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Der einstige Vorreiter Essential Phone PH-1, einst für seine schnellen Software-Updates gefeiert, ist heute ein Paradebeispiel für die Risiken veralteter Mobilgeräte. Während das Gerät 2018 mit der Android-8.1-Beta Maßstäbe setzte, sind Nutzer der Original-Firmware heute massiven Sicherheitslücken ausgesetzt.
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Die glorreichen Tage der Android-8.1-Beta
Am 14. Februar 2018 begann für das Essential Phone eine bemerkenswerte Reise. Das Unternehmen von Android-Mitbegründer Andy Rubin übersprang kurzerhand Android 8.0 und konzentrierte sich direkt auf die stabilere Version 8.1. Damit war das PH-1 eines der ersten Geräte außerhalb der Google-Pixel-Reihe, das die neue Firmware erhielt – deutlich vor Konkurrenten wie dem Samsung Galaxy S9.
Das Beta-Update brachte entscheidende Verbesserungen: Es behob das lästige „Ruckeln beim Scrollen“, führte intelligente Textauswahl ein und ermöglichte den Bild-im-Bild-Modus. Mit rund 500 Megabyte war das Update beachtlich umfangreich und brachte das Gerät auf das Sicherheitsniveau vom Februar 2018. Besonders wichtig: Erst die Software machte den seit dem Launch vorhandenen Bluetooth-5.0-Chip nutzbar.
Bereits Mitte März 2018 folgte die stabile Version für alle Nutzer. Die Strategie: ein möglichst reines Android-Erlebnis mit minimalen Anpassungen – das ermöglichte ein Update-Tempo, das selbst Google-Geräte übertraf.
Die Bedrohungslage 2026
Doch die glorreichen Tage sind lange vorbei. Am 12. Februar 2020 stellte Essential Products den Betrieb ein – und mit ihm der offizielle Softwaresupport. Seitdem haben Sicherheitsforscher einen dramatischen Anstieg von Angriffen auf veraltete Systeme registriert. Allein in der ersten Jahreshälfte 2025 stieg die Android-Malware um 151 Prozent.
Eine kritische Sicherheitslücke, die am 3. März 2026 als CVE-2026-21385 veröffentlicht wurde, verschärft die Lage dramatisch. Der Exploit ermöglicht Remote-Code-Ausführung durch Umgehung der Systemberechtigungen. Für Essential-Nutzer, deren letztes Sicherheitsupdate im Februar 2020 erschien, gibt es keine offizielle Gegenmaßnahme.
Mehr als 30 Prozent aller aktiven Android-Geräte laufen mit Android 13 oder älter. Das Essential Phone endete offiziell mit Android 10 – die Lücke zwischen installierter Sicherheitsarchitektur und moderner Bedrohungslage ist kritisch.
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Die Rettung durch die Community
Was das Essential Phone besonders macht, ist seine Langlebigkeit dank engagierter Entwickler. Bereits die Android-8.1-Beta 2018 brachte Project Treble mit, das die Betriebssystem-Struktur modularisierte. Das erleichtert Drittentwicklern das Portieren neuer Android-Versionen enorm.
Stand April 2026 bietet das LineageOS-Projekt offizielle und inoffizielle Builds für das PH-1 (Codename „mata“). Die aktuelle Version LineageOS 22.2 basiert auf Android 15. Einige Entwickler testen bereits Builds auf Basis von Android 16 – für einen Prozessor, der 2017 auf den Markt kam.
Doch es gibt Grenzen, wie Forscher von Remio AI im Januar 2026 warnten: Custom-ROMs können oft keine geschlossenen proprietären Treiber patchen – etwa für Modem oder Grafikchip. Es bleibt eine „Firmware-Lücke“, die für Liebhaber alter Hardware ein permanentes Risiko darstellt.
Lehren aus dem Essential-Modell
Der Weg des Essential Phone von 2017 bis heute zeigt, wie sich die Branche verändert hat. Damals wurde das Unternehmen für sein „reines“ Android gefeiert. Heute versprechen Hersteller wie Google und Samsung sieben Jahre Sicherheitsupdates. Essentials drei Jahre zwischen 2017 und 2020 wirken dagegen bescheiden – für die damalige Zeit war es aber ein Maßstab.
Trotz 330 Millionen US-Dollar Finanzierung und einer milliardenschweren Bewertung verkaufte Essential in den ersten sechs Monaten weniger als 90.000 Geräte. Das Unternehmen scheiterte an der fehlenden Marktdurchdringung und öffentlichen Kontroversen um seinen Gründer.
Ausblick: Was bleibt?
Die zunehmende Integration von KI-Funktionen und hardwarebasierten Sicherheitsmodulen ab 2026 wird die Kluft zwischen Altgeräten wie dem PH-1 und moderner Hardware weiter vergrößern. Sicherheitsexperten empfehlen: Wer noch ein Essential Phone nutzt, sollte sofort auf eine gewartete Custom-ROM umsteigen oder das Gerät von sensiblen Finanztransaktionen fernhalten.
Das Essential Phone zeigt eindrucksvoll: Im Mobilfunksektor ist Softwaresupport letztlich wichtiger als die Hardware selbst. Was einst als „iPhone-Killer“ startete, ist heute ein von der Community am Leben gehaltenes Erbstück – und eine Warnung für alle, die auf veralteter Technik vertrauen.

