Estland investiert 12,6 Millionen Euro in Deep-Tech-Offensive

Estland startet ein 12,6-Millionen-Euro-Programm zur Förderung von Deep-Tech-Start-ups und treibt mit E-Residency und KI-Strategie seine digitale Vorreiterrolle weiter aus.

Estland, die digitale Vorzeigenation Europas, geht in die nächste Runde. Mit einem 12,6 Millionen Euro schweren Programm will die baltische Republik ihre Tech-Szene gezielt in Forschung und Entwicklung treiben. Die Regierung setzt damit einen klaren Fokus auf Deep Tech – komplexe Zukunftstechnologien, die das Land unabhängiger und wettbewerbsfähiger machen sollen.

Brücke über das „Tal des Todes“ für Start-ups

Das vierjährige Programm zielt darauf ab, 37 international wettbewerbsfähige Deep-Tech-Unternehmen aufzubauen. Es soll die kritische Frühphase überbrücken, in der vielversprechende Forschung oft an fehlenden Mitteln scheitert. Ein neu geschaffenes DeepTech Start-up Network bündelt die Kompetenzen führender Wissenschaftsparks und Universitäten.

„Wir wollen die Risiken für frühe wissenschaftliche Vorhaben minimieren“, erklärte Wirtschaftsminister Erkki Keldo bei der Vorstellung. Der Staat erhofft sich, mit den 12,6 Millionen Euro weitere 38 Millionen Euro an privatem Kapital zu mobilisieren. Der Bedarf ist da: Bereits 2025 zahlten Estlands 216 Deep-Tech-Firmen 68 Millionen Euro Lohnsteuer und beschäftigten über 2.500 Menschen.

E-Residency: Rekordjahr und mobile Zukunft

Parallel floriert das Aushängeschild, das E-Residency-Programm. Es ermöglicht Gründern weltweit, eine EU-Firma in Estland zu führen. 2025 gründeten E-Residents 5.556 neue Unternehmen, ein Plus von 15 Prozent. Der wirtschaftliche Gesamtnutzen für den Staat stieg um 87 Prozent auf fast 125 Millionen Euro.

Ab 2027 soll der Zugang noch einfacher werden: Eine „kartenlose“ Lösung per App ist in Entwicklung. Gründer könnten dann ihre biometrischen Daten per Smartphone übermitteln. Die Hürde für digitale Unternehmensgründungen in der EU würde so weiter sinken.

Digitale Souveränität als Sicherheitsfrage

Estland denkt bereits einen Schritt weiter. Angesichts geopolitischer Spannungen testet die IT-Behörde Riigi IT (RIT) europäische Alternativen zu US-Cloud-Diensten – selbst während sie Tausende Beamte zu Microsoft migriert. Diese Doppelstrategie soll auf regulatorische Änderungen in der EU vorbereiten.

Die digitale Expertise fließt auch direkt in die Verteidigung. Auf der World Defense Show präsentierte Estland sich als Partner für intelligente Systeme und Cyber-Resilienz. Heimische Firmen setzen auf autonome Systeme und Dual-Use-Technologien für zivile und militärische Anwendungen.

Die Vision: Ein „proaktiver Staat“ mit KI

Die Deep-Tech-Offensive ist Teil der Digitalen Agenda 2030. Estland strebt einen „proaktiven Staat“ an, in dem KI-gestützte Dienste Bürgerbedürfnisse vorausahnen. Das nationale Programm „Eesti.ai“ soll KI flächendeckend in der Wirtschaft verankern, um die Produktivität zu steigern.

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