Espressif setzt voll auf RISC-V: Neue IoT-Kits für 2026

Espressif treibt die Neuausrichtung auf RISC-V voran und präsentiert neue Kits für Multimedia, WLAN 6 und Matter.

Das gesamte Portfolio wird auf die offene RISC-V-Architektur umgestellt, während sich die Hardware in zwei klare Richtungen aufspaltet: Hochleistungs-Multimedia auf der einen Seite, extrem stromsparende Multi-Protokoll-Konnektivität auf der anderen. Die aktuellen Entwicklungskits spiegeln diesen Wandel deutlich wider.

Multimedia und Bildverarbeitung im Fokus

Die ESP32-P4-Serie bleibt das Flaggschiff für rechenintensive Anwendungen ohne integrierte Funkmodule. Das im Februar 2026 aktualisierte ESP32-P4-Function-EV-Board richtet sich an Entwickler komplexer Mensch-Maschine-Schnittstellen und Edge-Computing-Lösungen. Anders als klassische ESP32-Chips verzichtet der P4 bewusst auf WLAN und Bluetooth – eine Designentscheidung, die maximale Rechenleistung für lokale Multimedia-Aufgaben freigibt.

Der Dual-Core-RISC-V-Prozessor taktet mit 400 MHz und verfügt über 768 KB internen SRAM. Für speicherintensive Anwendungen unterstützt das Board bis zu 32 MB Pseudo-Static-RAM. Die drahtlose Anbindung übernimmt ein separates ESP32-C6-MINI-1-Modul als Kommunikations-Coprozessor. Ein 7-Zoll-Kapazitiv-Touchscreen mit 1024 x 600 Pixeln und eine 2-MP-Kamera über MIPI CSI machen das Kit zur idealen Plattform für Video-Türklingeln, Netzwerkkameras und industrielle Steuerungsterminals.

Anzeige

Mit der zunehmenden Vernetzung von Industrieanlagen und Endgeräten steigen auch die Anforderungen an die digitale Sicherheit massiv an. Dieses kostenlose E-Book zeigt Unternehmern und IT-Verantwortlichen, wie sie Sicherheitslücken proaktiv schließen und sich gegen aktuelle Cyber-Bedrohungen wappnen. Strategien für proaktive Cyber-Security jetzt kostenlos entdecken

WLAN 6 erobert die Mittelklasse

Ein zentraler Trend im Frühjahr 2026: WLAN 6 hält breiten Einzug in die ESP32-C-Serie. Die neuen Kits ESP32-C5 und ESP32-C61 adressieren die zunehmende Überlastung des 2,4-GHz-Bandes.

Das ESP32-C5-DevKitC-1 – nach seinem Launch 2025 nun in breiterer Distribution – ist der erste Familienvertreter mit Dual-Band-Unterstützung (2,4 und 5 GHz). Der Single-Core-RISC-V-Prozessor mit 240 MHz integriert 400 KB SRAM sowie Bluetooth LE 5.0, Zigbee und Thread. Branchenbeobachter sehen die Dual-Band-Fähigkeit als kritische Voraussetzung für IoT-Gateways in dichten urbanen oder industriellen Umgebungen.

Das ESP32-C61-DevKitC-1 ist seit Mitte Mai 2026 in den Vertriebskanälen verfügbar. Dieses Einstiegsboard zielt auf kostensensitive WLAN-6-Anwendungen. Mit einem 160-MHz-Single-Core-Prozessor und 320 KB SRAM verzichtet es auf Dual-Band, bietet aber einen klaren Upgrade-Pfad für ältere WLAN-4-Geräte. 25 GPIOs und spezielle Anschlüsse für Strommessungen helfen Entwicklern, die Batterielaufzeit bereits in der Prototyping-Phase zu optimieren.

Spezialisten für Matter und Bluetooth Audio

Wo WLAN zu stromhungrig oder schlicht unnötig ist, kommt die H-Serie ins Spiel. Der im März 2026 angekündigte ESP32-H4 ist die Weiterentwicklung des H2-Modells und setzt auf die neuesten Bluetooth- und Mesh-Standards.

Der Dual-Core-RISC-V-Prozessor taktet mit 96 MHz. Das entscheidende Merkmal: Bluetooth LE 5.4 und Bluetooth LE Audio. Damit ist der H4 einer der ersten Low-Power-Mikrocontroller, der synchronisierte Audio-Übertragungen und Connected Audio Streaming (BIS/CIS) unterstützt – ohne den Stromverbrauch klassischen Bluetooths. Ein integrierter DC-DC-Wandler optimiert die Effizienz für batteriebetriebene Knoten.

Die Hardware ist speziell für das Matter-Smart-Home-Ökosystem ausgelegt und unterstützt Thread und Zigbee. Durch den Verzicht auf WLAN bleibt der Chip kleiner und stromsparender – ideal für Wearables, Sensoren und medizinische Geräte. Der H4 hat zudem die Bluetooth-6.0-Zertifizierung erhalten, ein wichtiges Signal für die Langlebigkeit aktuell entwickelter Produkte.

Strategischer Wandel: Maßgeschneiderte Chips statt Einheitslösung

Die Analyse der aktuellen Entwicklungskits zeigt: Espressif verabschiedet sich vom Einheitsansatz. Die Roadmap 2026 zielt auf domänenspezifische Siliziumlösungen. Auf der CES im Januar 2026 präsentierte das Unternehmen den ESP32-E22, einen Tri-Band-SoC (2,4/5/6 GHz), der physische Durchsatzraten von bis zu 2,1 Gbit/s über WLAN 6E erreicht – ein Vorstoß in Hochgeschwindigkeits-Konnektivität, die bisher teureren Anwendungsprozessoren vorbehalten war.

Die vollständige Migration auf RISC-V – vom 96-MHz-H4 bis zum 500-MHz-E22 – spiegelt den Branchentrend zu offenen Architekturen wider, die Lizenzkosten senken und mehr Anpassungsmöglichkeiten bieten. Mit dem ESP32-C3-DevKit-RUST-2 (April 2026) reagiert Espressif zudem auf die wachsende Nachfrage nach speichersicheren Programmiersprachen in eingebetteten Systemen.

Anzeige

Der technologische Wandel hin zu offenen Architekturen und neuen Konnektivitäts-Standards bringt auch neue rechtliche und sicherheitstechnische Verpflichtungen für Unternehmen mit sich. Erfahren Sie in diesem Experten-Report, wie Sie neue gesetzliche Anforderungen erfüllen und Ihre IT-Infrastruktur ohne hohe Zusatzkosten langfristig absichern. Gratis-E-Book zu IT-Sicherheit und neuen Gesetzen herunterladen

Ausblick: Welle an Matter-Geräten erwartet

Mit der Hochskalierung der massenproduktion der neuen RISC-V-Module im Sommer 2026 rechnet die Branche mit einem Schub an Matter-zertifizierten Geräten auf Basis der H4- und C5-Plattformen. Die Entwicklungskits mit integrierten Touchscreens und Bildverarbeitung senken die Einstiegshürden für Edge-KI-Anwendungen – auch für kleinere Hersteller von Smart-Home-Hubs und interaktiven Geräten.

Marktforscher erwarten, dass sich der Übergang zu WLAN 6 und 6E im Mikrocontroller-Segment beschleunigt, sobald ältere WLAN-4-Chips das Ende ihres Lebenszyklus erreichen. Für Entwickler bedeutet die wachsende Vielfalt der ESP32-Familie allerdings eine gründlichere Auswahl: Die Entscheidung zwischen dem 5-GHz-fähigen C5 und dem multimedia-lastigen P4 erfordert nun eine sorgfältige Abwägung von Leistung, Konnektivität und Rechenkapazität.