Die EU-KI-Verordnung tritt im August in Kraft – doch es fehlen noch die technischen Regeln. Das Europäische Institut für Telekommunikationsnormen (ETSI) hat deshalb heute seine zentrale KI- und Datenkonferenz in Sophia-Antipolis eröffnet. Drei Tage lang beraten Industrie, Politik und Experten über harmonisierte Standards, die Unternehmen Rechtssicherheit geben sollen.
Wettlauf gegen die Zeit
Ab dem 2. August 2026 wird die KI-Verordnung voll anwendbar. Für Anbieter hochriskanter KI-Systeme gelten dann strenge Pflichten: von Risikomanagement über Datengovernance bis zu Cybersicherheit. Die europäischen Normungsorganisationen ETSI, CEN und CENELEC stehen unter Druck, bis dahin umfassende Standards zu liefern. Diese bieten eine „Vermutung der Konformität“ – wer sie einhält, erfüllt damit die gesetzlichen Anforderungen.
Doch der Zeitplan ist ambitioniert. Branchenvertreter fürchten, dass die Standards nicht früh genug fertig werden, um sie vor der Deadline umzusetzen. Sollte es Verzögerungen geben, kann die EU-Kommission „gemeinsame Spezifikationen“ als Übergangslösung festlegen.
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ETSI setzt auf Sicherheit und laufende Prüfung
ETSI hat bereits wichtige Grundlagen gelegt. Mitte Januar veröffentlichte das Institut mit ETSI EN 304 223 den ersten global anwendbaren europäischen Standard für KI-Cybersicherheit. Er adressiert spezifische KI-Schwachstellen wie Datenvergiftung oder Modellmanipulation.
Ende Januar folgte ein Rahmenwerk für kontinuierliche KI-Überwachung. Da sich KI-Systeme nach der Bereitstellung weiterentwickeln, sieht es automatisierte, laufende Konformitätsprüfungen vor. Dies unterstützt direkt die Nachmarktkontrollpflichten der KI-Verordnung.
Datenräume und globale Abstimmung im Fokus
Die Konferenz thematisiert auch die Schnittstelle zwischen Daten und KI. Sebastian Steinbuss, CTO der International Data Spaces Association, wird standardisierte Datenräume als verlässliche Quelle für KI-Systeme vorstellen. Ziel ist eine innovationsfreundliche Umgebung mit strukturiertem Datenaustausch.
Die Diskussionen gehen über Europa hinaus. Sessions vergleichen KI-Regulierungen verschiedener Regionen und streben internationale Benchmarks an. Die Konferenz soll Lücken im Standardisierungsfahrplan identifizieren und neue Projekte anstoßen.
Sandboxes sollen Praxis testen
Bis August muss jeder EU-Mitgliedstaat mindestens einen KI-Regulierungs-Sandbox einrichten. In diesen kontrollierten Umgebungen können Unternehmen ihre Systeme testen, bevor sie auf den Markt kommen. Die bei der ETSI-Konferenz entwickelten Standards werden die technische Basis für diese Praxisphase bilden.
Die kommenden Monate sind entscheidend. Die Zusammenarbeit zwischen Normungsgremien, Industrie und Aufsichtsbehörden bestimmt, wie klar und praktikabel die Compliance-Landschaft wird. Der europäische Weg wird weltweit genau beobachtet – als Balanceakt zwischen Innovation und Grundrechtsschutz.
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