Hohe Roamingkosten und flächendeckendes 5G+ treiben einen Rekordumschwung hin zu digitalen eSIMs – physische Karten werden zunehmend obsolet.
Lokale Anbieter setzen auf unbegrenzte Touristen-Pakete
Die drei großen Netzbetreiber Swisscom, Sunrise und Salt haben ihre Prepaid-Angebote für Kurzzeitbesucher massiv ausgebaut. Sie konkurrieren damit direkt mit globalen Digitalanbietern.
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Swisscom, der Marktführer, setzt auf seine „Prepaid Flat“-Serie. Die „Prepaid Flat 7“ bietet sieben Tage lang unbegrenzt Daten, Telefonie und SMS in der Schweiz für 20 Franken. Für 30 bzw. 90 Tage liegen die Preise bei 65 und 150 Franken. Swisscom punktet mit der wohl besten Netzabdeckung, auch in abgelegenen Alpenregionen. Für neue physische Karten fällt jedoch oft eine Aktivierungsgebühr an.
Sunrise verfolgt eine andere Strategie mit einem nutzungsabhängigen Modell. Reisende zahlen nur an genutzten Tagen 2,50 Franken für 24 Stunden unbegrenztes Datenvolumen und Chatten. Für Nutzer mit geringem Bedarf gibt es auch Datentöpfe ab 10 Franken, die mit 300 MB jedoch schnell aufgebraucht sind.
Salt positioniert sich als günstigste Alternative. Physische Prepaid-Karten sind oft kostenlos, nur das Guthaben muss aufgeladen werden. Der Tagestarif für unbegrenzte Daten liegt bei 1,99 Franken – ein Spitzenwert, der vor allem in urbanen Zentren mit hoher Netzabdeckung attraktiv ist.
Der Aufstieg der Reise-eSIM und globaler MVNOs
Die größte Dynamik entfaltet der Markt jedoch durch digitale Mobile Virtual Network Operators (MVNOs). Anbieter wie Saily, Airalo und Holafly umgehen den Gang in den Laden komplett. Die Aktivierung läuft rein per App.
Saily, ein Dienst der Macher von NordVPN, hat sich mit zehn Schweiz-Datenpaketen etabliert. Preise beginnen bei umgerechnet etwa 3,30 Euro für 1 GB. Die Aktivierung soll besonders einfach sein und automatisch bei Einreise starten.
Airalo bleibt bei Leicht- bis Mittelverbrauchern beliebt, mit Paketen von 1 GB (ca. 4,15 Euro) bis 20 GB (rund 35 Euro). Holafly setzt dagegen fast ausschließlich auf unbegrenzte Daten. Deren Pakete für die Schweiz kosten im Frühjahr 2026 zwischen etwa 6,50 und 130 Euro – je nach Reisedauer von einem Tag bis zu drei Monaten.
Auch der lokale Spezialist Digital Republic gewinnt an Bedeutung. Für 18 Franken im Monat bietet er unbegrenzt Daten, Telefonie und SMS. Der Clou: Das Abo kann jederzeit pausiert werden, ideal für Touristen, die bei der nächsten Reise wieder einsteigen möchten.
Infrastruktur-Wandel: 3G-Abschaltung treibt Modernisierung
Der Trend zu datenintensiven eSIMs wird durch den massiven Netzausbau ermöglicht. Die eidgenössische Kommunikationskommission (ComCom) meldete 2025 eine nahezu flächendeckende 4G- und 5G-Versorgung. Die schnellere 5G+-Technologie sollte bis Ende 2025 rund 90 Prozent der Bevölkerung erreichen.
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Dieser Fortschritt hat einen Preis: Die alten 3G-Netze wurden abgeschaltet. Sunrise beendete den 3G-Betrieb Mitte 2025, Swisscom folgte Ende desselben Jahres. Reisende müssen daher sicherstellen, dass ihre Geräte VoLTE (Sprachtelefonie über LTE) und moderne 4G/5G-Frequenzbänder unterstützen. Die Schweiz gehört in Europa zu den Vorreitern bei dieser Modernisierung.
Strenge Regulierung: Identitätsprüfung bleibt Pflicht
Trotz digitalem Komfort gilt in der Schweiz eine strenge Regulierung. Jede Prepaid-SIM – ob physisch oder eSIM – muss auf eine verifizierte Identität registriert werden.
Bei Kauf vor Ort bei Swisscom, Sunrise oder Salt ist die Vorlage eines gültigen Reisepasses oder Personalausweises Pflicht. Das Personal scannt das Dokument in der Regel, um die Karte mit Namen und Passnummer zu verknüpfen. Digitale Anbieter wie Digital Republic nutzen für die Verifizierung oft den Upload eines Ausweises und ein biometrisches Selfie.
Internationale eSIM-Anbieter, die als Roaming-Reseller agieren, umgehen diese Schweizer Registrierpflicht technisch oft, da das Profil von einem ausländischen Anbieter stammt. Experten raten jedoch zu lokalen Registrierungen. Sie bieten besseren Rechtsschutz und zuverlässigeren Zugang zu lokalen Netzfeatures sowie Notrufdiensten.
Hohe Roamingkosten als Markttreiber
Die Sonderstellung der Schweiz außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) heizt den spezialisierten Reisemarkt an. Die „Roam-like-at-Home“-Regeln der EU gelten hier nicht. Ein Reisender aus Deutschland oder Frankreich zahlt mit seinem Heimatvertrag in den Schweizer Alpen oft horrende Gebühren.
Laut Fortune Business Insights wird der globale eSIM-Markt 2026 ein Volumen von rund 2,12 Milliarden US-dollar erreichen. Die Schweiz ist ein Mikrokosmos dieses Wachstums. Die hohen traditionellen Roamingkosten wirken als starker Katalysator für die Nutzung lokaler eSIM-Profile. Fast 88 Prozent des Marktumsatzes entfallen auf reine Konnektivitätsdienste – ein klares Zeichen, dass nahtloser Datenzugang heute Priorität hat.
Ausblick: Die Zukunft ist „SIM-less“
Der Trend zum „SIM-losen“ Reisen wird sich beschleunigen. Immer mehr Smartphones kommen ganz ohne physischen SIM-Slot auf den Markt. In der Schweiz dürfte der Wettbewerb zwischen etablierten Netzbetreibern und agilen MVNOs zu noch besser integrierten Reisepaketen führen.
Branchenprognosen deuten auf „One-eSIM“-Modelle hin: Ein digitales Profil wird bei jeder Reise einfach mit Daten für das neue Ziel aufgeladen. Wenn 5G+ zum Standard wird, könnten sich die Grenzen zwischen lokalen Wohnort- und Touristentarifen weiter verwischen. Unbegrenztes Datenvolumen würde dann zur Erwartungshaltung statt zum Premium-Feature. Für Millionen Schweiz-Besucher bedeutet das Frühjahr 2026: Schnelle, sichere und bezahlbare Konnektivität ist so einfach wie nie zuvor.





