verstehen
Auf der Epicor Insights 2026 Ende Mai präsentierte Epicor seinen Agentic AI Stack für ERP-Workflows. Die Suite umfasst ein Designsystem und spezialisierte Agenten. Ein Wissens-Agent bearbeitet bereits über 70.000 Anfragen monatlich. Erstanwender berichten von deutlichen Effizienzgewinnen: Die Sendungsverfolgung in der Fertigung sei um rund 85 Prozent schneller geworden.
Branchenspezifische Lösungen und Spezialwerkzeuge
Auch in hochpräzisen Branchen wie Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung setzt sich die Standardisierung durch. Der japanische SAR-Satellitenhersteller Synspective, der jährlich zwölf Einheiten produzieren will, hat PTC Windchill und Creo implementiert. Ziel ist ein einheitliches Produktdatenmanagement für die skalierte Fertigung.
Im Verteidigungssektor sucht HENSOLDT South Africa einen Produktdatenmanager für SAP PLM und PDM am Standort Irene. Die Stelle erfordert Erfahrung in der Rüstungsindustrie. Schwerpunkte sind Daten-Governance nach EN9100-Standards und Obsoleszenz-Management. Bewerbungen sind noch bis zum 3. Juni 2026 möglich.
Neben der klassischen Fertigung entstehen spezialisierte Plattformen für Nischenanforderungen:
- Fertigungskommunikation: Syntax brachte Ende Mai ShiftBook auf den Markt. Die digitale Lösung für SAP Digital Manufacturing verbessert die Kommunikation und dokumentiert Schichtübergaben am Fließband.
- Umweltdaten: IFS präsentierte IFS Zero, ein Emissions-Betriebssystem für asset-intensive Industrien. Die Plattform soll den Aufwand für die Erfassung von Scope-1- bis 3-CO2-Daten um 30 Prozent reduzieren.
- Biologische Forschung: Foray Bioscience launchte Ende Mai Pando – eine Plattform für Pflanzenbiologie. Sie kombiniert eine In-vitro-Pflanzenwissensdatenbank mit KI-Tools, um Erfolgsraten in Pflanzenkulturprojekten zu steigern.
- E-Commerce: PIMinto hat sich mit Wix integriert. Das bietet Online-Shops Produktdatenmanagement mit Bulk-Editing und Attribut-Governance für den Multichannel-Vertrieb.
Regionale Zentren und Forschungskooperation
Der asiatisch-pazifische Raum entwickelt sich zunehmend zum Drehkreuz für KI-gesteuerte Fertigung. Branchengrößen wie Dassault Systèmes arbeiten mit Partnern in Malaysia an luft- und raumfahrtspezifischen Digitalsystemen – unter Einsatz industrieller KI und virtueller Zwillingstechnologie.
Parallel dazu rüstet sich auch die Forschung für die Datenzukunft. Die bevorstehende Leiden Research Support Network Conference Anfang Juni wird sich mit der Koordination von Forschungsunterstützungsrollen über den gesamten Projektlebenszyklus befassen. Themen sind unter anderem Open Access, Ethik und digitale Zusammenarbeit.

